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Mobilitätsdienste: Weder bekannt noch gewollt

Autor: Christoph Baeuchle

Land auf, Land ab ist von alternativen Mobilitätsdienstleistungen die Rede, doch nur wenige kennen sie. Und wer sie kennt, der braucht sie nicht. So lauten einige Ergebnisse einer Yougov-Studie im Auftrag von ICDP.

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Beim Carsharing gibt es noch viel Platz.
Beim Carsharing gibt es noch viel Platz.
(Bild: Bundesverband Carsharing)

Mobilitätsdienstleistungen sind hip, aber vorwiegend in den Medien. Vom Endverbraucher werden sie bislang kaum wahrgenommen, geschweige denn genutzt. Dies ergab eine Umfrage von Yougov im Auftrag der Forschungsorganisation ICDP. Befragt wurden mehr als 6.000 Endverbraucher, ein repräsentativer Querschnitt der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien.

Egal ob All-inclusive-Leasing, Carsharing oder andere Mobilitätsdienstleistungen – viele Endverbraucher bekommen die neuen Angebote gar nicht mit. Von Neuwagen-Abonnements hat gerade mal jeder Siebte (15 Prozent) etwas gehört, bei All-inclusive-Leasing sind es immerhin 40 Prozent.

Ähnlich sieht es beim Carsharing aus: Gerade mal jeder Fünfte (23 Prozent) kennt das Angebot. In Großstädten sind es etwas mehr: In Berlin (35 Prozent), London (33 Prozent) und Paris (34 Prozent) hat immerhin jeder Dritte etwas von der Dienstleistung mitbekommen.

Damit nicht genug: Die Mobilitätsdienstleistungen sind nicht nur kaum bekannt, sie sind auch kaum gefragt. Mit gerade mal 28 Prozent findet nicht mal jeder Dritte Carsharing oder Neuwagen-Abonnements interessant, beim All-inclusive-Leasing sind es mit 37 Prozent etwas mehr.

Fragt man die Endverbraucher nach ihren Erwartungen an die Angebote, sind diese völlig überzogen. Für drei Viertel der Befragten (76 Prozent), die an Carsharing interessiert sind, ist eine stetige Verfügbarkeit eines Fahrzeugs zu Hauptverkehrszeiten wichtig oder sehr wichtig. Ein Ding der Unmöglichkeit – aus Betreibersicht. Damit würde die niedrige Auslastung in schwachen Zeiten zu extremen Kosten führen.

Ebenfalls für drei Viertel wäre es wichtig, das Fahrzeug an einem beliebigen Ort – nicht am Ort des Fahrtbeginns – abstellen zu können. Die Folge: große operative und kostenintensive Herausforderungen für die Betreiber. Das in kleinen Gebieten in Großstädten bereits umgesetzte Free-Floating dürfte in größeren Gebieten undenkbar sein. Zumindest wenn man damit Geld verdienen will.

Die Folge: Nur für wenige Endverbraucher ist es vorstellbar, ihr derzeitiges Fahrzeug durch Mobilitätsleistungen zu ersetzen. Gerade mal jeder Siebte (15 Prozent) könnte sich vorstellen, den Erst- oder Zweitwagen durch Carsharing zu ersetzen.

Eher stellen die Befragten ihr Verhalten um: Während nur jeder Zehnte (9 Prozent) sein eigenes Fahrzeug seltener nutzen will, kann sich gut jeder Sechste (16 Prozent) vorstellen, öfters auf den öffentlichen Nahverkehr zu verzichten.

Bei allen Fans alternativer Angebote dürfte mit den Ergebnissen der Studie eine gewisse Ernüchterung einsetzen. Sollen die Mobilitätsdienstleistungen ein Erfolg werden, gilt es, viele Baustellen zu schließen: Neben der geringen Wahrnehmung der Angebote und dem geringen Interesse daran gilt es vor allem, die hohen Erwartungen zu dämpfen. Sonst sind Enttäuschungen vorprogrammiert.

ICDP zieht aus den Ergebnissen eine klare Schlussfolgerung: Der Großteil der Endverbraucher besitzt auch in fünf bis zehn Jahren noch ein eigenes Fahrzeug. Allerdings könnte sich dessen Finanzierung ändern.

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