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Mission E Cross Turismo – spannender Prototyp

| Autor / Redakteur: sp-x / Jakob Schreiner

Bei einer ersten Ausfahrt im Porsche „Mission E Cross Turismo“ hat der Prototyp gezeigt, wie sich die elektrische Zukunft der Schwaben auf der Straße anfühlt. Eines vorweg: Trotz E-Antrieb lässt sich der Sportkombi wie ein echter Porsche fahren.

Der Cross Tursimo basiert auf dem Mission E.
Der Cross Tursimo basiert auf dem Mission E.
(Bild: Porsche)

„Nicht so zaghaft, Sie können ruhig das Pedal durchtreten.“ Wer mit Stefan Weckbach im Porsche Mission E Cross Turismo auf Testfahrt geht, der verliert schnell den Respekt vor dem millionenschweren Einzelstück. Denn wo die Entwickler sonst oft schon Herzrasen bekommen, wenn ihre Studien mal mit Schritttempo über eine Straße rollen und statt dem Glanz der Messescheinwerfer etwas Tageslicht abbekommen, will der Projektleiter hier in den Hügeln hinter Hollywood und am Strand von Malibu Fahrspaß demonstrieren.

Schließlich ist der aufgebockte Sportkombi im Offroad-Look der Vorbote des ersten vollelektrischen Porsches und muss beweisen, dass der Reiz des Rasens auch ohne Verbrenner nicht verloren geht. Erst recht hier in Kalifornien, wo bislang Tesla die alleinige Deutungshoheit für die Zukunft des Luxusautos beansprucht hat.

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Also spricht Weckbach dem Fahrer vom Sozius aus Mut zu und bereitwillig leistet man ihm Folge. Wie auf der Playstation, völlig geräuschlos und deshalb fast ein wenig virtuell, schießt der Cross Turismo den Topanga Canyon hinauf und mit jeder Meile auf dem Mullholland Drive wird das Grinsen breiter. Doch das hier ist keine VR-Simulation. Das Auto ist real und entsprechend mitreißend, selbst wenn die Cops im Begleitfahrzeug den Spaß ein bisschen einbremsen, weil sie erstens zumindest ein bisschen nach den Regeln schauen müssen und zweitens ihr Chevy Tahoe ohnehin nicht mithalten kann.

Aber der Bremser mit Blaulicht ändert nichts an der Faszination, die von der weißgrauen Flunder ausgeht: 600 PS bleiben 600 PS, egal, ob sie von einem V8-Turbo kommen wie im Panamera oder eben von zwei E-Motoren, von denen jeder eine Achse antreibt. Ein Sprint von 0 auf 100 in weniger als 3,5 Sekunden fühlt sich noch spektakulärer an, wenn er so unvermittelt und scheinbar mühelos kommt, und so wie der Cross Turismo durchzieht, glaubt man ihm das Spitzentempo von mehr als 250 km/h auch ohne die Probe aufs Exempel.

Zumal das hier in den Hügeln hinter Hollywood auch ohne Polizeieskorte kaum zu schaffen wäre, so eng und kurvig, wie die Straßen hier sind. Stattdessen freut man sich hier lieber an der variablen Kraftverteilung und den Segnungen der Hinterradlenkung, dank derer sich der knapp fünf Meter und sicher mehr als zwei Tonnen schwere Cross Turismo mehr nach Macan anfühlt als nach Cayenne.

Mission E neu eingekleidet

Dass der Cross Turismo so gut fährt, liegt weniger am hohen Anspruch, den Porsche an die Studie stellt, sondern an seinen Verwandtschaftsverhältnissen. Denn selbst wenn es zu den Aussichten des Showcars als mögliche Erweiterung der Modellpalette für mehr Platz im Fond und einen größeren Aktionsradius durch die höhere Bodenfreiheit noch keine offizielle Angaben gibt, basiert er doch auch den normalen Mission E, der Ende nächsten Jahres auf die Straße kommt. „Wir haben deshalb für den Messeauftritt kein großes Spielzeugauto gebaut, sondern einen unserer Prototypen neu eingekleidet,“ sagt Weckbach.

Es knirscht und knarzt deshalb zwar ein bisschen im Kunststoff-Gebälk, die handgeschnitzten Reifen schleifen bisweilen in den Radkästen, man kann die Sitze und die Spiegel nicht verstellen und leider brennt die Sonne brutal durch das riesige Glasdach. Doch was an Technik unter dem Wagenboden steckt, das gibt einen ziemlich konkreten Ausblick auf das Serienmodell, verspricht Weckbach.

Das gilt nicht nur für die Motoren, sondern auch für den Akku, der eine Kapazität von rund 90 kWh haben wird und so für mehr als 500 Kilometer reichen soll. Nur das mit dem 800 Volt-Laden klappt hier in Kalifornien noch nicht. Aber so verlockend die Vorstellung auch sein mag, in 15 Minuten den Strom für 400 Kilometer zapfen zu können – es gibt schlimmere Ecken, um einen längeren Ladestopp abzuwarten als den Strand von Malibu.

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