ZF Aftermarket Neuer Chef skizziert den „New Generation Aftermarket“

Autor: Jan Rosenow

Für Philippe Colpron wird es auf dem automobilen Ersatzmarkt in den nächsten Jahren mehr Veränderungen geben als zuvor in Jahrzehnten. Auf vier Herausforderungen bereitet er sein Unternehmen und dessen Werkstattpartner vor.

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Neben der Digitalisierung der Werkstätten setzt ZF Aftermarket auf einen Ausbau seiner Vertriebskanäle und ein größeres Produktprogramm.
Neben der Digitalisierung der Werkstätten setzt ZF Aftermarket auf einen Ausbau seiner Vertriebskanäle und ein größeres Produktprogramm.
(Bild: ZF)

Seit Anfang 2021 leitet Philippe Colpron die Division Aftermarket des Autozulieferers ZF Friedrichshafen AG. Mit einem Umsatz von rund 2,5 Milliarden Euro im Jahr 2020 und über 9.000 Mitarbeitern ist diese einer der größten Player auf dem weltweiten Ersatzteilmarkt. Und deshalb sind die Äußerungen, die Colpron Ende Mai auf einer digitalen Pressekonferenz an die Branche richtete, durchaus für den gesamten Aftermarket von Interesse.

Der Manager, der von der erst 2020 übernommenen ZF-Tochterfirma Wabco kam, sieht den Ersatzteilmarkt in einer Transformation, die in den nächsten Jahren mehr Änderungen bringen wird als in den Jahrzehnten zuvor. Die in der Automobilindustrie unter der Abkürzung „CASE“ zusammengefassten Techniken (Connected, Autonomous, Shared, Electrified) hätten jede für sich Auswirkungen auf die Wartung und Reparatur von Automobilen, sei es

  • durch die digitale Kommunikation der Werkstatt mit vernetzten Fahrzeugen,
  • durch die notwendige vorausschauende Diagnose und Wartung von autonomen Fahrzeugen,
  • durch die Änderung der Entscheidungsbefugnis zur Reparatur bei Sharingautos im Vergleich zu Privatfahrzeugen oder
  • durch geringeren Teileumsatz und hohen Ausbildungsbedarf bei Elektromobilen.

Zusätzlich muss sich die Branche auch auf das „Ausschleichen“ des Verbrennungsmotors vorbereiten. Colpron rechnet damit, dass der Wandel hin zur Elektromobilität in den wichtigsten Märkten bis zum Jahr 2035 vollzogen sein wird. Die Auswirkungen auf den Service- und Ersatzteilbedarf des Gesamtfuhrparks werden aber schon lange vorher spürbar sein. Eine weitere Herausforderung für die Werkstätten erkennt der Manager in der zunehmenden Verwendung von Hochleistungsrechnern und Fahrzeug-Betriebssystemen in Autos, die eine viel höhere Softwarekompetenz beim Reparaturpersonal erfordert.

Digitale Vertriebskanäle auch im B2B-Segment etablieren

Auf all diese Herausforderungen will Philippe Colpron nicht nur sein eigenes Unternehmen, sondern auch seine weltweit rund 10.000 Werkstattpartner vorbereiten. Besonders im Fokus stehen dabei die Partner des Werkstattkonzepts Protech: „Mithilfe unserer Werkstattkonzepte und eines umfangreichen Schulungsprogramms bringen wir relevantes Fachwissen und praktisches Know-how in den Markt, um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Partner und die Zufriedenheit ihrer Kunden sicherzustellen“, betont Colpron.

Ein großes Anliegen ist dem ZF-Aftermarket-Geschäftsführer, digitale Vertriebskanäle auch im B2B-Geschäft zu etablieren – schon, weil die Nutzung solcher Plattformen für die Endkunden, aber auch das Werkstattpersonal längst Alltag ist. „Wir alle müssen uns bewusst sein, dass die Marktteilnehmer, auch die Endkunden, zunehmend über verschiedene Kanäle interagieren werden. Wir müssen unsere Fähigkeit ausbauen, diese Omnichannel-Umgebung zu managen, wobei unser oberstes Prinzip dabei die Zufriedenheit der Endkunden sein muss und wir gleichzeitig die Zusammenarbeit mit unseren Vertriebspartnern stärken müssen“, skizziert Colpron die Herausforderung.

Ziel sei es, den Endkunden bei der Fahrzeugreparatur die gleiche Einfachheit und den gleichen Komfort zu bieten, den sie im E-Commerce heute schon gewohnt sind. Trotzdem sollten sie sich aber sicher sein können, dass die gewählte Werkstatt über alle nötigen Qualifikationen verfügt, die für die jeweilige Arbeit nötig sind. Auch bei einer im Internet gebuchten Leistung „müssen Endverbraucher erkennen können, dass es sich um eine zertifizierte Reparatur handelt“, betont Colpron.

Neue Ersatzteile für Elektroautos und Assistenzsysteme

Der Manager kündigte zudem an, das Produktprogramm auszubauen. „Was beeindruckt, wenn man sich mit ZF beschäftigt, ist diese unglaubliche Bandbreite an Technologien und Lösungen, die von traditionellen Produkten wie Bremsbelägen, Stoßdämpfern und Kupplungen bis hin zu den komplexesten Produkten wie Getrieben, elektrischen Antrieben oder autonomen Shuttles reicht. Und das gilt nicht nur für Pkw, sondern auch im Nutzfahrzeugbereich, insbesondere nach der Fusion mit Wabco.“

Deshalb sollen künftig Ersatzteile aus den Segmenten elektrische Antriebe oder Fahrerassistenzsysteme das Produktangebot von ZF Aftermarket erweitern. Colpron peilt dabei nicht nur den Reparaturmarkt an, sondern sieht auch in der Nachrüstung von Bestandsfahrzeugen mit neuen Techniken große Geschäftschancen – vor allem auf dem Lkw-Markt.

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Über den Autor

 Jan Rosenow

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Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group