Deutscher Werkstattpreis Michels Feelgood-Managerin sorgt für Mitarbeiter- und Kundenwohl

Autor Jakob Schreiner

Bei der Reparatur von Nutzfahrzeugen verlangt der Kunde häufig viel Flexibilität. Eine Eigenschaft, die die Kfz-Werkstätte Michels auch ihren Mitarbeitern entgegenbringt. Das führte die freie Werkstatt in die Top Ten des Deutschen Werkstattpreises 2021.

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Das Team der Kfz-Werkstätte Michels mit der selbst ernannten „Feelgood-Managerin“ und Prokuristin Janine Gläser (1. Reihe, vorne links).
Das Team der Kfz-Werkstätte Michels mit der selbst ernannten „Feelgood-Managerin“ und Prokuristin Janine Gläser (1. Reihe, vorne links).
(Bild: Kfz-Werkstätte Michels)

Für die Speditionen und Flottenbetreiber zählt eine schnelle Reparatur ihrer liegen gebliebenen Zugmaschine, ihres defekten Lkws oder des Transporters mit Startschwierigkeiten, um die Fahrzeuge wieder zügig einsetzen zu können. Das Nutzfahrzeuggeschäft ist oft nicht planbar – die Fahrer stehen auf der Matte, wenn etwas kaputt ist. „Wir müssen in unserer Branche unseren Kunden eine unglaubliche Flexibilität gewährleisten“, weiß Janine Gläser, Prokuristin der Kfz-Werkstätte Michels aus Hahn am See im Westerwald. Sie könne von „ihren Jungs“ nicht erwarten, so flexibel zu sein, wenn man es als Unternehmen selbst nicht ist, ist sie sich sicher.

„Bei uns arbeiten Familienväter und junge Menschen, die sich ganz andere Dinge erhoffen, als das noch vor 40 Jahren der Fall war“, erklärt Gläser. Deren Bedürfnissen möchte sie gerecht werden, um auch als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben. So sind flexible Arbeitszeiten ebenso selbstverständlich wie eine vom Betrieb bezahlte Altersvorsorge. „So schließen wir die Versorgungslücke für uns junge Leute, in die wir fallen werden“, erklärt Gläser. Um die richtige Vorsorge kümmert sich ein im Haus ansässiger Versicherungsmakler, der sich im Obergeschoss der 2019 errichteten Werkstatt eingemietet hat.

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Und auch sonst wird der Rest des 15-köpfigen Teams umsorgt – mit fairen Gehältern, mal einem Mittagessen, dem stets offenen Ohr für ihre Belange, einem familiären Betriebsklima sowie gepflegten und großzügigen Sozialräumen. „Unsere Büros sind mit Abstand die kleinsten Räume im Unternehmen“, fasst Janine Gläser zusammen.

Die junge Frau, die ein Studium der Psychologie sowie Management & Ökonomie absolviert hat, ist selbst 2017 in den Nutzfahrzeugbetrieb ihres Vaters eingestiegen und wird auf der Internetseite als die „Feelgood-Managerin“ des Unternehmens in Hahn am See vorgestellt. Ihr erklärtes Ziel: das Alte mit dem Neuen zu verbinden, junge Menschen für das Handwerk zu begeistern und für Mitarbeiter wie auch Kunden stets ein offenes Ohr zu haben.

Für Jung und Alt

Bestes Beispiel: Der „Junior“-Werkstattmeister Christian Benner hat mit gerade mal 25 Jahren die Leitung der Werkstatt inne. Er hat nach der Ausbildung direkt seinen Meister angeschlossen und hat sich seitdem zu einer echten Führungspersönlichkeit im Unternehmen entwickelt. Diese Entwicklung war kein Zufall. Der Betrieb hat ihm eine Wohlfühlbasis geschaffen, damit er im Unternehmen bleibt. „Wir haben ihm Verantwortung gegeben und ihm einen erfahrenen Kollegen zur Seite gestellt, von dem er lernen kann“, wie Gläser erklärt. Das Lernen soll dabei aber in beide Richtungen funktionieren – so erhalte man eine gute Mischung aus Know-how und frischem Wind, ist sie sich sicher.

Man hat aber nicht nur die Belange der Mitarbeiter im Blick – sondern auch die der Kundschaft. Das heißt bei der Kfz-Werkstätte Michels: nicht einfach nur Teile tauschen, sondern dort, wo es wirtschaftlich sinnvoll ist, auch noch echtes Reparaturhandwerk anzubieten. Dabei ist eine ehrliche Beratung auf Basis eines großen Vertrauensverhältnisses unabdingbar: Welche Reparatur lohnt sich, welche nicht, was steht demnächst an oder welches Fahrzeug könnte bald ausfallen?

Deutscher Werkstattpreis 2021
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Dieses Vertrauen kommt nicht von ungefähr, sondern ist über Jahre entstanden. „Wir sind mit unseren Kunden gewachsen“, erklärt Gläser. Zum Kundenstamm gehören viele lokale Unternehmer mit ihren Fahrzeugflotten, aber auch größere Speditionen mit 150 bis 200 Zugfahrzeugen. Diese würden oftmals auf einen gemischten Fuhrpark setzen. „Wir können hier alles aus einer Hand bedienen“, sagt sie. Um diese Fülle an Fahrzeugen reparieren zu können, hat sich der Betrieb 2016 dem Alltrucks-Konzept – einem Mehrmarkenkonzept für den Lkw-Bereich von ZF, Bosch und Knorr-Bremse – angeschlossen. Und bei Lkw von Mercedes Benz kann das Unternehmen sogar auf die originale Diagnosesoftware des Herstellers zurückgreifen und damit quasi alle Arbeiten anbieten wie eine Markenwerkstatt.

Vernachlässigte Anhänger im Blick

Aber in den Markengefilden will man bei Michels gar nicht wildern. „In die Arbeiten, die eine Markenwerkstatt durchführt, bekommen wir keinen Fuß. Das müssen wir aber auch gar nicht“, sagt Gläser. Sie konzentrieren sich auf etwas ältere Fahrzeuge und kümmern sich lieber um das, was bei den Vertragspartnern oft zu kurz kommt: die Kipper, Anhänger und Auflieger der Lkw. Der Betrieb ist hierfür unter anderem Partnerwerkstatt des Sattelauflieger-Herstellers Schmitz Cargobull oder des Kipper-Herstellers Hyva. „Wir sind hier bestens ausgebildet und verfügen über das notwendige Know-how“, erzählt sie.

Ein weiteres Standbein, an das sich längst nicht jede Werkstatt traut, sind Busse, Bagger, Landmaschinen und Nutzfahrzeuge. „Im Prinzip reparieren wir alles, was sich bewegt oder bewegt wird“, fasst Gläser zusammen. Und dazu zählen auch Pkw. Die machen zwar nur einen vergleichsweise geringen Geschäftsanteil aus – aber auch hier legt die Werkstatt mit jeder Menge Fachkompetenz Hand an. Denn das Werkstattteam besteht sowohl aus gelernten Pkw- als auch Nfz-Mechatronikern.

Ein Statement für die Region

Und die können sich in der äußerst geräumigen, gut ausgestatteten und neu gebauten Werkstatt austoben, die sie im April 2019 bezogen haben. Auf dem 15.000 Quadratmeter großen Grundstück ist ein Betriebsgebäude mit modernstem Standard entstanden. Zu den Highlights zählen eine Wärmepumpe, die komplette LED-Beleuchtung mit Bewegungssensoren, eine Fußbodenheizung, mit der man auch kühlen kann, oder die Solaranlage auf dem Dach, die das Gebäude weitestgehend autark mit Strom versorgt.

Hierfür hat das Unternehmen knapp 3,5 Millionen Euro investiert und beim Bau – was Janine Gläser besonders wichtig war – ausschließlich mit heimischen Firmen und Dienstleistern zusammengearbeitet. „Das war eine bewusste Entscheidung, um die Region zu stärken und unsere Verbundenheit zu unserer Heimat zu zeigen“, begründet sie die Entscheidung. Dort wo es möglich war, wurde – wie bei den Fliesen – auch auf heimische Rohstoffe zurückgegriffen.

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