Suchen

Neu bei BMW: Radarsensoren dürfen nun doch überlackiert werden

| Autor: Jan Rosenow

Bei den Würzburger Karosserie- und Schadenstagen diskutierte die Branche über Fahrerassistenzsysteme und ihre Auswirkungen auf die Unfallreparatur. Und auch die Elektromobilität war ein heiß diskutiertes Thema.

Firmen zum Thema

Zum Schutz vor Infektionen fanden die Würzburger Karosserie- und Schadenstage 2020 überwiegend unter freiem Himmel statt.
Zum Schutz vor Infektionen fanden die Würzburger Karosserie- und Schadenstage 2020 überwiegend unter freiem Himmel statt.
(Bild: Rainer Wengel)

Die Reichweite und Messgenauigkeit von Radarsensoren, die meistens hinter den Stoßfängern untergebracht sind, kann beeinträchtigt werden, wenn die Schichtdicke der Lackierung nicht genau dem Neuzustand entspricht. Darüber informierten der BMW-Leiter Baukasten Radar Ingo Weber und seine Kollegin Claudia Stephan, verantwortlich für die Lackfreigabe, per Videoübertragung im Rahmen der Veranstaltung am vergangenen Wochenende auf dem Gelände des Vogel Convention Centers.

Würzburger Karosserie- und Schadenstage 2020: Das Vortragsprogramm
Bildergalerie mit 26 Bildern

Nicht zuletzt ging es um die Frage, warum bei modernen Fahrzeugen mit Fahrerassistenzsystemen unter Umständen keine Reparaturlackierung erlaubt ist, sondern ganze Bauteile ausgetauscht werden müssen.

Überhaupt wirkten sich die Lackzusammensetzung und sogar die -farbe in vielfältiger Weise auf die Funktion von Sensoren aus. BMW entwickelt deshalb zusammen mit seinen Lacklieferanten Beschichtungen, die gleichzeitig zwei Dinge können: Sie setzen den sie durchdringenden Radarstrahlen möglichst wenig Widerstand entgegen, reflektieren aber Laserstrahlen sehr stark, damit sie von Lidar-Sensoren gut erkannt werden. Und auch das Thema Reparierbarkeit ist BMW wichtig: In einer neuen Werkstattinformation erlaubt das Unternehmen mittlerweile bis zu drei Nachlackierungen an Stoßfängern von Fahrzeugen mit Radarsensoren.

Wie immer bestanden die Würzburger Karosserie- und Schadenstage aus zwei Programmteilen: dem „Schadenstag“, in dem die rechtlichen Grundlagen der Unfallreparatur behandelt wurden, und dem „Karosserie- und Lacktag“, an dem der inhaltliche Fokus auf der Technik lag und Livevorführungen und Reparaturtipps das Programm bereicherten.

Am Schadenstag referierten mehrere hochkarätige Juristen über aktuelle Urteile sowie die gesetzgeberischen Grundlagen, die die Unfallschadenreparatur beeinflussen. Zu den Referenten gehörte mit Thomas Offenloch ein Richter am Bundesgerichtshof – und zwar am VI. Zivilsenat, dem „Haftpflichtsenat“ des BGH, der sich unter anderem mit dem Verkehrsunfallrecht befasst. Der Vortrag erläuterte den Teilnehmern wichtige Entscheidungen zu den Haftungsgrundlagen und insbesondere zum Sachschadenrecht.

Schützen Sie Ihre Daten – das Gesetz tut es nicht!

Rechtsanwalt Dr. Kurt Reinking verwies in seinem Vortrag auf die immer zahlreicheren juristischen Auseinandersetzungen wegen Elektronikmängeln. Der Kunde hat bei Fahrerassistenzsystemen schließlich den gleichen Anspruch auf eine fehlerfreie Funktion, wie er das auch bei der Hardware des Automobils hat. Auch dürfte bei der Suche nach Unfallursachen zukünftig häufiger die Frage auftauchen, ob die Fahrerassistenzsysteme nach Vorschrift funktioniert haben – vor allem, wenn automatisierte Fahrfunktionen vorhanden sind.

All diese Systeme erzeugen zudem riesige Datenmengen, was zur Frage führt, welche Rechte der Fahrzeugbesitzer oder dritte Parteien an diesen Daten haben. Der Experte für IT-Recht Prof. Eric Hilgendorf überraschte sicher viele Teilnehmer mit der Aussage, dass die Datenschutz-Grundverordnung sich lediglich auf personenbezogene Daten bezieht, nicht aber auf solche, die beispielsweise im Auto durch Telematik erfasst werden oder in Kfz-Betrieben bei Diagnose oder Reparatur entstehen. Zudem kennt das deutsche Recht kein Eigentum an Daten. Wem sie also gehören und welche Sanktionen Dritte bei eigenmächtiger Nutzung fremder Datenbestände befürchten müssen, ist derzeit weitgehend ungeklärt – die Justiz betritt hier Neuland.

(ID:46857019)

Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group