IAA Neustart der (Auto)-Messe mit Fragezeichen

Autor / Redakteur: dpa / Nick Luhmann

Die Modellpflege der wichtigsten deutschen Automesse soll nach abflauendem Interesse bei der bislang letzten Ausgabe 2019 in Frankfurt keine PS-Schau in geschlossenen Hallen mehr sein, sondern eine Messe zum Ausprobieren und Diskutieren. Der Erfolg des Vorhabens ist jedoch offen.

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Der „EQS Maybach“ stand während der Mercedes-Abendveranstaltung vor dem Messebeginn am Montag im Rampenlicht.
Der „EQS Maybach“ stand während der Mercedes-Abendveranstaltung vor dem Messebeginn am Montag im Rampenlicht.
(Bild: picture alliance/dpa)

Die Internationale Automobilausstellung beginnt am Montag an ihrem neuen Standort München mit neuem Konzept als Verkehrsmesse „IAA Mobility“. Nicht nur auf dem Messegelände, sondern auch in der Stadt will die Branche über Wege zur Klimaneutralität und über die Vernetzung der verschiedenen Verkehrsträger sprechen.

Zudem fehlen wichtige Aussteller wie Toyota und Stellantis beim wichtigsten Branchentreffen. Und Umweltschützer halten auch die neue IAA für ökologisch unzeitgemäß.

Am ersten Tag stellen sich die Hersteller und Zulieferer zunächst der Presse. Am Dienstagnachmittag soll Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Messe offiziell eröffnen. Ab dann starten auch die Präsentationen auf mehreren Plätzen mitten in München sowie Testfahrten für Besucher: Erstmals können sie auf einer IAA rund 250 neue Fahrzeuge auf Straßen und einem Autobahnteil zwischen Stadt und Messegelände probeweise fahren, darunter hochautomatisierte Wagen und solche mit Wasserstoffantrieb.

BMW verschärft den Klimakurs

Die Klimadebatte dürfte in den nächsten Tagen das entscheidende Thema bleiben – neben der weiter schwächelnden Autokonjunktur und der Versorgungskrise bei wichtigen Elektronik-Bauteilen. BMW verschärfte seine Klimaziele vor der Messe noch einmal: Der CO2-Fußabdruck der Autos von den Rohstoffen bis zur Stilllegung soll bis 2030 nicht nur um 33 Prozent, sondern nun um mindestens 40 Prozent gesenkt werden.

„Dabei geht es nicht nur um ökologische, sondern auch um betriebswirtschaftliche Nachhaltigkeit“, sagte Vorstandschef Oliver Zipse. „Denn die aktuelle Entwicklung von Rohstoffpreisen zeigt, mit welchen Auswirkungen eine Industrie rechnen muss, die von begrenzten Ressourcen abhängig ist.“ Auch andere Hersteller und Zulieferer berichteten zuletzt von stark steigenden Ausgaben für Rohmaterial.

Die Unternehmensberatung PwC beurteilt die Produktions- und Absatzpläne der Branche angesichts der anhaltenden Engpässe bei Mikrochips skeptisch. Der Ausbau von Halbleiter-Produktionsanlagen dauere bis zu zwei Jahre, der Bau neuer Werke fünf Jahre – deshalb sei „keine kurzfristige Erholung der Versorgung mit Halbleitern zu erwarten“, sagte PwC-Experte Tanjeff Schadt vor Beginn der IAA.

Chipmangel als strukturelles Problem

Als die Autoindustrie während der Corona-Lockdowns 2020 Bestellungen kürzte und 2021 schnell wieder erhöhte, kam es zu einem erheblichen Mangel. Zudem brannte im März eine wichtige Chipfabrik in Japan. Die Autoproduktion wurde so weltweit ausgebremst. Inzwischen sehen viele Manager die Knappheit auch grundsätzlich als strukturelles Problem.

Daimler-Vorstandschef Ola Källenius erwartet etwas Entspannung, aber vorerst noch kein Ende der Halbleiter-Krise. Die jüngsten Corona-Lockdowns in Malaysia hätten Mercedes-Benz im laufenden Quartal getroffen, und „die Situation ist volatil“, sagte er am Sonntagabend in München. Er hoffe, dass es im vierten Quartal besser werde. Aber die Nachfrage nach Halbleitern werde auch nächstes Jahr höher sein als die globale Produktionskapazität. Erst 2023 dürfte es merklich besser sein.

BMW hatte Mercedes bei den Absatzzahlen im ersten Halbjahr überholt und will 2030 schon drei Millionen Autos verkaufen, ebenso wie Audi. Källenius sagte, für ihn sei Gewinn wichtiger als Volumen. Mercedes wolle mit guter Technik und Ästhetik Autos zu „Premiumpreisen“ verkaufen und nicht „unten rumjagen“. Auch beim autonomen Fahren überlasse man das Robotaxi gerne den Volumenherstellern.

ID Buzz fährt schon von alleine

VW stellte zum IAA-Start und vor dem Verkauf des vollelektrischen Busses „ID Buzz“ im kommenden Jahr eine autonome Prototypen-Version des Fahrzeugs fertig. Zunächst wird die Technologie mit fünf Exemplaren getestet, ehe ab 2025 dann ein Serienbetrieb möglich sein soll.

Nichtsdestotrotz werden auf der Messe dieses Mal auch Fahrräder und E-Scooter gezeigt und getestet. Unter den Ausstellern sind erstmals auf einer IAA rund 70 Fahrradhersteller.

Klimaaktivisten haben dessen ungeachtet zu Protesten aufgerufen. Sie sehen die IAA als Autotreffen mit „grünem Deckmantel“. Zu Demos zum Abschluss am kommenden Samstag werden Zehntausende Menschen erwartet.

Einige Greenpeace-Aktivisten erschienen schon am Sonntag vor der Veranstaltungshalle des VW-Konzernabends mit einem Plakat, das ein ölverschmiertes Logo des Autobauers zeigte. Ihrer Ansicht nach tut Volkswagen als riesiger Volumenhersteller – das Unternehmen ist allein für gut ein Prozent des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich – trotz des Hochlaufs der E-Mobilität und Milliardeninvestitionen nach wie vor zu wenig.

Diess bekommt Klageschrift persönlich überreicht

Die Verkehrsexpertin der Umweltorganisation, Marion Tiemann, übergab Vorstandschef Herbert Diess die Klageschrift zum Verfahren, das Greenpeace zusammen mit der Deutschen Umwelthilfe in der vergangenen Woche angekündigt hatte. Gefordert wird unter anderem, dass VW spätestens 2030 gar keine Verbrenner mehr verkauft.

„Der Dekarbonisierungspfad von VW ist nicht mit dem Ziel kompatibel, dass die globale Temperatur durch den Treibhauseffekt um höchstens 1,5 Grad steigen darf“, meinte Tiemann. Sie sprach mit Diess, der sich offen für eine Debatte zeigte, kurz über die Klimapolitik in verschiedenen Ländern. Der VW-Chef betonte, man tue schon viel – der Umstieg zu Öko-Energien sei aber nicht nur eine Aufgabe der Autoindustrie.

Im Hintergrund prägt auch die Corona-Pandemie die IAA, deren Pkw-Ausgabe sich jährlich mit der Nutzfahrzeug-Ausgabe in Hannover abwechselt. Die Veranstalter vom Verband der Automobilindustrie (VDA) und der Messegesellschaft München werten es schon als Erfolg, dass sie überhaupt stattfinden kann. Alle Besucher und Aussteller der Mobilitätsschau müssen genesen, geimpft oder getestet sein.

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