Neue Motoren: Japan verkleinert

Autor Jan Rosenow

Bislang verwendeten japanische Autohersteller bei ihren Ottomotoren die klassische, frei saugende Bauweise. Doch die Kundenwünsche nach mehr Drehmoment kamen auch bei ihnen an.

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Typisch für moderne Turbomotoren – hier der Suzuki-Boosterjet-Dreizylinder– sind die ins Gehäuse integrierten Abgaskrümmer.
Typisch für moderne Turbomotoren – hier der Suzuki-Boosterjet-Dreizylinder– sind die ins Gehäuse integrierten Abgaskrümmer.
(Foto: Rosenow)

Auf der IAA 2015 fand vollkommen unbemerkt eine technische Umwälzung statt. Zum ersten Mal zeigten mehrere japanische Autohersteller echte, selbst konstruierte Downsizing-Motoren, also hubraumverkleinerte Ottoaggregate mit Turbolader und Direkteinspritzung. Diese Bauart war bis dato eine Spezialität europäischer Konkurrenten mit Volkswagen als Speerspitze; im VW-Programm sind vom Kleinwagen bis zur Mittelklasse fast ausschließlich solche Maschinen zu finden. Im Unterschied dazu verwenden Japans Marken bis heute vergleichsweise simple Saugmotoren, die überwiegend mit indirekter Einspritzung ausgestattet waren. Nur Nissan preschte vor einigen Jahren mit einem eigenwilligen Konzept vor – einem 1,2 Liter großen Dreizylinder mit mechanisch angetriebenem Kompressor –, das sich aber nicht durchsetzen konnte. Allerdings hat der Renault-Allianzpartner Zugriff auf die Turbomotoren seiner französischen Kollegen. Nun also Toyota, Subaru und Suzuki. Dass die drei Marken es ernst meinen mit ihrem Einstieg in die Downsizing-Technik, zeigt die Tatsache, dass sie damit in ihrem jeweiligen Volumensegment antreten.

Toyota stattet den modellgepflegten Auris mit einem 1,2-Liter-Vierzylinder aus, der 85 kW/115 PS leistet. Suzukis „Boosterjet“-Dreizylinder mit einem Liter Hubraum und 82 kW/111 PS kommt im neuen Baleno. Zusätzlich gibt es eine Vierzylindervariante mit 1,4 Litern Hubraum und 103 kW/140 PS. Im Subaru Levorg – der wichtigsten Neuheit des Jahres für den japanischen Allradspezialisten – arbeitet ein 1,6 Liter großer Vierzylinder-Boxer mit 125 kW/170 PS. Die Werkstattpartner der drei Marken können sich damit in den nächsten Jahren auf zahlreiche neue Aufträge freuen, sind Turbolader doch nicht gerade als problemlose Dauerläufer bekannt. Ob die Japaner es schaffen, ihre Downsizing-Aggregate genauso zuverlässig zu machen wie ihre traditionellen Motoren, wird die Zeit zeigen. Alle drei Motoren sind eigene Entwicklungen der jeweiligen Hersteller. Das ist erwähnenswert, weil Suzuki und Toyota zugekaufte Dieselmotoren verwenden. Doch der Ottomotor ist weltweit absetzbar und deshalb von strategischem Interesse – da lohnt sich das Selbermachen.