Gefahren MG EHS – Plug-in-Hybrid für Preisfüchse

Autor / Redakteur: sp-x / Viktoria Hahn

Groß wie ein Tiguan, aber günstiger als ein T-Roc wirkt das SUV von MG auf dem Papier zunächst wie das typische China-Schnäppchen. In der Praxis sieht das jedoch anders aus.

Firmen zum Thema

Ein paar Zentimeter länger als der Tiguan und deutlich besser ausgestattet, kostet der MG EHS ein gutes Drittel weniger als der Plug-in-Hybrid aus Wolfsburg.
Ein paar Zentimeter länger als der Tiguan und deutlich besser ausgestattet, kostet der MG EHS ein gutes Drittel weniger als der Plug-in-Hybrid aus Wolfsburg.
(Bild: MG)

Bisher sind eher wenige Autos aus China auf deutschen und europäischen Straßen unterwegs. Doch die Zahl der chinesischen Fabrikate, die hier den Marktstart wagen, wächst. Der Autobauer MG bringt nun mit dem Plug-in-Hybrid EHS bereits sein zweites Modell aus China nach Europa. Es tritt im C-SUV-Segment an und kommt zusammen mit dem kleineren ZS EV, der über einen reinen Elektroantrieb verfügt, im ersten Quartal 2021 auch in Deutschland auf den Markt. Der EHS will dabei für rund 34.000 Euro gegen Tiguan & Co antreten.

Auf den ersten Blick wirkt das 4,57 Meter lange SUV mit reichlich Platz für Kind und Kegel dabei wie das klassische China-Schnäppchen. Denn ein paar Zentimeter länger als der Tiguan und deutlich besser ausgestattet, kostet er ein gutes Drittel weniger als der Plug-in-Hybrid aus Wolfsburg und man sucht unweigerlich den Haken an der Sache. Dumm nur, dass der zumindest auf Anhieb nicht zu finden ist, und all die Vorurteile gegen chinesische Fabrikate in sich zusammenfallen wie ein Kartenhaus im Wintersturm.

MG EHS: Sportlicher Plug-in-Hybrid mit 258 PS
Bildergalerie mit 11 Bildern

Denn der EHS ist weder ein peinlicher Design-Klon aus dem Copy-Shop, noch eine preiswerte Plastik-Hütte, die nach Lack und Lösungsmitteln müffelt. Im Gegenteil: Die Form ist schlicht, aber schick und das Innenleben kann es mit jedem Europäer aufnehmen: Stramm gepolsterte Sitze mit vornehmen Bezügen, reichlich Zierrat rund ums weitgehend digitale Cockpit, neutraler Geruch und vernünftige Verarbeitung – da merkt man, dass MG-Mutter SAIC daheim im China im Joint-Venture mit VW auch Tiguan & Co montiert und dabei offenbar viel gelernt hat.

Auch der Antrieb zeugt von hohem Aufwand und den großen Ambitionen der Chinesen. Denn wo der 1,5 Liter große Turbo-Benziner mit 119 kW/162 PS, der 90 kW/122 PS starke Stromer und der Lithium-Ionen-Akku von 16,6 kWh für bis zu 52 Kilometer Reichweite noch Standard sind, leisten sich die Chinesen beim Getriebe einen ungewöhnlichen Luxus: Der Verbrenner ist mit einer Sechsgang-Automatik kombiniert und der Stromer wird über eine zweite Automatik mit vier Gängen geschaltet.

Zusammen ergibt das konkurrenzlose zehn Übersetzungsstufen, von denen sich MG eine besonders feinfühlige Regelung verspricht. Dafür ist die Ladetechnik nur Mittelmaß: Weil es lediglich einen 3,7 kW-Charger an Bord gibt, hängt der EHS im besten Fall 4,5 Stunden am Kabel.

Beim Fahren verblasst der Glanz ein wenig

Erst beim Fahren selbst verblasst der Glanz des MG ein wenig. Nein, die Abstimmung geht noch in Ordnung, selbst wenn der EHS es sehr viel gelassener angehen lässt als ein Tiguan, die Lenkung ist hinreichend richtungsweisend und die Bremsen haben genügend Biss. Doch im reinen Akku-Betrieb lässt der MG bei all dem üblichen elektrischen Elan die typische Stille der Stromer vermissen und behelligt die Insassen mit einem ungewöhnlich lauten Surren.

Und sobald sich der Verbrenner zuschaltet, kommt einem der Kultfilm „Viel Lärm um nichts“ in den Sinn. Denn wer bei einer Systemleistung von 258 PS und vereinten 370 Nm auf anregende Fahrdynamik hofft und einen etwas schnelleren Puls, der wird vom MG jäh enttäuscht. Selten haben sich 6,9 Sekunden auf Tempo 100 so lange angefühlt, und mit einem Spitzentempo von 190 km/h machen die Chinesen in dieser Klasse auch keinen Stich.

Zumal man sich nach ein paar Kilometern mit Bleifuß gar nicht vorstellen möchte, wie viel Anlauf man nehmen soll, bis dieses Tempo überhaupt mal erreicht ist. Vielleicht brauchen da die beiden Automatiken einfach zu lange, bis sie ihre zehn Gänge sortiert haben.

Fünf Sterne für den passiven Schutz

Aber erstens ist Fahrspaß nicht wirklich ein Kaufkriterium für Spritspar-Autos, erst recht nicht, wenn Smart-Shopper und Schnäppchenjäger gefragt sind. Und zweitens gerät man so immerhin nur selten in die Gefahr, sich auf das üppige Sicherheitsnetz zu verlassen, das MG um den EHS gewoben hat.

Für den passiven Schutz gibt’s fünf Sterne und für den aktiven geben die Chinesen ihrem Tiguan-Konkurrenten alles mit, was gut und teuer ist: Automatische Abstandsregelung, teilautonomes Fahren auf der Autobahn, Spurführungshilfe, Querverkehrswarner beim Rangieren oder 360 Grad-Kamera – weil Elektronik billig ist im Reich der Mitte, muss MG nicht knausern.

Natürlich werden sie angesichts des MG-SUVs in Wolfsburg vor Angst nicht zittern wie Espenlaub und auch nicht in Köln oder Rüsselsheim. Doch mit einem Modell wie dem EHS könnte der Weg durch die Mitte des Markes für den Hersteller durchaus Erfolg haben. Während sich die Engländer zunehmend aus Europa abmelden, kommen die Chinesen nun also tatsächlich.

(ID:47069009)