Mercedes GLC: Höllenritt im SUV durch Bangalore

Seite: 2/2

Firmen zum Thema

Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Man schaut stur nach vorne, erwartet keine Rücksichtnahme und macht sich über Vorfahrtsregeln keine Gedanken. Stattdessen fährt man beim Abbiegen langsam aber unbeirrt in die Gegenspur, bleibt stehen, wann und wo man will, und wendet mitten auf der größten Kreuzung der Stadt. Was die anderen davon halten, darum kümmert man sich nicht einmal am Rande. Wenn jeder an sich denkt, ist auch an alle gedacht, lautet die Devise. Und weil das jeder weiß und vom anderen nichts erwartet, ist das Risiko mit einkalkuliert.

„Ich weiß, was alles schiefgehen kann und stelle mich von vorn herein darauf ein“, umschreibt Mercedes-Forscher Saale den indischen Fahrstil und wundert sich selbst, wie gut das funktioniert. Zwar hat Indien jedes Jahr über 140.000 Verkehrstote zu verzeichnen und gehört in der Unfallstatistik zu den traurigen Spitzenreitern. Doch in den Städten kracht es überraschend wenig, man hört selten Sirenen, sieht nie Blaulicht und auch die Autos zeigen kaum Kampfspuren. Da hinterlassen die rüden Parksitten in Paris mehr Spuren im Blech als das heillose Durcheinander auf den Straßen von Bangalore.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 8 Bildern

Auf die uniformierte Ordnungsmacht sollte man sich dabei übrigens nicht verlassen – selbst wenn bisweilen mal ein Schutzmann auf der Kreuzung steht. Denn in der Acht-Millionen-Metropole gibt es gerade einmal sechs Blitzer-Ampeln. Die Tempolimits sind mit 60 in der Stadt zu hoch und mit 80 auf dem Land zu niedrig und werden ohnehin kaum kontrolliert. Und selbst wenn es einen mal erwischt, sind die Strafen vergleichsweise milde: Ein Tempo-Verstoß kostet umgerechnet sechs Euro und eine rote Ampel 1,50 Euro. Allerdings ist beim dritten Mal der Führerschein weg – wenn man denn überhaupt erwischt wird.

Cheffahrer Shiva hat denn auch eine ganz andere Erklärung dafür, dass er seinen GLC mal wieder unfallfrei durchs Chaos bugsiert und es in kaum drei Stunden quer durch die Stadt bis vor die Firma geschafft hat: Die kleine Mischung aus Elefant und Buddha, die den Gott Ganesha symbolisiert und vom Händler nicht ohne Grund jedem Neuwagen beigelegt wird: „Ohne diesen Talisman trat sich hier keiner auf die Straße“, sagt Shiva. Und nach einem halben Tag im Herzen der Autofahrer-Hölle mag man ihm beim besten Willen nicht widersprechen.

(ID:44400435)