Navigationskarten: Das Ziel ist der Weg

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Mit Hilfe dieser ständig aktualisierten Datenzufuhr bietet etwa ein Produkt wie Tomtom Traffic seinen Kunden permanente Routen-Neuberechnungen oder optimierte Alternativwege an. Am Beispiel eines neugebauten Kreisels südlich von München zeigt Fisch, wie die passiven und aktiven Quellen seiner Spezialisten zusammenspielen. Die ursprüngliche, kreiselfreie Straße befand sich als Bestand in der Datenbank. Mitglieder der Map-Share-Community meldeten dann die Fertigstellung eines Kreisels mit Bildern und Ortsangaben. Tomtom holte sich Satellitenbilder und ergänzte die Mess-Informationen zudem mit Wärmebildern, die die Häufigkeit und Hauptrichtungen der Verkehrsbewegungen in Farben übersetzte. In den Frühtagen der mobilen Navigation dauerte der Prozess der Kartenaktualisierung mindestens sechs Monate. Heute liegt die Update-Rate schon bei 48 Stunden.

Kein „Google-Mobil“

Aber auch Datenbanken wie sie von Tomtom und seinen Wettbewerbern gepflegt werden, kommen nicht ohne die klassische Feldforschung aus. Im Falle der Niederländer kann es zum Beispiel ein aufgerüsteter VW Golf sein, der Meter um Meter abspult und pro Jahr allein in Europa 120.000 Kilometer im Auftrag der besseren Orientierung absolviert. Wie groß die Flotte insgesamt ist, will man aus Wettbewerbsgründen aber nicht mitteilen. Weil nichts bleibt wie es ist, rechnen die professionellen Navigationsdienstleister mit jährlichen Veränderungen im Straßennetz von bis zu 15 Prozent.

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Mit an Bord für das sogenannte Mobile Mapping sind neben einem hochsensiblen GPS-System ein Odometer, der die zurückgelegte Wegstrecke misst, eine 360-Grad-Standbildkamera und ein Laserscanner, der unter anderem auch für 3D-Karten aufzeichnet. Die Speicherkapazität der Datenträger im Kartografenmobil beträgt insgesamt vier Terrabyte, das erfasste Datenvolumen pro Tag liegt bei 300 bis 400 Gigabyte. Abhängig von der Straßenbeschaffenheit ist der Golf mit 30 bis 80 km/h unterwegs und zeichnet auf Autobahnen alle zehn Meter, auf allen anderen Straßen alle acht Meter auf. Und auch das gehört zum Alltag der beiden Insassen im Golf: Aufklären, dass hier nicht ein Google-Mobil für Street View Aufnahmen macht und das die Datenschutzrichtlinien eingehalten werden.

Straßenatlas immer dabei

Die so gesammelten Daten werden dann mit einem Feature namens Panoramix mit dem Archiv abgeglichen. Hat sich seit der letzten Erfassung beispielsweise eine Straßenführung verändert, wird entsprechend am Rechner aktualisiert und die neue Verkehrssituation in diesem Abschnitt in die Navigation eingespeist. Ein weiterer Aspekt des Mobile Mapping ist auch die noch recht junge Disziplin des sogenannten Data Mining. Dieser „digitale Bergbau“ fördert bei der Erfassung des Straßenverlaufs Informationen zu Tage, die zum Beispiel für Lkw-Fahrer oder die Elektromobilität wertvoll sein können: die Geometrie eines Kurvenverlaufs oder das Höhenprofil einer Steigung.

Doch bisweilen kommt auch die Hochtechnologie nicht ohne Einsatz der analogen Vorfahren aus. Auf der Rückbank des Mapping-Golf liegt ein dicker Shell-Atlas. Falls man sich mal verfährt.

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