Neuzulassungen Mieses Jahresergebnis wegen fehlender Mietwagen und taktischer Zulassungen

Autor: Andreas Grimm

Im Corona-Jahr ist alles anders. Während normalerweise bei sinkender Nachfrage die taktischen Zulassungen explodieren, waren Hersteller und Händler zuletzt eher untätig. Doch das ändert sich vermutlich, da sich die Nachfrage der klassischen Käufer eintrüben dürfte.

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(Bild: Grimm/»kfz-betrieb«)

Das an Überraschungen nicht arme Corona-Jahr 2020 ist mit einem neuerlichen unerwarteten Ergebnis zu Ende gegangen: mit um zehn Prozent gestiegenen Pkw-Zulassungszahlen im Dezember. Dahinter stecken zwei Entwicklungen, die bereits das gesamte Jahr die Dramatik der Corona-Krise im Neuwagenhandel gebremst haben. Sowohl die gewerblichen Kunden als auch die Privatkäufer haben ihren Konsum weniger stark gekürzt, als es die Zahlen für den Gesamtmarkt vermuten lassen.

Im Dezember 2020 sprangen die Privatzulassungen laut einer Auswertung der Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts durch die Marktforschung Dataforce um 45,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat nach oben. Auch die gewerblichen Kunden legten nochmals eine Schippe drauf und steigerten ihre Neuzulassungen um 9,3 Prozent. Als Auslöser für die Jahresendrallye darf das Ende des reduzierten Mehrwertsteuersatzes zum Jahreswechsel angenommen werden.

In den Sonderkanälen sanken im Dezember dagegen die Zulassungszahlen (-25,2 % Fahrzeugbau, -10,9 % Fahrzeughandel, -6,4 % Autovermieter). Für die Entwicklung spielen zwei gegenläufige Tendenzen eine Rolle: Einerseits waren über diese Sonderkanäle im Dezember 2019 eine überdurchschnittliche hohe Zahl an Fahrzeugen in den Markt gedrückt worden. Andererseits sorgte das erstmals für dieses Jahr geltende 95-Gramm-Emissionsziel für die Hersteller für taktische Zulassungen von Hybrid- und E-Fahrzeugen. Der Rückgang der taktischen Zulassungen lag daher im Dezember deutlich unter dem Jahresdurchschnitt.

Insgesamt fielen die Pkw-Neuzulassungen im Gesamtjahr 2020 um 19,1 Prozent. Die geringsten Rückgänge verzeichnet Dataforce dabei für die Firmen- und Flottenkunden mit 12,4 Prozent auf 821.989 Einheiten. Hier dürfte die staatliche Unterstützung der Elektromobilität einen wesentlichen Beitrag geleistet haben, den Absatz relativ stabil zu halten. Vor allem Plug-in-Hybride sind für Dienstwagen bei den Fuhrparkmanagern derzeit sehr beliebt.

Nur unwesentlich schlechter hielt sich im zurückliegenden Jahr der automobile Privatkonsum. Insgesamt ließ diese Käufergruppe 1.082.899 Neuwagen zu. Das waren 13,0 Prozent weniger als im Jahr 2019. Seit Anfang Juli ließ sich in diesem Vertriebskanal die Wirkung der gesenkten Mehrwertsteuer erkennen, die Absatzzahlen waren mit einer Ausnahme seither gestiegen. Mit dem Ende der Förderung und wachsender wirtschaftlicher Unsicherheit infolge des derzeitigen zweiten Lockdown ist in diesem Segment nun mit einer schwierigen Phase zu rechnen. Die Wirtschaftsprüfer von EY hatten jüngst vorhergesagt, dass erst im zweiten Halbjahr 2021 die Kauflaune wieder steigen wird.

Sehr von der weiteren Entwicklung abhängig ist die Lage der Autovermieter. Sie hatten in den letzten Monaten angesichts geringer Nachfrage ihre Flotten stark reduziert. Die Erstzulassungen auf die Vermietfirmen sanken um 30,2 Prozent auf noch 286.697 Einheiten. Normalisiert sich die Lage, werden diese Unternehmen gezwungen sein, vermehrt Autos zuzulassen. Bleibt das Land noch länger im Lockdown, werden sie weiter zurückhaltend agieren.

Schon jetzt macht sich das geringere Volumen der Autovermieter in fehlenden jungen Gebrauchten bemerkbar. Auch aus diesem Grund dürfte die Zurückhaltung bei den taktischen Zulassungen der Hersteller und Händler zu Ende gehen. Die Fahrzeugbauer hatten im Gesamtjahr 28,4 Prozent weniger Neuwagen zugelassen (222.973 Einheiten). Bei den Händlern sank der Zulassungseifer um 28,5 Prozent auf 503.120 Einheiten.

Privatkunden fahren auf Utilities ab

Besonders im von Dataforce extra ausgewiesenen Transportermarkt zeigt sich die allgemeine Entwicklung besonders deutlich. Die Neuzulassungen an leichten Nutzfahrzeugen und Pkw-Utilities sind der Auswertung zufolge im Gesamtjahr um 9,4 Prozent auf 511.433 Einheiten gesunken – deutlich geringer als im Neuwagenmarkt im Allgemeinen.

Dabei waren für den Rückgang fast ausschließlich die Sonderkanäle zuständig. Die Hersteller fuhren die Eigenzulassungen um 32,6 Prozent herunter, die Händler sowie die Vermieter um jeweils gut 22 Prozent. Bei den gewerblichen Kunden summierte sich der Rückgang auf 5,9 Prozent. Die privaten Zulassungen stiegen dagegen sogar um 3,3 Prozent auf 132.000 Einheiten – ein Viertel des Marktes. Auslöser hierfür war der Boom der Freizeitmobile.

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Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«