Citroën Mon Ami – ein spezieller Freund

Autor Steffen Dominsky

Mehr als eine Million Exemplare des skurrilen Wagens entstanden, der seinen Namen dem italienischen „amici“ (Freunde) zu verdanken hat. Er gilt neben dem Traction Avant, dem 2CV und der DS als eine der Designikonen der französischen Marke.

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Trotz der anfänglichen Kritik an seinem Aussehen wurde der Ami 6 dank seiner durchdachten Konzeption einer voller Erfolg. 1966 war er das meistverkaufte Automobil Frankreichs.
Trotz der anfänglichen Kritik an seinem Aussehen wurde der Ami 6 dank seiner durchdachten Konzeption einer voller Erfolg. 1966 war er das meistverkaufte Automobil Frankreichs.
(Bild: Archives Terre Blanche/Photononstop)

Es gibt zahlreiche bekannte französische Ausdrücke, die (fast) jeder kennt. Einer lautet „Avantgarde“. Die politische wie künstlerische Bewegung wurde im automobilen Bereich maßgeblich von einer europäischen Firma geprägt: Citroën. Sie bescherte der Welt Ikonen wie die DS. Oder eben auch illustre Erscheinungen wie den Ami 6. Nachdem er mit dem Citroën-Designteam bereits den Traction Avant, den 2CV und die DS entworfen hatte, wurde Flaminio Bertoni mit der Entwicklung eines Mittelklassewagens betraut. Das Ergebnis war besagter Ami 6 – sein Meisterwerk, wie er es selbst bezeichnete.

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Die Karosserie des Ami 6 mit den stark akzentuierten Linien und der nach hinten geneigten Heckscheibe, die auch bei Regen eine klare Sicht ermöglichte, sorgte für großes Aufsehen. Das Modell bot einen großen Kofferraum, eine optimale Raumnutzung bei kompakten Abmessungen und viel Komfort für alle Passagiere. Die Technik hatten die Ingenieure vom 2CV abgeleitet. So basierte unter anderem der luftgekühlte Zweizylinder-Boxermotor auf dem Aggregat der legendären „Ente“. Den Ami 6 gab es anfänglich mit bescheidenen 21 PS/16 kW, stärkere Motorisierungen folgten.

Kombi erfolgreicher als Limousine

Neben der markanten Front sorgten auch die mittig nach innen gewölbte Motorhaube, das Dach im Pagode-Stil und die auffälligen Linien an den Seiten für ein Erscheinungsbild, das sprichwörtlich ins Auge stach. Im April 1961 erstmals vorgestellt, ergänzte man beim Freund (Ami) bereits im folgenden September hintere Schiebefenster und einen von außen zu öffnenden Kofferraumdeckel. Der Innenraum des Neuen erinnerte hingegen an die DS. Vom Einspeichenlenkrad über die Türgriffe bis hin zu den Bedienelementen und Sitzen: Alles entsprach höchsten Qualitätsansprüchen – sagt Citroën. Insbesondere die Club-Versionen mit vier Scheinwerfern und weißer Seitenverkleidung, die ab September 1967 auf den Markt kamen, erfreuen sich auch heute großer Beliebtheit bei den Fans des Modells.

Ende 1964 feierte die Kombiversion Break mit 320 Kilogramm Nutzlast ihre Premiere. Entworfen wurde sie von Henri Dargent, Assistent von Flaminio Bertoni, und Robert Opron, Nachfolger des 1964 verstorbenen Bertoni. Der Break schaffte es nicht nur, den Absatz deutlich anzukurbeln, sondern überholte die Limousine sogar − ein sehr seltenes Ereignis in der Automobilgeschichte. Mehr als die Hälfte der über eine Million produzierten Ami 6 entfallen auf den Break. Das Design war konsensorientierter und bot zudem ein beträchtliches Volumen für ein Fahrzeug dieser Kategorie. Zudem war der Ami 6 Break vielseitig einsetzbar – ideale Voraussetzungen für Familien wie für professionelle Einsätze, beispielsweise im handwerklichen Bereich. So avancierte der Ami Kombi 1966 zum meistverkauften Fahrzeug in Frankreich.

Nach acht Jahren war Schluss

In technischer Hinsicht sorgte die Fahrwerksaufhängung des 2CV für ein bekannt kommodes Fahrverhalten, wohingegen die neu konstruierten rechteckigen Scheinwerfer zu einer um 26 Prozent höheren Lichtausbeute gegenüber den konventionellen runden Scheinwerfern wie bei der Ente führten.

Auffällig war aber nicht nur das Design, sondern auch das Marketing. In damaligen Werbeanzeigen bewarb der Hersteller den Ami 6 als „Zweitfahrzeug, ideal für die Dame des Hauses“. Die Produktion der Limousine endete im März 1969, sechs Monate vor Produktionsende des Ami 6 Break. Nachfolger wurde der konventionellere Ami 8, dessen Heckscheibe in die „richtige“ Richtung zeigte. Diese löste 1978 der Visa ab.

Wissenswertes zum Citroën Ami 6

  • Der Modellname Ami 6 setzt sich zusammen aus der internen Bezeichnung „AM“ und „amici“ (italienisch für Freunde) – inspiriert von seinem Designer, der selbst Italiener war. Zudem wurde das französische „Ami six“ bewusst als Wortspiel zum englischen „a missis“ gewählt, da mit diesem Modell mehr Frauen als Kundinnen gewonnen werden sollten.
  • Am 19. Dezember 1966 veranstaltete Citroën „Le Tour de Gaule d’Amisix“. An den Start in Rennes-La-Janais gingen drei Ami 6 Break, um ihre Ausdauer und Straßenqualitäten unter Beweis zu stellen. Das Ziel erreichten sie – begleitet von einer Eskorte – nach 23 Stunden und 11 Minuten; insgesamt hatte das Team 2.077 Kilometer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 89,6 km/h zurückgelegt.
  • Im Juni 1963 wurde der Ami 6 mit vier runden Scheinwerfern und verstärkten Stoßfängern in den Vereinigten Staaten vorgestellt.
  • 1.039.384 Ami 6 baute Citroën insgesamt: 483.986 Limousinen (April 1961 bis März 1969), 551.880 Break (Oktober 1964 bis September 1969) und 3.518 Entreprise (Break Service, zwei Sitzplätze, verglaste und verkleidete Versionen).
  • In Deutschland sind Sammler und Liebhaber des Ami 6 vorrangig im Ami Register (www.ami6.de), im Citroën Veteranen Club von Deutschland e. V. (www.cvc-club.de) und im André Citroën Club (www.andre-citroen-club.de) organisiert.

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