Mercedes Nutzfahrzeuge: „Wir haben Eroberungspotenzial“

Autor Stephan Richter

In Bezug auf Neuentwicklungen sind der Fantasie bei Mercedes keine Grenzen gesetzt, erklärt Vertriebschef Harald Schuff.

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Immer noch neu und aktuell: der Actros von Mercedes-Benz.
Immer noch neu und aktuell: der Actros von Mercedes-Benz.
(Foto: Suffner)

Actros, Antos, Citan – Mercedes-Benz hat innerhalb von 18 Monaten seine Nutzfahrzeugpalette stark verjüngt. Damit zeige der Hersteller deutlich, wie sehr er seine Strategie auf Wachstum ausgerichtet habe, sagte Harald Schuff, Vorsitzender der Geschäftsleitung des Mercedes-Benz Vertrieb Deutschland im Gespräch mit »kfz-betrieb ONLINE« auf der IAA Nutzfahrzeuge 2012. Beim Citan sieht Schuff im Vertrieb sogar Parallelen zur neuen A-Klasse: „Wir erreichen mit dem neuen Stadtlieferwagen ganz neue Kunden und prophezeien dem Fahrzeug ein großes Eroberungspotenzial.“

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Effiziente Gesamtbetriebskosten sind auch im Transportergeschäft nach wie vor die elementare Basis. Schuff zufolge treten jedoch auch neue Kaufkriterien in den Vordergrund: „Design und Emotionen werden für gewerbliche Kunden immer wichtiger, genauso wie der Wunsch nach Fahrerassistenzsystemen und Sicherheitstools.“

„Wir arbeiten ergebnisorientiert“

Den bisherigen Jahresverlauf bewertet Schuff als angemessen. „Wir gehen nicht jedes Angebot mit, sondern arbeiten ergebnisorientiert. Mit unseren rund 26 Prozent Marktanteil bei Transportern bis August 2012 sind wir zufrieden.“ Dennoch bewertet er den Markt als schwierig: „Einige Kunden haben einen Neuwagenkauf zurückgestellt und warten die wirtschaftliche Entwicklung ab. Dabei sind die Auftragsbücher der Handwerker gut gefüllt. Die gefühlte Lage ist schlechter als die faktische – der stagnierende Absatz ist meiner Meinung nach auch ein emotional begründetes Thema.“

40 Prozent Euro-6-Lkw

Auf dem Markt der schweren Lkw habe es Schuff zufolge ein interessante Wendung gegeben: „Mehr als 40 Prozent aller neuen Actros verkaufen wir in Deutschland heute bereits mit Euro-6-Technologie. Damit liegen wir deutlich über unseren Zielen. Und das, obwohl sich die Bundesregierung noch nicht abschließend zu diesem Thema geäußert hat.“ Der Mehrpreis, den der Kunde heute für die neue Euro-6-Technologie in Kauf nimmt, müsse Schuff zufolge für eine Übergangszeit durch staatliche Maßnahmen ausgeglichen werden. „Der Verkehrsminister hat zur IAA Nutzfahrzeuge eine Mautspreizung für Oktober 2013 angekündigt. Wir begrüßen das, denn die Transportbranche braucht klare Rahmenbedingungen, um über die für den Fahrzeugkauf nötigen Investitionen entscheiden zu können.“

Der Fantasie keine Grenzen setzen

Zur zukünftigen Modellpolitik und zu der Frage, ob die Daimler AG plane, einen Pick-up in ihre Produktpalette aufzunehmen, sagte Schuff: „Ich persönlich nehme von diesen Fahrzeugen nicht so viele auf dem deutschen Markt wahr. Grundsätzlich sind der Fantasie natürlich keine Grenzen gesetzt.“

„Im Service sind wir weltweit Benchmark“

Doch auch die besten Produkte kommen einmal in die Werkstatt. Hier sieht Schuff die Daimler AG sehr gut aufgestellt: „Im Service sind wir weltweit Benchmark – das belegen zahlreiche Werkstatttests und Untersuchungen. Im Jahr 2000 sah das noch nicht so aus. Seither haben wir gemeinsam mit unseren Niederlassungen und Vertragspartnern viele Initiativen gestartet und konsequent Maßnahmen umgesetzt.“ Den rückläufigen Service durch das Vertriebsloch im Jahr 2009 bezeichnet Schuff als „planbares Problem“. „Wir konnten uns gemeinsam mit unseren Partnern darauf einstellen und werden auch hier Marktanteile hinzugewinnen.“

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