Autopunkt Falkensee Mit Spezial-Werkstatt und Gelassenheit ins Elektrozeitalter

Autor: Jakob Schreiner

Mit einer zukunftsweisenden Investition in eine eigene E-Auto-Werkstatt hat einer der ältesten Skoda-Händler Deutschlands sein Bekenntnis zur E-Mobilität manifestiert. Das ist aber nur ein Grund, warum der Autopunkt Falkensee zu den Top-Ten-Betrieben des Service Awards 2020 zählt.

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Der Autopunkt Falkensee ist seit gut 30 Jahren am Standort in der Coburger Straße 8 in Falkensee in der Nähe von Berlin zu finden.
Der Autopunkt Falkensee ist seit gut 30 Jahren am Standort in der Coburger Straße 8 in Falkensee in der Nähe von Berlin zu finden.
(Bild: Rosenow/»kfz-betrieb«)

Er hat sich lange Zeit selbst als Skeptiker der Elektromobilität bezeichnet. Doch als Skoda-Händler Peter Przestacki, Geschäftsführer des Autopunkt Falkensee in der Nähe von Berlin, den ersten reinen batterieelektrischen Kleinwagen Citigo seines Herstellers auf dem Hof hatte, waren seine Zweifel verflogen. Das Ansprech- und Fahrverhalten des Stromers begeisterten ihn von Beginn an.

Es dauerte nicht lange, und der erste Citigo-Leihwagen war angeschafft. Und auch die ersten Kunden ließen nicht lange auf sich warten: „Die Autos gingen weg wie warme Semmeln“, erzählt Przestacki. Gerade die Nähe zur Hauptstadt spiele eine entscheidende Rolle: Dort könne der Citigo seine Stärken voll ausspielen.

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Doch die dürftige Lieferfähigkeit des Herstellers machte Peter Przestacki einen Strich durch die Rechnung. Von heute auf morgen waren Kontingente nicht mehr verfügbar. Bereits verkaufte Einheiten musste er wieder rückabwickeln. Trotzdem ist der 63-Jährige vom künftigen Erfolg der Elektroautos überzeugt. Das zeigt die jüngste Investition des Unternehmers: Auf gut 100 Quadratmetern errichtete er neben seinem Stammgebäude eine eigene E-Auto-Werkstatt mit drei Arbeitsplätzen samt Ladestationen und hauseigenem Quarantäneplatz. Der grün markierte Parkplatz steht künftig für Kundenfahrzeuge zur Verfügung – eine Ladesäule wird in Kürze installiert.

Während der ein oder andere Kollege im Alter von Przestacki bereits an seine Rente denkt, investiert der 63-Jährige mit der E-Werkstatt noch einmal kräftig in seinen Betrieb. „Solange es gesundheitlich geht, mache ich die nächsten Jahre auf jeden Fall weiter“, sagt Przestacki.

Das ist für ihn aber kein Zwang, da er keinerlei Kredite bedienen muss und der Betrieb schuldenfrei ist. „Hier ist alles bezahlt. Wenn ich aufhören möchte, mache ich die Schilder ab, und dann ist gut“, erzählt Przestacki. Diese Tatsache hat ihm auch in der jüngsten Krisenzeit Sicherheit und Gelassenheit gegeben. Auch er hat zwar Verluste hinnehmen müssen, ist aber insgesamt gut und ohne Kurzarbeit durch die Zeit gegangen. „So eine Coronakrise halten wir schon aus“, sagt er.

Skoda-Händler der ersten Stunde

Den Grundstein für seine gelassene Herangehensweise hat der Unternehmer selbst gelegt. Peter Przestacki hat sich 1978 als Geselle in Ost-Berlin selbstständig gemacht, was damals noch möglich war. Dennoch hat er wenig später seine Kfz-Meister-Prüfung abgelegt und als nächsten Schritt den Kleinstwagen Yugo aus dem ehemaligen Jugoslawien verkauft. „Das war die richtige Größe, um sich an das Handelsgeschäft heranzutasten“, erinnert er sich. Im Anschluss daran folgte dann in den frühen Neunzigerjahren die Marke Skoda, was den Autopunkt Falkensee zu einem Skoda-Händler der ersten Stunde macht.

Parallel dazu zog der Betrieb an den heutigen, insgesamt rund 6.000 Quadratmeter großen Standort um. Dieser ist quasi mit der Marke Skoda mitgewachsen. So hat er vor der E-Werkstatt in eine Halle zur Vermessung und Kalibrierung und eine eigene Karosseriewerkstatt samt Lackiererei investiert. Aktuell sind am Standort 15 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beschäftigt.

Bei Anruf Chef

Im Arbeitsalltag legen Przestacki und sein Team besonderen Wert auf den ehrlichen und persönlichen Kontakt zu ihren Kunden. Das geht sogar so weit, dass der Geschäftsführer für alle seine Kunden auch außerhalb der Geschäftszeiten auf dem Mobiltelefon erreichbar ist. „Wenn mich jemand in meiner Freizeit anruft, stört mich das nicht“, sagt Przestacki. Oftmals sei es ohnehin nur ein kleines Problem, das er am Telefon klären oder erklären könne. Und seine Kunden danken es ihm und bleiben der Werkstatt treu. Von den Neuwagenkäufern kommen über die Hälfte auch nach Ablauf der Herstellergarantie noch zu ihm ins Haus, schätzt er. Verkauf und Service profitieren so von den Synergieeffekten.

Ein weiterer Punkt in Przestackis Unternehmensphilosophie: Er verzichtet bewusst auf Umsatzprovisionen bei seinen Mitarbeitern. Sie sollen möglichst entspannt, ehrlich und ohne Zwang, etwas verkaufen zu müssen, mit den Kunden sprechen können. „Ich habe nichts gegen aktives Verkaufen, aber das muss seriös bleiben und nicht zulasten des Kunden gehen“, erklärt er.

Qualität statt Quantität

Deshalb steht auch die Qualität der Service- und Reparaturarbeiten an oberster Stelle. „Wir machen lieber fünf statt sieben Inspektionen. Die dann aber richtig“, sagt Przestacki. Seine Mechaniker arbeiten dabei ohne Stempeluhr und haben genügend Zeit, um die Aufträge zu erledigen. Dafür fordert er dann aber auch eine fehlerfreie Arbeit ein. Geld ist auch mit dieser Herangehensweise zu verdienen, ist er sich sicher. Außerdem ist der Verzicht auf die Stempeluhr seine unternehmerische Freiheit, von der er gerne Gebrauch macht. Die Zeiterfassung kommt nur in Garantiefällen und bei Aufträgen, die revisionssicher abgearbeitet werden müssen, zum Einsatz.

Die abschließende Kontrolle der Arbeit bei der Probefahrt durch ihn oder den Werkstattmeister soll dann auch die Gewissheit bringen, dass sauber und ordentlich gearbeitet wurde. Ein System, das nach den Worten des Geschäftsführers aufgeht: Die Reklamationsquote geht gegen null.

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 Jakob Schreiner

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Fachredakteur Ressort Service & Technik