Neue Reifen lohnen sich

Autor / Redakteur: Klaus Peter Backfisch / Jan Rosenow

Die Reifenentwicklung schreitet noch immer mit großen Schritten voran. Schon drei Jahre alte Reifenkonstruktionen sind aktuellen Produkten deutlich unterlegen, wie ein Workshop von Dunlop zeigte.

Die Dunlop-Winterreifen SP Winter Sport 3 D und Response haben bei den jüngsten Vergleichstests der Fachpresse und der Automobilclubs gut abgeschnitten. Dafür ist zu einem großen Teil ihre Laufstreifenmischung verantwortlich, erklärten die Dunlop-Experten Dr. Ulrich Steinbrecht, Leiter Materialentwicklung Pkw-Reifen, und Ralf Flachbarth, Leiter Tuningentwicklung, beim diesjährigen Winterreifen-Workshop des Unternehmens in Wittlich/Eifel.

Billigreifen sind überholt

Immerhin muss der Winterreifen Ähnliches leisten wie der Sommerpneu, hat aber zusätzlich mit tiefen Temperaturen, Glätte und Schnee zu tun. Damit erhöht sich die Zahl der Zielkonflikte weiter, die die Konstrukteure lösen müssen. Sicher jedenfalls ist, dass die auch heute noch bei Billigreifen gebräuchlichen Rußmischungen diesen Spagat nicht schaffen und damit völlig überholt sind. Forscher und Entwickler beschäftigen sich daher intensiv mit neuen Polymerstrukturen, um die Wechselwirkung zwischen Gummi und Straßenbelag zu verbessern. Füllstoffe wie Silica machen zudem die Mischung bei niedrigen Temperaturen unter allen Bedingungen elastisch. Auch senken die neuen Polymere den Rollwiderstand und verbessern gleichzeitig die Nasshaftung.

Winterreifen auch im Flachland

Der ARD-Wetterexperte Thomas Ranft klärte in seinem Vortrag darüber auf, dass etwa die Stadt Braunschweig im Jahr deutlich mehr Frosttage mit Glättegefahr aufweise als ausgesprochene Sommertage mit Temperaturen über 25 °C. Ergo: Auch in der norddeutschen Tiefebene ist die Verwendung von Winterreifen durchaus sinnvoll. Dass dies auch aus juristischer Sicht zutreffe, obwohl es keine Winterreifenpflicht gebe, darüber referierte der ZDF-Rechtsexperte Wolfgang Büser.

Dr. Jan Schubert, Bereichsleiter Datenerhebung an der TU Dresden, informierte über die Unfallforschung an seinem Institut. Der bisher schlimmste Fund der Unfallforscher an einem verunglückten Auto waren 17 Jahre alte Reifen.

Zum Abschluss des Dunlop-Workshops konnten die Teilnehmer an gleichen Fahrzeugen Winterreifen des Jahrgangs 2004 und 2007 testen – beide neu produziert. Obwohl zwischen beiden Konstruktionen keine lange Zeit liegt, zeigten sie dramatische Differenzen im Fahrverhalten, beim Bremsweg und bei der Seitenführung. Fazit: Der Griff zum Winterreifen neuester Produktion liefert derzeit ein Höchstmaß an Sicherheit, das aber (hoffentlich) vom nächsten Jahrgang schon wieder übertroffen wird.

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