Mensch Auto! Mit Hund und Hausschuh im Topolino

Autor: Wolfgang Michel

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Doch kann es auch eine Geschichte erzählen? Menschen können das! Geschichten über sich und ihre Mobilität erzählen. Die heutige „Mensch Auto!“-Geschichte schickte uns ein Autohändler aus dem Saarland.

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Unterwegs mit Hund und Hausschuhen: Uropa Willi Senst in seinem Fiat 500 („Topolino“). Die Aufnahme entstand in Rohrbach/Saar im Jahr 1963.
Unterwegs mit Hund und Hausschuhen: Uropa Willi Senst in seinem Fiat 500 („Topolino“). Die Aufnahme entstand in Rohrbach/Saar im Jahr 1963.
(Bild: Uwe Conrad)

Das Bild zeigt meinen Uropa Willi Senst 1963 mit seinem Fiat 500 – im Volksmund „Topolino“ (italienisch für „Mäuschen“) genannt. Es entstand bei einem „Boxenstopp“ an einem Gasthof in Rohrbach/Saar. Hier gab es nämlich die besten Schinkenbrote weit und breit. Immer an Uropas Seite war seine Hündin Lisel. Die beiden konnte nichts trennen, auch keine Sonntagsausflüge im Automobil. Ohne seine vierbeinige Begleiterin zog der alte Herr niemals los. Was man allerdings vom passenden Schuhwerk an diesem Tag nicht behaupten konnte. Wer genau hinsieht, stellt fest: Willi hatte vergessen, seine Sonntagsschuhe anzuziehen. Stattdessen war er in Hausschuhen unterwegs. Der guten Laune tat das jedoch keinen Abbruch.

1963 war ich gerade einmal zwölf Jahre jung; mein 1880 geborener Uropa war bereits 83. Ursprünglich war Willi Droschkenkutscher in Berlin. Doch der Bergbau lockte um die Jahrhundertwende Arbeiter aus ganz Deutschland mit guten Löhnen ins Saargebiet. Da sein leidenschaftliches Hobby die Musik war, musste Willi jedoch nicht sehr lange unter Tage arbeiten. Er stieg im wahrsten Sinne des Wortes auf in die Bergwerkskapelle. Anfangs spielte er Trompete, später war er für viele Jahre deren Dirigent.

Familienbande – damals noch mehr als ein Begriff

Ich habe viel Zeit mit meinem Uropa verbracht. 1957 sind meine Eltern, meine Großeltern und Willi in unser selbst gebautes Haus gezogen. Im Obergeschoss lag mein winziges Zimmer direkt gegenüber dem des Familienältesten. Vier Generationen unter einem Dach, da war immer etwas los. Auch wenn das Geld immer knapp war, ließ sich mein Uropa nie aus der Ruhe bringen. Er war immer gut gelaunt. Erst recht, wenn er auf seinem Bett lag und seine geliebten Zigarren rauchen konnte. Der Rauch zog bis in mein Zimmer.

Paula, Emalie und Erna hießen die drei Töchter von Willi und seiner Frau. Erna, meine Oma, war seine Lieblingstochter. Schon früh im Krieg lernte sie – als eine der ersten Frauen – große Lkw mit Holzvergaser zu fahren. Für sie gab es nichts, was man nicht lernen konnte. Sie war ein echtes „Teufelsweib“. Und der Vater stand seiner Tochter in nichts nach. Die beiden hatten einen Plan: Sobald etwas Geld gespart war, sollte ein Auto her. Zusammen wollten Willi und Erna die Gegend motorisiert erkunden. Da kam der Fiat 500 gerade recht, den Willi für wenig Geld kaufte.

Touren durch das Saarland, Frankreich und Luxemburg

Der Motor des von 1936 bis 1948 produzierten Fiat 500 hatte einen Hubraum von 569 Kubikzentimetern. Mit diesem brachte es der Vierzylinder-Reihenmotor auf überschaubare 14 PS. Die reichten meinem Uropa aber vollkommen aus. Fortan erfolgten die sonntäglichen Ausflüge mit dem Topolino. Nicht nur das Saarland wurde erkundet, die Touren führten uns auch ins benachbarte Frankreich und nach Luxemburg. Zu meiner Freude durfte ich oft mitfahren. Viel Spaß hatten wir dann stets bei Speis und Trank.

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Zur Person

Uwe Conrad (69)

Seit 1997: Leiter Smart-Center Saarbrücken/Seit 2020 SMP Automobilhandel AG

Davor: zehn Jahre Geschäftsführer beim größten Ford-Händler an der Saar.

Studium der Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Absatzwirtschaft, Abschluss: Diplom-Betriebswirt

Kontakt: SMP Automobilhandel AG

Uropa Willi ist fast 90 Jahre alt geworden. Bis kurz vor seinem Tod war er mit Oma Erna und dem Mäuschen unterwegs. Noch heute denke ich mit Freude an diesen eindrucksvollen Teil meiner automobilen Kindheit zurück.

Haben auch Sie eine persönliche „Mensch Auto!“-Geschichte für uns? Gerne dürfen Sie uns diese (Text und Foto) an steffen.dominsky@kfz-betrieb.de mailen.

(ID:47422992)

Über den Autor

 Wolfgang Michel

Wolfgang Michel

Chefredakteur »kfz-betrieb«