Mercedes S-Klasse: Das Flaggschiff soll's richten

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Gebaut wird das Auto in der neuen „Factory 56“ in Sindelfingen – wobei die „56“ einfach für die Nummer der Halle auf dem Gelände steht. Rund 730 Millionen Euro hat die etwa 30 Fußballfelder große Fabrik gekostet. Sie soll die Produktion deutlich flexibler und effizienter machen und zugleich auf die von Källenius ausgerufene Nachhaltigkeitsstrategie einzahlen. In dem rundum auch mit 5G-Technik vernetzten und digitalisierten und zudem CO2-neutral betriebenen Werk sollen neben der S-Klasse der Maybach und dazu das Top-Modell der neuen Elektromarke EQ, der EQS, vom Band laufen. Sollte es notwendig sein, kann die „Factory 56“ die Fertigung aber innerhalb kurzer Zeit auch auf jedes andere Modell vom Kompaktwagen bis zum SUV umschwenken.

Von beidem - Auto und Fabrik - hängt für den Stuttgarter Konzern in diesem von Corona geprägten Jahr eine Menge ab. Daher war der Anlauf der S-Klasse-Produktion ausdrücklich ausgenommen, als es in der bisher härtesten Corona-Phase im Frühjahr zu Kurzarbeit und Werksschließungen kam. „So viele Dinge mussten wir umplanen in diesem Jahr, im Privat- wie im Berufsleben“, sagte Källenius. „Dieses hier nicht.“

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Mit der „Factory 56“ geht der Konzern derweil auch ein Problem an, das Källenius seit seinem Amtsantritt vor gut einem Jahr immer wieder angesprochen hat: die Effizienz. Komplette Digitalisierung und Vernetzung sowie der Datenaustausch in Echtzeit sollen die Produktion effizienter machen. Im Vergleich zur bisherigen S-Klasse-Fertigung will Mercedes mit der „Factory 56“ bis zu 25 Prozent herausholen. Das neu entwickelte Operationssystem namens „MO360“ läuft hier erstmals in vollem Umfang. Klappt alles reibungslos, soll das Werk künftig als Blaupause für das weltweite Produktionsnetzwerk dienen.

Einen Erfolg mit der S-Klasse kann Daimler nicht nur gut gebrauchen - er ist quasi Pflicht. Wie die meisten Autobauer hat die Corona-Krise den Konzern hart getroffen. Im zweiten Quartal fuhren die Stuttgarter fast zwei Milliarden Euro Verlust ein und müssen nun noch stärker sparen als ohnehin von Källenius geplant - auch wenn das dritte Quartal schon wieder weitaus besser läuft. „Wir haben uns vom freien Fall erholt“, sagte der Vorstandschef.

Trotzdem will Källenius die Gewinnschwelle langfristig weiter nach unten bringen - auch mit Einschnitten beim Personal. Betriebsbedingte Kündigungen sind zwar wieder vom Tisch, dafür werden auf anderen Wegen Arbeitsplätze gestrichen. Als kurzfristige Reaktion auf die Corona-Pandemie wird in bestimmten Bereichen die Arbeitszeit verkürzt. Zudem muss die komplette Belegschaft in Deutschland auf die jährlich gezahlte Prämie verzichten. Das sogenannte tarifliche Zusatzgeld wird automatisch in freie Tage umgewandelt. Und sein Smart-Werk im französischen Hambach will Daimler verkaufen.

Fokus auf Luxus

Källenius schraubt zudem auch weiter an der Strategie, will den Fokus stärker auf Luxus und die jeweils oberen Enden der Segmente lenken, wo mehr Geld pro Auto zu verdienen ist. Was die S-Klasse einbringt, wollte der Konzernchef zwar nicht sagen. Es sei aber klar, dass ein solches Fahrzeug überproportional zur Profitabilität des gesamten Konzerns beitrage. „Dieses Auto ist für uns sehr wichtig“, sagte er. Ein Lieblingskind sollten Eltern ja nicht haben. „Aber für Autos gilt das nicht.“

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