Suchen

Neues Bundesleistungszentrum in Dresden

| Autor / Redakteur: Holger Zietz / Christoph Baeuchle

Bildungsstätten gibt es im Kfz-Gewerbe einige, aber nur ein Bundesleistungszentrum: Die Weiterbildungsstätte der Kfz-Innung Region Dresden hat die Zertifizierung von „World Skills“ erfolgreich bestanden und ist nun Bundesleistungszentrum für Automotive Technology.

Firmen zum Thema

Die Weiterbildungsstätte der Kfz-Innung Region Dresden hat die Zertifizierung von World Skills erfolgreich bestanden.
Die Weiterbildungsstätte der Kfz-Innung Region Dresden hat die Zertifizierung von World Skills erfolgreich bestanden.
(Bild: Zietz/»kfz-betrieb«)

Der Aufwand für eine Zertifizierung ist groß, aber er zahlt sich aus: In Dresden befindet sich nun Deutschlands erstes Bundesleistungszentrum im Kfz-Gewerbe nach den Kriterien von „World Skills“, einer Initiative zum Leistungsvergleich nicht-akademischer Berufe. Die Kfz-Innung Region Dresden hat sich vor fünf Monaten für die Auszeichnung beworben und sie nun erhalten.

Ein entscheidendes Kriterium sind das pädagogische Konzept und die personelle Ausstattung. Die World-Skill-Standards sehen zum Beispiel vor, dass selbstmotiviertes Lernen in den Ausbildungsalltag integriert wird. Entscheidend beim pädagogischen Konzept sind: „Lernen im Wettbewerb“, das Trainieren von eigenständigem Arbeiten, problemlösungsorientiertes und situationsbedingtes Arbeiten, Steigern der Fachkompetenz, Üben unter Wettkampfbedingungen zur Entwicklung von Stressresistenz. Dazu kommt die personelle Ausstattung: Dozenten müssen nachweislich eine Qualifikation im Bereich der Aus- und Weiterbildung besitzen und bereit sein, sich durch World-Skills-Schulungskonzepte auf dem aktuellsten Stand zu halten.

Bildergalerie

Neben Ausstattung und räumlichen Gegebenheiten zählt auch das Umfeld dazu. Beispielsweise muss die Bildungsstätte kurzfristig Fahrzeuge oder Motoren zum Üben bereitstellen können. Das Dresdner Haus des Kfz-Gewerbes kann alle Anforderungen erfüllen.

Andere Länder verfügten bisher schon über nationale Leistungszentren. Hier werden die jungen Fachkräfte nicht nur in ihrem Beruf zu Höchstleistungen „angestachelt“, sie werden auch auf die Bedingungen des Wettkampfes vorbereitet. In Deutschland machten sich die Mechatroniker der deutschen Nationalmannschaft an wechselnden Ausbildungsorten fit für die Wettkämpfe. Es fehlte eine zertifizierte Bildungsstätte nach den Regeln der World Skills.

Bei Wettbewerben gilt es viel zu beachten: Wie geht man an die Aufgaben strukturiert heran? Kommt die Nachwuchskraft mit Zuschauern und Medien klar? Wie geht sie mit Journalisten um? – Alles Fragen, auf die es keine oder kaum Antworten im Berufsalltag gibt. Entsprechend wichtig ist es, dass im Leistungszentrum alle Voraussetzungen gegeben sind.

Auf das neu erworbene Zertifikat ist Peter Hesse, Leiter der Dredner Bildungsstätte, zu recht stolz. Die ersten Erfahrungen konnte er bereits bei den Vorbereitungen für die Wettkämpfe Euro Skills in Budapest 2018 sammeln. Für eine Woche hatten Wettkämpfer und Trainer die ansonsten lehrgangsfreie Zeit im Bildungszentrum genutzt.

Volkswagen Sachsen als Partner

Als Partner für die Zusammenarbeit konnte Volkswagen Sachsen gewonnen werden. Die VW-Tochter sitzt bekanntlich in Dresden. Aus der Gläsernen Manufaktur erhielt das Leistungszentrum einen Zwölfzylindermotor als Anschauungsobjekt.

Jens Schlender, Fertigungsgleiter in der Manufaktur, bot zudem weitere Unterstützung an. „Das Handwerk wird sich ganz neu aufstellen müssen“, sagt Schlender mit Blick auf die Entwicklung in der Branche. Der Trend zu Elektromobilität lässt aus seiner Sicht den Ölwechsel schon bald der Vergangenheit angehören. Die Einschätzung verwundert wenig, schließlich wird in der Gläsernen Manufaktur, wo Volkswagen den Phaeton baute, seit März 2017 der E-Golf produziert.

Die neue Geschäftsführerin des Hauses des Kfz-Gewerbes in Dresden, Gabriela Msuya, unterstreicht, wie hoch die Anforderungen an die Aus- und Weiterbildung sind. Gleichzeitig erwartet sie, dass gute Leistungen in den Berufswettkämpfen den Nachwuchs anspornen.

Das bestätigt Andrea Zeus. Die Vorsitzende der World Skills Germany sieht für die Betriebe eine gute Werbemöglichkeit, wenn ihre Azubis vordere Plätze belegen. „Wir können durch eine gesteigerte Wahrnehmung in der Öffentlichkeit für unsere Berufe unter den Schulabgängern werben. Für die Wettbewerbsteilnehmer ergibt sich ein Netzwerk an Verbindungen und Kontakten.“ Das neue Bundesleistungszentrum sei für alle ein Gewinn.

(ID:45575249)