Neun Gänge für ein Hallelujah

Autor Jan Rosenow

Die neu entwickelte Neungang-Automatik war das Highlight der ZF-Fachpressekonferenz. 44 Testfahrzeuge demonstrierten die Kompetenz des Zulieferers in Sachen Antriebs- und Fahrwerkstechnik.

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(Foto: ZF)

Einen Tag nach Bosch hat auch die ZF Friedrichshafen AG der internationalen Fachpresse ihr Produktportfolio demonstriert. Auf einem ADAC-Fahrsicherheitsgelände im nordbayrischen Schlüsselfeld standen über 40 Fahrzeuge bereit, von denen »kfz-betrieb« im Laufe des Tages immerhin 18 ausprobieren konnte.

Das interessanteste Mobil in dem umfangreichen Fuhrpark war zweifellos der Range Rover Evoque mit dem neu entwickelten Neungang-Automatikgetriebe. Das Auto steht kurz vor seinem Verkaufsstart und ist die erste Serienanwendung des ZF 9 HP auf dem europäischen Markt (zweiter ist der Jeep Cherokee; über weitere Kunden wollte ZF keine Auskunft geben).

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Aber die Interessenten dürften in Friedrichshafen Schlange stehen. Denn das 9 HP, das in zwei Versionen einen Drehmomentbereich von 200 bis 480 Newtonmetern abdeckt, richtet sich an Fahrzeuge mit quer eingebautem Motor – ein Markt, auf dem das Unternehmen in den letzten Jahren nicht mehr aktiv war. Und mit neun Gängen markiert es gegenüber den üblichen Sechs- oder Siebengangkonstruktionen einen deutlichen Fortschritt in Sachen Spreizung und Schaltqualität.

Im Vergleich zu einem konventionellen Sechsgang-Wandlerautomaten spart das 9 HP laut ZF fast zwölf Prozent Kraftstoff ein. Auch der Fahreindruck überzeugt auf ganzer Linie. Weil die Wandlerüberbrückungskupplung bereits bei sehr niedrigen Drehzahlen schließt, fühlt sich die Kraftübertragung genau so direkt und sportlich an wie bei einem Doppelkupplungsgetriebe. Der frühere Wandlereffekt – schnelles Hochdrehen des Motors und trotzdem träges Anfahren des Fahrzeugs – ist komplett verschwunden.

Mit dem 9 HP hat ZF aus dem Stand die Führung im Segment der quer eingebauten Automatikgetriebe übernommen. Konkurrenz kommt auf dem freien Markt unter anderem von Aisin Warner (Achtganggetriebe derzeit in Entwicklung), Jatco (neueste Generation des stufenlosen Getriebes CVT 8 in Produktion) und Getrag (neue Generation Doppelkupplungsgetriebe kommt 2015). Die Autohersteller VW und Hyundai haben bereits Zehnganggetriebe angekündigt.

Hybridkonzepte für alle Fahrzeugklassen

Nicht ganz so weit wie die Konkurrenten Bosch und Continental sind die Friedrichshafener dagegen mit ihren Elektroantrieben. Während die anderen schon Serienanwendungen vorweisen können, beispielsweise mit Renault und Smart, drehte auf der ZF-Veranstaltung nur ein selbst umgebauter Suzuki Splash mit Elektroantrieb seine Runden. Seine Besonderheit ist die Asynchronmaschine, die keine Metalle der seltenen Erden braucht und einen etwas höheren Wirkungsgrad erreicht als permanent erregte Motoren. Sie kann in einem elektrischen Achsantrieb integriert werden und so als komplette Antriebseinheit für E-Autos dienen, aber auch als Teil eines Axle-Split-Hybrids.

In Sachen Parallelhybrid zeigte ZF Serienfahrzeuge von BMW und Audi, die mit einer Achtgangautomatik mit integrierter Elektromaschine ausgestattet sind, sowie einen VW Jetta Hybrid. Der Jetta hinterließ trotz geringer elektrischer Leistung bei den Fahrversuchen übrigens den „hybridmäßigsten“ Eindruck, weil der Verbrennungsmotor in möglichst vielen Fahrzuständen konsequent abgeschaltet wurde – anders als bei den Premiumfahrzeugen.

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