Neue Initiative für Erdgas als Kraftstoff

Redakteur: Dipl.-Ing. Edgar Schmidt

Fahrzeughersteller wie VW, Opel, Daimler und Iveco Magirus starten mit Unternehmen der Energiewirtschaft einen neuen Anlauf, um die Rolle von Erdgas und Biomethan als Kraftstoff zu stärken.

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Die „Initiative Erdgasmobilität“ will bis 2020 1,4 Millionen Erdgasfahrzeuge auf deutsche Straßen bringen.
Die „Initiative Erdgasmobilität“ will bis 2020 1,4 Millionen Erdgasfahrzeuge auf deutsche Straßen bringen.
( Archiv: Vogel Business Media )

1,4 Millionen Erdgasfahrzeuge bis 2020 — so lautet das ehrgeizige Ziel, das sich die „Initiative Erdgasmobilität“ gesetzt und auf einer Pressekonferenz auf der IAA verkündet hat. Diese Zahl ist notwendig, damit Erdgas gemäß dem Willen der Bundesregierung im Jahr 2020 einen Anteil am Kraftstoffmarkt von vier Prozent erreicht. Derzeit fahren allerdings gerade einmal rund 90.000 Erdgasfahrzeuge auf Deutschlands Straßen.

In der Initiative arbeiten nahezu alle Akteure zusammen, die etwas mit dem Markt für Erdgasfahrzeuge zu tun haben: die Fahrzeughersteller Daimler, Iveco Magirus, Opel und der Volkswagen-Konzern, der Verband der internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK), die Mineralölwirtschaft mit BP/Aral, Shell und Uniti, dem Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen, die Gaswirtschaft mit Erdgas Mobil und Wingas, sowie die Biogaswirtschaft mit der Verbio-Gruppe und die Bundesvereinigung der Firmen im Gas- und Wasserfach. Für Öffentlichkeitsarbeit soll unter anderem der ADAC sorgen. Koordiniert wird die Initiative von der Deutschen Energie-Agentur (Dena) und unterstützt vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS).

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Neue Modelle angekündigt

Um dem ehrgeizigen Ziel nahe zu kommen, wollen die Autohersteller auch künftig neue Modelle mit Erdgasantrieb bringen. Allerdings war es einzig der Volkswagen-Konzern, der bei diesem Thema neue Modelle vorstellen konnte. So soll Mitte 2012 beispielsweise in der Kleinwagenklasse der Up mit Erdgasantrieb kommen. Ende 2013 soll Audi dann in der Kompaktklasse den A3 mit Erdgasantrieb auf den Markt bringen. Laut Jens Andersen, Leiter des Aggregatemanagements bei Volkswagen, könne der Konzern durch eine neue Modulbauweise der Fahrzeuge künftig bis zu 20 Modelle mit einem Erdgasantrieb ausstatten. Auch die Konzernmarken Seat und Skoda sollen künftig Erdgasmodelle produzieren.

Mercedes hat dagegen lediglich angekündigt, die neue B-Klasse wieder mit einem Erdgasantrieb auszustatten. Auch bei Opel sind keine wirklich neuen Modelle mit dieser Antriebsvariante in Sicht.

Die Zahl der heute rund 900 Erdgastankstellen will die „Initiative Erdgasmobilität“ weiter steigern. Dabei sollen vor allem hochfrequentierte Standorte erschlossen werden – allerdings wollte die Erdgaswirtschaft schon vor Jahren ein Netz mit 1.000 Tankstellen errichtet haben. Außerdem will das Bündnis dafür sorgen, dass bei geeigneten Rahmenbedingungen bis 2015 mindestens 20 Prozent des im Verkehr genutzten Erdgases durch klimafreundliches Biomethan ersetzt wird. Um nicht mit der Nahrungsmittelproduktion zu konkurrieren, sollen dafür verstärkt Reststoffe verwendet werden.

Auf Seite 2: Förderung soll verlängert werden

Förderung soll verlängert werden

Allerdings möchte die Initiative Erdgasmobilität auch Gegenleistungen aus der Politik. So soll die Energiesteuerermäßigung für Erdgas als Kraftstoff bis zum Jahr 2025 verlängert werden – sie läuft bisher bis 2018. Außerdem wünscht sich das Bündnis eine öffentliche Förderung beim Bau von Erdgastankstellen sowie mehr Transparenz bei der Preisauszeichnung. Heute müssen Autofahrer nämlich den Literpreis bei Benzin und Diesel mit dem Preis pro Kilogramm bei Erdgas vergleichen. Da jedoch ein Kilogramm Erdgas etwa so viel Energie enthält wie 1,5 Liter Benzin, könnten Autofahrer den wirklichen Preisunterschied gar nicht erfassen. Erst wenn die Tankstellen das Erdgas mit einem Liter-Äquivalent auszeichnen könnten, würden Autofahrer sofort sehen, wie viel Kosten sie mit Erdgas sparen können.

Darüber hinaus verlangt das Bündnis, dass die Bundesregierung ihre Unterstützung für Erdgas als Kraftstoff deutlicher kommuniziert. Diese gehe in dem derzeitigen Hype um die Elektroautos zu sehr unter.

Absichtserklärung an Bundesregierung übergeben

Auf der Pressekonferenz übergab die Initiative ihr Anliegen in Form einer Absichtserklärung an Dr. Andreas Scheuer, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. Scheuer betonte: „Ich freue mich, dass sich Energie- und Automobilunternehmen sowie der ADAC zusammengetan haben, um den Marktanteil von Erdgasfahrzeugen zu steigern. Klimaschutz und die Sicherung der Energieversorgung machen es nötig, dass wir die Energiebasis auch des Verkehrs auf ein breiteres Fundament stellen. Erd- und Biogas stellen dafür ein wichtiges Element dar.“

Nun müssen den Worten nur noch Taten folgen.

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