Corona-Lockerungen Mit sinkenden Inzidenzen steigen die Hoffnungen der Auto-Händler

Autor: Doris Pfaff

Noch greift fast überall die Bundesnotbremse. Doch weil die Zahl der Neuinfizierten allmählich bundesweit sinkt, schmieden erste Länder Pläne für Lockerungen. Dabei gehen sie aber nicht einheitlich vor.

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Mancherorts dürfen Autohändler bald die Absperrbänder vorerst wohl wieder wegpacken.
Mancherorts dürfen Autohändler bald die Absperrbänder vorerst wohl wieder wegpacken.
(Seyerlein/»kfz-betrieb«)

Schleswig-Holstein hat es geschafft, Niedersachsen und auch Hamburg: Dort liegen die Landesinzidenzen deutlich unter 100. Auch in anderen Bundesländern sinkt die Zahl der Corona-Neuinfizierten langsam. Ab einer stabilen Sieben-Tages-Inzidenz von unter 100 tritt die seit dem 24. April bestehende Bundesnotbremse außer Kraft, und es greifen wieder die Corona-Schutzverordnungen der Bundesländer.

So konnte Schleswig-Holstein bereits weitreichende Lockerungen vollziehen, Baden-Württemberg und Bayern wollen nachziehen. Allerdings planen die Landesregierungen dies recht unterschiedlich. Und das hat Folgen für den Kfz-Handel.

Baden-Württemberg plant unter anderem, den Einzelhandel zu öffnen, wenn die Inzidenz an fünf aufeinanderfolgenden Tagen unter 100 liegt. Ein entsprechendes Eckpunktepapier präsentierte das Sozialministerium am Mittwoch Wirtschaftsverbänden, darunter auch der Kfz-Landesverband. Darin vorgesehene Maßnahmen sollen in die neue Landesverordnung einfließen, die ab Mitte Mai nötig wird.

„Für den Kfz-Handel bedeutet das, dass geöffnet werden darf, wenn die kreisweiten Inzidenzen stabil unter 100 sind. Damit haben wir erstmals wieder eine Perspektive für die Öffnung“, sagte Carsten Beuß, Hauptgeschäftsführer des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg. Die Landesinzidenz liegt aktuell bei über 160. Bis Mitte Mai rechne das baden-württembergische Sozialministerium mit einem Wert von unter 100.

Bayern sieht nur Lockerungen für Kultur und Gastronomie vor

Bayern legte nun dagegen einen Entwurf für seine neue Corona-Schutzverordnung vor, der nur Lockerungen für Gastronomie und Kultur enthält, keine jedoch für den Einzelhandel. Sollte der Entwurf im Freistaat umgesetzt werden, bliebe es für den Einzelhandel noch eine ganze Weile bei den aktuell geltenden Regeln.

Denn der Einzelhandel darf demnach in Bayern bei einer Inzidenz von 50 bis 100 eines Kreises oder einer kreisfreien Stadt nur per Click and Meet öffnen. Bis 150 müssen Kunden dann zusätzlich einen tagesaktuellen negativen Corona-Test vorlegen. Erst wenn die Inzidenzwerte stabil unter 50 liegen, dürfen nach derzeitigem Stand die Autohäuser für den Kunden öffnen. Wann und ob überhaupt diese Werte erreicht werden, ist nicht absehbar. Aktuell liegt die Landesinzidenz in Bayern bei über 130.

„Einfach nicht mehr vermittelbar“

Entsprechend verärgert regierte das Kfz-Gewerbe Bayern auf die Pläne der Staatsregierung. Zwar habe man Verständnis für die Lockerungen zugunsten von Kultur und Gastronomie. „Aber dass gleichzeitig der Handel bei möglichen Erleichterungen vollkommen ausgeklammert wird, das ist den mittelständischen Kfz-Innungsbetrieben einfach nicht mehr vermittelbar“, sagte Albert Vetterl, Präsident des bayerischen Kfz-Gewerbes.

Der vorgelegte Entwurf des Kabinetts biete keine Öffnungsperspektive und sei nicht nachvollziehbar. Gerade Autohäuser mit ihren mehreren 1.000 Quadratmeter großen und oftmals unter freiem Himmel gelegenen Verkaufsflächen seien im Zusammenspiel mit erprobten Hygienekonzepten und digitaler Kontaktnachverfolgung keine Infektionstreiber. Darauf verweise auch das RKI.

Dennoch müssten die rund 7.000 bayerischen Kfz-Innungsbetriebe nun weiter um ihr wirtschaftliches Fortbestehen kämpfen, nachdem das Jahr 2020 äußerst schwierig gewesen und der Ausfall des Frühjahrsgeschäft 2021 kaum zu kompensieren sei, so Vetterl.

„Die Chance, nun zumindest mit einem geordneten Wirtschafts- und Personalplan in das zweite Halbjahr 2021 zu starten, wird von der Staatsregierung zunichte gemacht“, sagte er. Vor dem Hintergrund der aktuellen Tarifverhandlungen sei das keine gute Ausgangslage und gefährde die rund 140.000 Ausbildungs- und Arbeitsplätze.

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 Doris Pfaff

Doris Pfaff

Redakteurin bei »kfz-betrieb«, Ressort Verbände & Politik