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Neue Abgasnormen: Jammern hilft nicht

| Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Jan Rosenow

Die Automobilindustrie scheint von den kommenden Stufen der Abgasgesetzgebung kalt erwischt worden zu sein. Dabei steht das Einführungsszenario schon seit Jahren fest. Nun müssen die Händler die Lieferschwierigkeiten ausbaden.

(Bild: dpa/ Bernd Weißbrod)

Hand auf’s Herz: Können Sie die neuen Abgasnormen und ihre Einführungstermine auswendig hersagen? Der Autor gibt gerne zu, dass auch er immer wieder nachlesen muss, um nichts durcheinanderzubringen. Denn es wird nicht nur einfach ein neuer Grenzwert eingeführt, sondern es ändern sich ganz viele Dinge auf einmal. Deshalb hier noch einmal die Zusammenfassung:

  • Ab dem 1. September dürfen nur noch Pkws verkauft werden, deren Verbrauchs- und Emissionswerte nach dem neuen Testverfahren WLTP ermittelt wurden. Änderungen an den Grenzwerten sind damit nicht verbunden, es geht nur um die Messung.
  • Ab dem gleichen Stichtag wird der Grenzwert für Rußpartikel für Benzindirekteinspritzer um 90 Prozent gesenkt. Diese neue Stufe der Euro-6-Norm heißt Euro 6c. Achtung: Die RDE-Gesetzgebung (Real Driving Emissions) mit Hinblick auf Partikel gilt ab dem gleichen Tag.
  • Ab dem 1. September 2019 gilt RDE auch für Stickoxide. Pkws dürfen im Straßenverkehr nur noch maximal das 2,1-Fache des Prüfstandswerts ausstoßen. Diese neue Stufe der Euro-6-Norm heißt Euro 6d-Temp.

Neue Messungen der Verbrauchswerte

Auch wenn sich für die meisten Autos technisch gesehen nichts ändert, müssen die Autohersteller ihre Verbrauchswerte und Emissionen erneut messen, um sie nach WLTP angeben zu können. Und das ist aufwendig. Vor allem Deutschlands Marktführer Volkswagen beklagt sich über den „Kraftakt“, den das neue Testverfahren dem Unternehmen abverlange. „Wir müssen allein bei der Marke Volkswagen innerhalb kürzester Zeit über 200 Modellvarianten neu prüfen und zulassen“, erklärte der Vorstandsvorsitzende Dr. Herbert Diess Anfang Juni auf einer Betriebsversammlung in Wolfsburg. Die Testprozedur sei viel komplexer und dauere länger, der gesamte Prüfaufwand sei drei- bis viermal so hoch wie bisher. „Um das zu bewältigen, wurde und wird auf den Prüfständen quasi rund um die Uhr getestet.“