Vernetzung Michelin stattet bis 2023 jeden Neureifen mit einem Sender aus

Autor: Jan Rosenow

Durch einen integrierten RFID-Chip sollen Werkstätten künftig mit den Reifen kommunizieren können. Die dadurch möglichen Funktionen sind aber noch relativ beschränkt.

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RFID-Chips sind extrem klein und brauchen keine eigene Energiequelle.
RFID-Chips sind extrem klein und brauchen keine eigene Energiequelle.
(Bild: Michelin)

Vom „intelligenten Reifen“ träumen Autoentwickler schon lange. Wenn beispielsweise die fahrdynamischen Kräfte direkt in der Lauffläche ermittelt werden, könnten Fahrerassistenzsysteme viel schneller und genauer eingreifen. Eine Temperaturmessung würde Vorhersagen über den Zustand des Reifens denkbar machen, und sogar die Profiltiefe ließe sich mit geeigneten Sensoren ermitteln.

Ganz so weit geht Michelin bei seiner Ankündigung, bis 2023 jeden neu produzierten Pkw-Reifen zu vernetzen, zwar nicht. Doch auch die dabei verwendete RFID-Technik macht viele Funktionen möglich, die dem Fahrer, aber auch den Werkstätten und den Recyclern helfen können.

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Der Vorteil von RFID (Radio Frequency Identification) liegt darin, dass sie eine kostengünstige Möglichkeit zur funkgestützten Identifizierung von Reifen darstellt und im Vergleich zu anderen Sensoren sehr robust ist. Nachteil: RFID-Chips können keine Messwerte aufnehmen, sondern lediglich ein voreingestelltes Identifikationssignal senden. Doch dadurch wird eine genaue Reifenidentifikation möglich. Und das verbessert laut Michelin die ESP-Regelung, weil sich das Steuergerät an die jeweilige Reifencharakteristik anpassen kann – beispielsweise an den Unterschied in der Bremsleistung zwischen Sommer- und Winterreifen.

Fahrzeug meldet, wenn ein falscher Reifen montiert ist

Ein möglicher Nutzen der RFID-Technik für die Werkstatt ist, dass sie per RFID-Lesegerät die Reifendimension elektronisch auslesen kann. Diese Daten können dann elektronisch in die Kundenakte übermittelt werden. Kommt es doch einmal zu einer Fehlmontage, zum Beispiel eines falschen Speed-Indexes oder Lastkennzahl, dann zeigt der Bordcomputer des Fahrzeugs eine Warnung an, wenn dieser entsprechend programmiert ist. Und schließlich hat der Nutzer die Möglichkeit, seine Lagerbestände schneller zu kontrollieren, wenn diese mit RFID-Chips ausgestattet sind.

Recyclingunternehmen erhalten mithilfe des RFID-Chips Informationen zur Lebensdauer des Reifens und zu seinen Bestandteilen. Durch den Abgleich der Informationen können sie ihre Prozesse verbessern, indem sie beispielsweise Reifen mit ähnlichen Gummimischungen identifizieren und gemeinsam verarbeiten.

All diese Vorteile ließen sich noch einmal potenzieren, wenn sich die gesamte Reifenindustrie darauf einigen könnte, RFID-Chips mit dem gleichen technischen Standard zu verwenden. Mal sehen, ob es dazu kommt.

15 Millionen Chips pro Jahr aus Deutschland

Die in den Michelin-Reifen eingesetzte RFID-Technik kommt übrigens aus Deutschland, und zwar aus dem Werk Homburg: Dort können pro Jahr bis zu 15.000.000 RFID-Chips mit Gummi ummantelt werden. Die Nachfrage nach vernetzten Reifen im Markt steigt stetig. Daher hat Michelin im November eine weitere RFID-Anlage in seinem Werk im Saarland in Betrieb genommen. Schon heute sind übrigens rund 90 Prozent aller Lkw-Neureifen von Michelin mit den Chips ausgestattet.

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Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group