Fahrbericht Mercedes-AMG EQS 53: Start in eine neue Ära

Quelle: sp-x

Wer AMG bislang mit bollernden Achtzylindern gleichsetzte, muss umdenken. Mit dem EQS 53 leitet die Mercedes-Performance-Tochter ihre elektrische Zukunft ein.

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Das erste Elektroauto von AMG: Der Mercedes-AMG EQS 53 4Matic+.
Das erste Elektroauto von AMG: Der Mercedes-AMG EQS 53 4Matic+.
(Bild: Mercedes-Benz)

Mercedes-Fahrzeugen eine besondere Note, vor allem aber deutlich mehr Leistung mit auf den Weg zu geben, dieses Geschäftsmodell verfolgt AMG seit einem halben Jahrhundert – mit Erfolg. Die Kunden stehen Schlange. Allerdings sind es jene, die sich gerne über laute Motoren und dicke Auspuffrohre definieren.

Als um so mutiger kann man daher den Schritt von AMG bezeichnen, jetzt das krasse Gegenteil auf die Räder zu stellen, den EQS 53 4Matic+. Die Luxuslimousine ist das erste vollelektrische Modell der Affalterbacher und steht seit Ende Januar 2022 zum Preis von 152.546 Euro in den Showrooms der Händler.

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Elektromotor statt Achtzylinder

Den AMG-Entwicklern gelang es, eine Extraportion aus Leistung, Fahrdynamik und Exklusivität ins Auto zu packen, ohne dabei den Komfort der Mercedes-Limousine einzuschränken. Der Trick: Die Variante 53 4Matic+ wurde bereits bei der Konzeption des EQS berücksichtigt und nicht im Nachhinein aufgebaut.

Die Affalterbacher Ingenieure drehten nahezu an jeder Stellschraube und betraten an vielen Stellen Neuland. Wo zuvor Achtzylinder optimiert wurden, galt es nun, Elektromotoren zu tunen. Beide E-Maschinen erhielten andere Wicklungen und eine spezielle Steuerungs-Software. „Im Prinzip sind es neu konstruierte Motoren“, sagt Projektleiter Jens Hüser. Um höhere Ströme in kürzerer Zeit zu generieren, blieb selbst die Batterie von Änderungen nicht verschont. „Unter anderem wurden die Stromabnehmer vergrößert und erhielten andere Legierungen“ verrät Hüser.

Von 0 auf 100 in 3,4 Sekunden

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die beiden Motoren erreichen nun eine Gesamtleistung von 484 kW/658 PS, das sind 25 Prozent mehr als die ohnehin schon potente Topversion des Mercedes EQS bereitstellt. Allerdings gilt das nur für den Basis-AMG. Wer das Dynamic Plus Paket wählt, kann kurzzeitig sogar bis zu 560 kW/761 PS abrufen. Und dies in Verbindung mit über 1.000 Newtonmeter Drehmoment.

Es bedarf keines Nobelpreises in Physik, um zu erahnen, was eine solche Urgewalt selbst mit einer über 2,5 Tonnen schweren Limousine anstellt. Den EQS 53 4Matic+ katapultiert sie in 3,4 Sekunden von null auf 100 km/h. Das ist bestes 911-Carrera-Niveau.

Doch nackte Zahlen sind nicht alles. Das Faszinierende an AMGs erstem elektrischen Luxusliner ist seine ungemein große Spreizung zwischen extremer Fahrdynamik und geschmeidigem Langstreckenkomfort. Besseres ist in dieser Klasse derzeit nirgends zu bekommen.

Synthetischer Motorsound

Das Spiel der Kräfte lässt sich dann noch mit einem entsprechenden Klangerlebnis untermauern, schließlich gehört Motorsound zum guten Ton des Hauses. Da Elektromotoren von Natur aus leise sind, muss hier der Computer nachhelfen. Je nach gewähltem Fahrprogramm – fünf unterschiedliche gibt es – und dem momentanen Fahrstil schickt die Elektronik einen synthetischen Geräuschmix ins Cockpit, bei dem man sich manchmal allerdings fragt, ob die den Tontechnikern die Fantasie durchgegangen ist.

Manch einer wird das als Spielkram abtun, andere damit vielleicht kurz ihren Nachbarn beeindrucken. Kleiner Trost: Der Sound ist abschaltbar. Dann zeigt die AMG-Limousine ihren anderen Charakter: eine beeindruckende Kombination aus Kraft, Komfort, Geschmeidigkeit und Stille.

Alles andere als ein City-Stromer

Um der Welt auch zu zeigen, dass es sich hier um keinen „normalen“ EQS handelt, statteten die Designer das über fünf Meter lange Flaggschiff mit einigen AMG-typischen Elementen aus. Dazu zählen vorne die senkrechten Streben im Grill und die Frontschütze im A-Wing-Design. Hinten sind es der Spoiler und der Diffusor mit seinen sechs Längsfinnen. Seitlich fallen vor allem die großen 22-Zoll-Räder auf. Das Cockpit, in diversen Ansichten konfigurierbar, wurde um ein paar Performance-Darstellungen erweitert. Wer möchte, kann sich unter anderem prominent und permanent die Leistungsabgabe in Prozentwerten anzeigen lassen, sogar im Head-up-Display.

Limousinen wie der EQS 53 4Matic+ sind alles andere als City-Stromer, sondern müssen über exzellenten Langstrecken- und Ladekomfort verfügen. Letzteren garantiert AMG durch ein intelligentes Thermo- und Lademanagement für die Batterie, die nach Norm zwischen 511 und 585 Kilometern Reichweite ermöglicht. Das ist der Leistung geschuldet, ein gutes Stück weniger als beim normalen EQS.

Aber im besten Fall lassen sich in weniger als 20 Minuten bis zu 300 Kilometer an neuer Fahrstrecke nachtanken. „Und dies sogar vollkommen grün“, sagt Projektleiter Hüser. Denn für Europa verspricht Mercedes, dass stets die gleiche Menge an regenerativ erzeugtem Strom ins Netz gespeist wird wie über „Mercedes me Charge“ entnommen wird. An Ionity-Säulen ist das Laden eines EQS 53 4Matic+ sogar gratis – wenn auch nur im ersten Jahr nach der Zulassung.

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