Navigationskarten: Das Ziel ist der Weg

Autor / Redakteur: sp-x / Gerd Steiler

Für eine optimale Zielführung benötigen Navi-Systeme eine schier unendliche Datenmenge. Wir haben dem Spezialisten Tomtom in die Karten geschaut.

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Mobile Datenerfassung: Mit solchen Kartografie-Autos fährt Tomtom die Straßen in Deutschland und Europa ab.
Mobile Datenerfassung: Mit solchen Kartografie-Autos fährt Tomtom die Straßen in Deutschland und Europa ab.
(Foto: Tomtom)

Früher, als der Autofahrer noch genügsamer war, wälzte man den (oft auch noch veralteten) Straßenatlas oder verhedderte sich in der Ziehharmonika des Faltstraßenplans. Es ist noch gar nicht so lange her, dass erste satellitengestützte Navigationssysteme den Weg zum Ziel deutlich entspannten. Wo bin ich? Wo will ich hin? Und wie komme ich bestens an mein Ziel? Diese Grundfragen sind das Geschäftsmodell von Navi-Anbietern wie Tomtom, Navteq oder Garmin. Spezialisten, die sich aber mehr denn je der Konkurrenz aus dem Smartphone erwehren müssen.

Denn immer mehr Menschen nutzen auch im Auto die teils kostenlosen Handy-Apps für die Navigation. Nicht zu vergessen: Street View und Maps des Giganten Google oder die gemeinschaftlich gesammelten Daten von Open Source Maps. Wer hier nicht Boden verlieren will, muss nicht nur noch mehr sammeln, sondern diese gewonnenen Daten auch möglichst intelligent und nutzerfreundlich verknüpfen.

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Intelligente Verkehrsführung

„Die Basis der Navigation ist immer noch die Karte“, betont Georg Fisch, Leiter des Tomtom-Kartenzentrums für Nord- und Zentraleuropa. Als einziger Navigationsanbieter erstellt das niederländische Unternehmen sein eigenes Kartenmaterial. Allerdings holte sich Tomtom vor einigen Jahren Unterstützung und kaufte mit Tele Atlas den führenden Anbieter für digitale Karten. Diese Abbildungen der weltweiten Orte und Verkehrswege basieren zum Teil zwar noch auf den Ergebnissen der klassischen Kartografie. Doch in den neunziger Jahren kam die zivile und kommerzielle Nutzung der weit präziseren Satellitenaufnahmen hinzu, sowie die rasante Entwicklung der umfassenden digitalen Verkehrserfassung.

Der Weg zum Ziel kann dadurch immer vielschichtiger beschrieben werden. Wer sich zum Beispiel einem mobilen Navigationsgerät oder dem festverbauten Navi im Multimediasystem des Autos anvertraut, will über immer mehr immer schneller informiert werden: Baustellen und damit verbundene Umleitungen, Staus, veränderte Verkehrsführungen oder Geschwindigkeitsregelungen. Man erwartet, dass die neue Siedlung am Stadtrand mit ihren Straßen und Hausnummern ebenso rasch erfasst wird wie der kürzlich erbaute Kreisel.

Europas Straßen zu 99 Prozent erfasst

Die Mitarbeiter von Georg Fisch müssen sich einen Weg durch dieses Datendickicht bahnen. Im Dienste der Navigation haben sie die gut 900.000 Kilometer des deutschen Straßennetzes Abschnitt um Abschnitt abgefahren und seit 2008 rund 99 Prozent aller befahrbaren Wege des europäischen Kontinents erfasst. Zu dieser Grundlage addieren sich noch die Luft- und Satellitenbildaufnahmen sowie Informationen, die Tomtom über eine eigene Plattform von Regierungsstellen und Behörden erhält. Geschäftspartner wie die Deutsche Post, deren Ausfahrer quasi berufsmäßig als Scouts im täglichen Verkehrsfluss unterwegs sind, liefern genauso Input wie die inzwischen 16 Millionen zählende Gemeinschaft der „Map-Share-Community“.

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