Neue Verträge: Honda-Händler suchen Hilfe

Autor / Redakteur: Andreas Grimm / Andreas Grimm

Honda hat neue Verträge vorgelegt. Sie geben dem Importeur viele Rechte, den Händlern vor allem Pflichten. Als „völlig unmöglich“ kommentiert Branchenanwalt Christian Genzow das Werk.

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(Foto: Honda)

Die deutschen Honda-Vertriebspartner sind in einer kritischen Lage. Einerseits sinkt der Marktanteil ihres Fabrikats immer weiter ab – im laufenden Jahr sind es noch 0,9 Prozent. Andererseits hat ihnen der Importeur einen neuen Vertriebsvertrag vorgelegt, der Investitionen verlangt und die Händler Risiken aussetzt, die kaum mehr zu kalkulieren sind. Nun suchen die Betroffenen Hilfe.

„Wer nicht unterschreibt, bekommt die Kündigung“, bewertet Branchenanwalt Christian Genzow die Lage. Ihn hatten nach Vorlage des Vertrags, der zum 1. Juni 2013 in Kraft treten soll, etwa 30 Händler um Rechtsbeistand gebeten. Andererseits macht er im Gespräch mit »kfz-betrieb ONLINE« auch keinen Hehl daraus, was er von dem Vertrag hält: „Das ist das Top-Schlechteste, was Sie im deutschen Autohandel derzeit bekommen können“.

Informationsveranstaltung beim ZDK

Entscheidend ist aus Sicht des Anwalts, dass die Honda-Händler nun umfassend aufgeklärt werden. Nachdem sich inzwischen Betroffene hilfesuchend auch an den ZDK gewendet haben, wird er diesem Wunsch gemeinsam mit ZDK-Geschäftsführerin Antje Woltermann mit einer Informationsveranstaltung entsprechen. Sie findet am 5. Dezember im Haus des Kfz-Gewerbes beim ZDK in Bonn statt. Einen Honda-Händlerverband, der diese Funktion übernehmen könnte, gibt es nicht mehr, da der Importeur es seit Jahren ablehnt, mit einem solchen Gremium zu sprechen.

Beleuchtet wird der Informationstag die wirtschaftlichen wie die rechtlichen Folgen des vorgelegten Vertrags. „Das Problem besteht darin, dass Unternehmer aus Angst, ihren Vertrag zu verlieren, Verträge unterschreiben und sich so zu Investitionen verpflichten, die sich nicht amortisieren können“, benennt Woltermann die Zwickmühle der Händler. Ziel sei natürlich, nun Nachbesserungen beim Vertrag und den Standards zu erreichen. Schließlich gebe es keine Pkw-Marke mit vergleichbarem Marktanteil, die auf eine derartige Exklusivität ihrer Händler dränge.

Problematische Klauseln enthält das Vertragswerk in großer Zahl. Dazu zählen:

  • Die Händler müssen in den Schauraum investieren – in Signalisation, Möbel und Fliesen. Auch müssen sie die Marke Honda separiert von anderen Fabrikaten vertreten.
  • DIe Standards können jederzeit abgeändert, ergänzt oder ersetzt werden – ohne Einschränkung der Investitionen. „Damit ist der Vertrag für den Partner völlig unkalkulierbar“, kommentiert der Branchenanwalt den Vertrag. Dass Honda zu solchen Schritten bereit ist, habe der Importeur erst jüngst demonstriert, als er die bestehende Marge um zwei Prozent kürzte.
  • Honda behält sich vor, einen weiteren Händler in einem Vertragsgebiet einzusetzen, wenn der bisherige Händler den durchschnittlichen Pkw-Absatz unterschreitet. Auf der anderen Seite droht dem Händler die Lieferung ohne Bestellung: Die Erstausstattung von Ausstellungs- und Vorführwagen bestimmt nur noch Honda.
  • Die Abwicklung und Vergütung von Garantieleistungen werde laut Genzow in das ausschließliche Ermessen von Honda gestellt und könne jederzeit verändert werden.

Beschwichtigende Signale des Importeurs, er wolle den Vertrag nicht buchstabengetreu handhaben, sondern setze nur Vorgaben um, machen auf Genzow wenig Eindruck. Angesichts der Stimmung im Netz könne er Honda Deutschland nur raten, es beim alten Vertrag zu belassen. Nicht umsonst werde er inzwischen von den Händlern gefragt, ob diese den Vertriebsvertrag kurzfristig zurückgeben könnten.

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