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Neuer Nokian-Winterreifen: Die Finnen werden alpin

| Autor: Jan Rosenow

Die neue Gummimischung namens „Alpine Performance Compound“ ist das wichtigste Merkmal des Snowproof P, der den UHP-Winterreifen WR A4 ablöst. Aber auch das Profil hat sich vollkommen verändert.

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Der Nokian Snowproof P wurde auf ein laufrichtungsgebundenes Profil umgestellt.
Der Nokian Snowproof P wurde auf ein laufrichtungsgebundenes Profil umgestellt.
(Bild: Rosenow/»kfz-betrieb«)

Ultra-High-Performance-Reifen (UHP-Reifen) haben oft ein asymmetrisches Profilbild, weil sich damit die für dynamische Kurvenfahrten wichtige, stabile Außenschulter verwirklichen lässt. Bei Winterreifen schadet diese Profilgestaltung aber dem Schneegrip, wie auch der finnische Reifenhersteller Nokian bei seinem UHP-Winterreifen WR A4 erfahren musste. Das 2016 vorgestellte Produkt war zwar gut im High-Speed-Handling, das ging aber zulasten der Winterperformance – ein Unding für den „nördlichsten Reifenhersteller der Welt“, der sich so viel auf seine Kältekompetenz zugutehält.

Der Auftrag an die Entwickler für den Nachfolger des WR A4 war also klar: Bessere Haftung auf Schnee und Schneematsch muss sein, moderate Abschläge bei der Trockenperformance können hingenommen werden. Da drängte sich ein laufrichtungsgebundenes, V-förmiges Profil als Lösung förmlich auf – schließlich tragen es praktisch alle modernen Winter- und Ganzjahresreifen. Einen neuen Namen bekam des Produkt natürlich auch: Als Snowproof P passt er nun in die aktuelle Nokian-Nomenklatur.

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Der Snowproof P ist auf den mitteleuropäischen Markt und seine speziellen Straßenbedingungen ausgelegt und soll vor allem auf Nässe und Schneematsch zuverlässige Haftung bieten. Die dichte Lamellierung und miteinander verbundene, polierte Rillen befördern Wasser und Matsch schnell aus der Lauffläche. Zur Haftung trägt auch die neu entwickelte Gummimischung „Alpine Performance Compound“ bei.

In den namensgebenden Schnee verbeißt sich der Snowproof P außer mit den Lamellen auch mit speziellen Profilelementen zwischen den Profilblöcken, den sogenannten Schneekrallen. Besonderen Wert legten die Entwickler zudem auf die Haftung bei Kurvenfahrt. Das Profil baut überraschend viel Querkraft auf und macht Kurvenfahrten und Ausweichmanöver bei glatter Fahrbahn ein Stück sicherer, wie die Testfahrten in Nordfinnland zeigten.

Erst auf Glatteis kommt die Mischung an ihre Grenzen

Auf Glatteis kommt die hochgeschwindigkeitstaugliche Mischung hingegen an ihre Grenzen. Fast haltlos rutschten die Testwagen über die polierte Oberfläche eines zugefrorenen Sees auf dem Nokian-Testgelände „White Hell“ – wobei solche Straßenbedingungen in Deutschland kaum jemals vorkommen.

Was blieb übrig von den UHP-gemäßen Fahreigenschaften des WR A4 auf trockener Straße? Schließlich will Nokian mit dem Neuling ja weiterhin die kaufkräftigen und anspruchsvollen Besitzer leistungsfähiger Limousinen, SUVs und Sportwagen ansprechen, weswegen der Snowproof P auch in den Geschwindigkeitsklassen H, V und W angeboten wird (bis 210, 240 beziehungsweise 270 Stundenkilometer). Laut Nokian hat sich das Trockenhandling um zwei Prozentpunkte verschlechtert, was zu verkraften sein dürfte. Dem Wunsch der Fahrer nach stabilem Fahrverhalten und schnellem Lenkfeedback wird das Profil mit seiner durchgehenden Mittelrippe gerecht, in der die Lamellen den Block nicht auf ganzer Breite durchschneiden. Wie sich all das auf der Straße auswirkt, ließ sich im streng tempobegrenzten Finnland leider nicht nachprüfen.

Der Snowproof P kommt in insgesamt 55 Ausführungen für Felgengrößen von 17 bis 21 Zoll auf den Markt. Die meisten sind mit XL für eine erhöhte Traglast gekennzeichnet und passen so zu vielen SUV-Modellen. Auch an insgesamt sieben Runflat-Größen hat Nokian gedacht. Auf dem EU-Reifenlabel bekommt der Neuling die Note C für den Rollwiderstand und B für den Nassgrip.

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Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

, Redaktion AUTOMOBIL INDUSTRIE