Neuer Beruf bringt neue Lehrgänge

Autor / Redakteur: Johannes Büttner / Johannes Büttner

220 Ausbilder an überbetrieblichen Bildungsstätten des Handwerks kamen in Frankfurt zusammen, um sich über Neuheiten rund um die Berufsbildung im Kfz-Gewerbe zu informieren.

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Anselm Lotz (li.) und René Gravendyk moderierten die Ausbildertagung in Frankfurt.
Anselm Lotz (li.) und René Gravendyk moderierten die Ausbildertagung in Frankfurt.
(Foto: Schmidt)

Seit gut einem Jahr ist die neue Ausbildungsordnung für den überarbeiteten Beruf „Kfz-Mechatroniker“ in Kraft. Die Änderungen wirken sich nicht nur auf die Betriebe und die Berufsschulen, sondern auch auf die überbetrieblichen Lehrgänge aus. Entsprechend groß war das Interesse der Ausbilder an überbetrieblichen Bildungsstätten des Handwerks an der diesjährigen ZDK-Ausbildertagung: 220 folgten der Einladung des Kfz-Gewerbes und nahmen an der Veranstaltung teil, die im Rahmen der Automechanika in Frankfurt stattfand.

Über das große Interesse freuten sich die beiden neuen Vorsitzenden des ZDK-Bildungsausschusses, Anselm Lotz und René Gravendyk. Sie suchten, so betonten sie, einen intensiven Dialog mit den Ausbildern, und seien stets für Fragen und Anregungen offen. Auch ZDK-Geschäftsführerin Birgit Behrens begrüßte die Teilnehmer. Sie bezeichnete es als wichtigste Aufgabe der Berufsbildung, weiterhin Jugendliche für eine Ausbildung im Kfz-Gewerbe zu begeistern und die richtigen Azubis zu finden. Die diesjährige Automechanika-Studie habe gezeigt, dass das Gewerbe dafür gut aufgestellt sei.

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Auf die überbetrieblichen Ausbilder kämen mit der Neuordnung des Ausbildungsberufs Kfz-Mechatroniker, mit der unter anderem die beiden neuen Schwerpunkte System- und Hochvolttechnik sowie Karosserietechnik geschaffen wurden, einige Neuerungen zu, so Behrens.

Welche das konkret sind, führte ZDK-Referent Joachim Syha aus. Er stellte die neuen Lehrgänge der überbetrieblichen Unterweisung vor. Am Grundschema ändere sich dabei nichts: Jeder Auszubildende muss während seiner Lehrzeit nach wie vor zehn einwöchige Lehrgänge besuchen. Diese sind weitestgehend einheitlich für alle Schwerpunkte; nur Jugendliche mit der Fachrichtung Karosserietechnik besuchen drei speziell differenzierte Lehrgänge.

Diskussion um die Hochvolttechnik

Gänzlich neu ist der Lehrgang „K4: Diagnosetechnik 4“, der sich mit der Hochvolttechnik beschäftigt. Derzeit, so Syha, befänden sich die Inhalte sämtlicher Lehrgänge noch in der Endabstimmung zwischen Arbeitgebern, Gewerkschaft und Behörden, bevor sie mit einer Übergangsfrist dann tatsächlich angeboten werden können.

Zumindest beim neuen Lehrgang zur Hochvolttechnik sahen einige Teilnehmer noch Nachbesserungsbedarf. Sie bezweifelten, dass es unter den derzeitigen Rahmenbedingungen sinnvoll und möglich sei, Jugendliche praxisorientiert und zugleich sicher für Arbeiten an Hybrid- und Elektrofahrzeugen zu trainieren.

Weniger Diskussionen lösten die folgenden beiden Beiträge aus, die sich mit Web-2.0-Technologien und deren Einsatz in der beruflichen Aus- und Weiterbildung beschäftigten. Tim Richter und Torben Karges von den Hochschulen in Bremen bzw. Flensburg stellten das Projekt „Kodin-Kfz – Das Diagnosenetzwerk“ vor. Es richtet sich an Diagnoseexperten in den Werkstätten und soll den Austausch zwischen Kollegen verschiedener Betriebe fördern.

Werner Degen, Chefredakteur des Ausbildungsmagazins »autoFACHMANN«, stellte das multimediale Lehrmittel autoFACHMANN-PLUS vor. Es beinhaltet nun auch eine eigene Version für Lehrer an Berufsschulen oder überbetrieblichen Bildungsstätten, in der sie die Lernhistorie ihrer Schüler nachvollziehen und Wissenstests erstellen können.

Zum zweiten Teil der Veranstaltung hatte sich hoher Besuch angekündigt. ZDK-Präsident Jürgen Karpinski wandte sich in einem Grußwort persönlich an die Teilnehmer: „Wir können stolz auf unser Gewerbe sein, das – nicht zuletzt dank Ihrer Arbeit – so viele junge Menschen so gut ausbildet.“

Das Thema Nachwuchssicherung werde in Zukunft wie kaum ein anderes das Kfz-Gewerbe beschäftigen. Das Gewerk habe seiner Überzeugung nach eine gute Zukunft vor sich, müsse aber alles dafür tun, eine Top-Ausbildungsbranche zu bleiben. Die Berufsbildung genieße im Verband eine hohe Wertschätzung. Dies zeige sich auch am Weiterbildungsprogramm für Ausbilder an überbetrieblichen Bildungsstätten, das der ZDK kostenlos zur Verfügung stelle.

Das Beste verbessern

Den Ausbildern dankte Karpinski für ihr großes Engagement. Seine eigene Organisation forderte der Präsident auf, offen für neue Ideen zu sein, ohne das bewährte Handwerk zu vernachlässigen. „Wir müssen auch kreuz und quer denken, um das Beste noch weiter zu verbessern.“

Neuerungen gibt es nicht nur in der Aus-, sondern auch in der beruflichen Weiterbildung. Wie Joachim Syha auf der Ausbildertagung darlegte, ist eine Neugestaltung der 16 bzw. 14 Jahre alten Qualifikationen zum Kfz-Servicetechniker und zum Kfz-Technikermeister beschlossene Sache. Ziel einer modernisierten Meisterprüfung sei es, den Teilnehmern ein „Durchschummeln“ unmöglich zu machen. Die Änderungen sollten voraussichtlich im Laufe des Jahres 2016 in Kraft treten.

Handlungsorientierter Unterricht

Berufliche Aus- und Weiterbildung soll heutzutage, das verlangen die ordnungspolitischen Vorgaben, „handlungsorientiert Methodenkompetenz“ vermitteln. Was sich dahinter verbirgt und was dies für die überbetriebliche Unterweisung bedeutet, erklärte Isabell Dunschen von der Zentralstelle für Weiterbildung im Handwerk (ZWH) im letzten Referat.

Handlungsorientierter Unterricht bedeute nicht, dass die Schüler alleine lernten, wohl aber, dass sie selbstständig unter Anleitung arbeiteten. Das habe zur Folge, dass sich die Rolle des Lehrers oder Ausbilders ändere und dieser nun den Lernprozess als Begleiter unterstütze.

Ziel sei es, dass der Schüler Methodenkompetenz erwerbe, also die Fähigkeit, Arbeitstechniken und Verfahrensweisen anzuwenden. Dazu müsse er lernen, sich Informationen zu beschaffen, diese zu strukturieren und die Ergebnisse zu interpretieren. Im überbetrieblichen Unterricht sollten die Aufgaben praxisorientiert sein und Kundenaufträgen entsprechen.

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