Nach Rücktritt: Ghosn wird durch zwei Manager ersetzt

Nissan will Kooperation fortsetzen

| Autor: dpa

Die Amtszeit von Renault-Chef Carlos Ghosn ist am Ende. Der 64-Jährige ist zurückgetreten.
Die Amtszeit von Renault-Chef Carlos Ghosn ist am Ende. Der 64-Jährige ist zurückgetreten. (Bild: Renault)

Der in Japan inhaftierte Auto-Manager Carlos Ghosn ist als Konzernchef von Renault zurückgetreten. Das hatte zuerst am Donnerstag die Deutsche Presse-Agentur aus dem Umfeld von Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire erfahren. Die umfassenden Aufgaben des 64-jährigen Top-Managers für den französischen Autobauer wie für die Allianz mit Nissan und Mitsubishi werden künftig aufgeteilt. Der bisherige Stellvertreter Thierry Bolloré leitet als Generaldirektor nun dauerhaft das operative Geschäft. Der scheidende Michelin-Chef Jean-Dominique Senard steht künftig als Präsident dem Renault-Verwaltungsrat vor und ist damit für die Auto-Allianz mit den Japanern verantwortlich.

„Wir begrüßen diese Management-Wechsel bei Renault“, erklärte Nissan-Chef Hiroto Saikawa. Der japanische Partner will nun die Kooperation mit den Franzosen beschleunigen. Er wünsche sich ein Treffen mit der neuen Konzernführung so bald wie möglich, sagte Saikawa.

Der 64-jährige Ghosn war am 19. November in Tokio zusammen mit seiner früheren rechten Hand Greg Kelly wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen festgenommen und angeklagt worden. Zudem soll er laut Staatsanwaltschaft private Investitionsverluste auf Nissan übertragen haben. Bis zu einem Prozess könnten noch Monate vergehen. Vor Gericht hatte der Top-Manager seine Unschuld beteuert.

Die Ablösung Ghosns in Frankreich kam letztlich nicht überraschend. Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire hatte zuvor mit deutlichen Worten eine Nachfolge gefordert. Es müsse eine neue Etappe geben, wenn Ghosn dauerhaft verhindert sei. Der Staat ist bei Renault ein wichtiger Spieler, er hält 15 Prozent der Anteile.

Ghosn hatte bisher ungeachtet der Anschuldigungen in Japan bei Renault den Titel Président-directeur général behalten. Der Traditionshersteller hatte aber bereits nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe in Japan Ghosns bisherigem Stellvertreter Bolloré vorläufig die Geschäftsführung übertragen. Renault stellte danach bei der Bezahlung Ghosns für die Jahre 2017 und 2018 keine Unregelmäßigkeiten oder Betrug fest. Weitere Untersuchungen für die Jahre davor laufen aber noch.

Sorgen um die Zukunft der Allianz

Renault und Nissan sind wechselseitig aneinander beteiligt. Nur wenige Tage nach seiner Festnahme war Ghosn von Nissan und Mitsubishi als Verwaltungsratschef gefeuert worden. Insbesondere in Frankreich gibt es Sorgen um den Bestand des von Ghosn aufgebauten und kontrollierten Auto-Imperiums.

Erst am vergangenen Freitag war bekanntgeworden, dass Ghosn unerlaubt Millionenbeträge von einer niederländischen Tochterfirma kassiert haben soll. Ghosn habe von dem niederländischen Gemeinschaftsunternehmen Nissan-Mitsubishi B.V. (NMBV) ohne vorgeschriebene Absprache mit den beiden anderen Vorstandsmitgliedern, Nissan-Chef Hiroto Saikawa und Mitsubishi Motors-Chef Osamu Masuko, rund 7,8 Millionen Euro Entschädigung erhalten, wie die beiden Renault-Partner bekanntgaben.

Nissan/Mitsubishi: Ghosn bezog knapp acht Millionen Euro von Tochterfirma

Nissan/Mitsubishi: Ghosn bezog knapp acht Millionen Euro von Tochterfirma

18.01.19 - Nissan und Mitsubishi haben sich zu den Ergebnissen einer internen Prüfung im Fall Carlos Ghosn geäußert. Der ehemalige Chef beider Autohersteller habe fast acht Millionen Euro von einer Tochterfirma bezogen. Das Führungsgremium des Konzerns will davon nichts gewusst haben. lesen

Kommentare werden geladen....

Ihr Kommentar zum Thema

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45706111 / Wirtschaft)

Plus-Fachartikel

Toyota: „Ein relevanter Player“

Toyota: „Ein relevanter Player“

Die japanische Marke gibt im Nutzfahrzeuggeschäft Gas. Flottenchef Mario Köhler erklärt, warum der Hersteller eine eigene Nutzfahrzeugmarke ins Leben ruft und im Handel spezialisierte Light-Vehicle-Center installieren will. lesen

Nutzfahrzeugfinanzierung: Den Bedarf genau kennen

Nutzfahrzeugfinanzierung: Den Bedarf genau kennen

Transporterleasing ist nicht gleich Transporterleasing, weiß Christian Schüßler, Commercial Director von Arval Deutschland. Es braucht individuelle Angebote, um die Nutzfahrzeugkunden zu erreichen. lesen