Triales Studium im Kfz-Handwerk Mit Ehrgeiz und Ausdauer zum Bachelor

Von Doris Pfaff

Lina Höttges ist gerade mal 26 Jahre Jahre alt, Karosseriebauerin und Autolackiererin und hat bereits ihren Meister und ihren Bachelor in Betriebswirtschaft und Handwerksmanagement in der Tasche. Damit ist sie die erste Handwerksmanagerin in NRW.

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Blumen und Urkunden für die Absolventin (v. l.): Dr. Thomas Grünewald, Präsident der Hochschule Niederrhein, Andreas Ehlert, Präsident der HWK Düsseldorf, Lina Höttges und Prof. Dr. Siegfried Kirsch, Dekan an der Hochschule Niederrhein.
Blumen und Urkunden für die Absolventin (v. l.): Dr. Thomas Grünewald, Präsident der Hochschule Niederrhein, Andreas Ehlert, Präsident der HWK Düsseldorf, Lina Höttges und Prof. Dr. Siegfried Kirsch, Dekan an der Hochschule Niederrhein.
(Bild: Hochschule Niederrhein/Lammertz)

Ihre erste Handwerksmanagerin im Land feierte die Handwerkskammer Düsseldorf jetzt mit der Kreishandwerkerschaft Mönchengladbach. Sie hatten 2015 gemeinsam den trialen Studiengang an der Hochschule Niederrhein gestartet und nun erstmals einer Frau zu diesem Abschluss gratulieren dürfen.

„Und das auch noch mit Bestleistungen. Sie sind eine echte Macherin, die ihresgleichen sucht. Von Führungspersönlichkeiten wie Ihnen brauchen wir im Handwerk noch sehr viel mehr“, lobte Andreas Ehlert, Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf, die Absolventin. In einem Impulsvortrag in der Hochschule hob er die Bedeutung des Qualifizierungserfolgs der Gesellin und Meisterin mit Bachelorabschluss hervor. Damit habe sie in NRW ein Stück Bildungsgeschichte geschrieben.

Für die 26-jährige Lina Höttges ist ihr Abschluss ein weiterer Höhepunkt in ihrer Laufbahn im Kfz-Gewerbe. Ihre erste Ausbildung zur Fahrzeuglackiererin absolvierte sie gleich nach ihrem Abitur im Familienbetrieb, einem freien Karosserie- und Lackierbetrieb in Mönchengladbach.

Handwerk von der Pike auf gelernt

Der Betrieb sei wie ihr zweites Zuhause gewesen. Schon als Schülerin habe sie regelmäßig im Büro mit angepackt. „Insofern war für mich eigentlich klar, dass ich hier einsteigen will, aber auch das Handwerk von der Pike auf lernen möchte“, erzählt sie.

Ihre erfolgreiche Ausbildung zur Autolackiererin hat ihren Ehrgeiz noch mehr geweckt. Das Angebot der Kreishandwerkerschaft zum trialen Studium, mit dem sie zugleich einen neuen Handwerksberuf – den des Karosseriebauers – erlernen und ihren Meister sowie den Bachelor als Handwerksmanagerin machen kann, kam da genau passend.

2016 startete sie ihr Studium und ihre Ausbildung zur Karosseriebauerin. Dann folgte die Meisterschule in Vollzeit. Im Herbst 2021 schloss sie schließlich als erste Absolventin der Handwerkskammer Düsseldorf und nach fünf Jahren Regelstudienzeit das triale Studium ab.

„Es waren fünf harte Jahre. Ich musste auf vieles verzichten“, erzählt Lina Höttges. Die Freitagabende und Samstage verbrachte sie in Vorlesungen an der Uni, in der Woche lernte sie im Betrieb ihren zweiten Ausbildungsberuf. Nach drei Jahren machte sie ihren Meister als Fahrzeuglackiererin. Dann folgten der betriebswirtschaftliche und der kaufmännische Teil des Studiengangs.

Angebote aus der Autoindustrie

Inzwischen hat sie ihren Titel mit Bestnoten in der Tasche und kann sich ihre berufliche Zukunft aussuchen. Angebote erhalte sie reichlich, insbesondere aus der Autoindustrie, sagt sie. Wo genau die Reise hingeht, weiß Höttges noch nicht so genau. Der ursprüngliche Plan, den Familienbetrieb zu übernehmen, habe sich inzwischen zerschlagen. Klar sei aber, dass sie eine Führungsposition und irgendwann die Selbstständigkeit anstrebe.

„Ich könnte einen Karosserie- und Lackierbetrieb führen, aber mir auch gut eine beratende Tätigkeit in einer großen Autohausgruppe vorstellen“, so Höttges. Derzeit ist sie in einem Lackierzentrum in Krefeld beschäftigt, wo sie Arbeitsabläufe unter die Lupe nimmt und optimiert.

Die Reaktionen der Mitarbeiter auf sie und ihre Titel seien durchweg positiv. „Einige Kollegen waren skeptisch. Inzwischen bekomme ich viel Lob, auch dafür, dass ich die fünf Jahre durchgehalten habe“, sagt Höttges. Vor allem ihr Durchhaltevermögen habe ihr die Anerkennung ihrer ausschließlich männlichen Kollegen eingebracht. Hinzu kam, dass sie aufgrund ihrer Leistungen die Ausbildung um ein Jahr verkürzte und zugleich als Jahrgangsbeste die Gesellenprüfung abschloss.

Richtige Weg, um eine Führungsposition anzustreben

Alles in allem ist Höttges zufrieden, wie sie es angegangen hat: „Das triale Studium ist genau der richtige Weg, um im Handwerk eine Führungsposition oder Selbstständigkeit anstreben zu können. Man erhält eine betriebliche und akademische Ausbildung gleichzeitig. Und das war für mich perfekt.“

Freude in der Hochschule in Mönchengladbach: (v. l.) Frank Mund, Kreishandwerksmeister von Mönchengladbach und Präsident des Kfz-Gewerbes NRW, Dr. Thomas Grünewald, Präsident der Hochschule Niederrhein, Absolventin Lina Höttges, Prof. Dr. Siegfried Kirsch, Dekan an der Hochschule Niederrhein, und Andreas Ehlert, Präsident der HWK Düsseldorf.
Freude in der Hochschule in Mönchengladbach: (v. l.) Frank Mund, Kreishandwerksmeister von Mönchengladbach und Präsident des Kfz-Gewerbes NRW, Dr. Thomas Grünewald, Präsident der Hochschule Niederrhein, Absolventin Lina Höttges, Prof. Dr. Siegfried Kirsch, Dekan an der Hochschule Niederrhein, und Andreas Ehlert, Präsident der HWK Düsseldorf.
(Bild: Kreishandwerkerschaft Mönchengladbach)

Frank Mund, Präsident des Kfz-Gewerbes NRW und Kreishandwerksmeister von Mönchengladbach, ist beeindruckt und wertet den Weg Höttges als zukunftsweisend: „Berufliche und akademische Bildung haben als gemeinsame Aufgabe, dass ihre Absolventen künftig gleich mehrere drängende Erneuerungsbedarfe gleichzeitig beherrschen können müssen: die Klima- und die Mobilitätswende, die Ertüchtigung der vernachlässigten Infrastrukturen und die digitale Modernisierung der Wirtschaft. Deshalb ist es nur konsequent, beide Qualifizierungswege, sowohl den Hochschulweg als auch den berufsbildenden, gleichermaßen zu stärken und zu entwickeln – und aus beiden Bildungsmodellen die Synergien – in anderen Worten: das Beste aus beiden Welten – zu gewinnen“, lobte Mund.

Informationen zum trialen Studium Handwerksmanagement gibt es im Internet.

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