»kfz-betrieb«-Autocheck: Cadillac CT6 – weißer US-Riese

Oberklasse-Limousine für Individualisten

| Autor: Jakob Schreiner

Mit dem 5,18 Meter langen CT6 will Cadillac gegen die deutschen Luxuslimousinen antreten.
Mit dem 5,18 Meter langen CT6 will Cadillac gegen die deutschen Luxuslimousinen antreten. (Bild: Schreiner/»kfz-betrieb«)

Wer Cadillac hört, der denkt an die legendären Deville-Straßenkreuzer aus den Sechzigern mit ihren typischen Heckflossen. Dass der amerikanische Premiumhersteller mittlerweile im zweiten Jahrtausend angekommen ist, ohne dabei auf Tradition zu verzichten, will Cadillac mit dem Flaggschiff CT6 zeigen. Vom Klischee amerikanischer Fahrzeuge, die sich wie ein Öltanker steuern lassen und klapprig verarbeitet sind, ist der CT6 meilenweit entfernt. Nicht einmal mehr einen 20-Liter-schluckenden V8 hat der Ami unter der Haube. Lediglich bei der Fahrzeuglänge hat man sich annähernd an alten Maßstäben orientiert: Mit 5,20 Meter ist das moderne Luxusschiff CT6 eine imposante Erscheinung.

Aber von vorn: Die Front des CT6 ist geprägt von den markanten, tiefgezogenen LED-Scheinwerfern und einem breiten Kühlergrill. Das Profil ist geradlinig und nüchtern, ohne auf die ein oder andere Ecke zu verzichten. Die 20-Zöller wirken dank kurzen Überhängen und üppiger Proportionen am Heck nicht überdimensioniert. Das kantige, schnörkellose Design setzt sich hinten mit gerade gezogenen Rückleuchten und dem spitz zulaufenden Kofferraumdeckel fort. Der lässt sich übrigens mit einer Fußbewegung unter der Heckstoßstange öffnen und schließen und gibt den Zugriff auf 433 Liter frei.

Unter der Haube arbeitet ein potenter, drei Liter großer V6 mit 417 PS und einem maximalen Drehmoment von 555 Nm. Damit ist man in jeder Fahrsituation souverän unterwegs. Der Sprint auf 100 km/h ist in 5,7 Sekunden erledigt, bei 240 km/h ist Schluss. Der Verbrauch lag während des Checks bei rund 9,6 Litern, was für ein Fahrzeug dieser Kategorie durchaus annehmbar ist. Mit verantwortlich dafür ist unter anderem die Zylinderabschaltung: Im langsamen Fahrbetrieb fallen zwei Zylinder weg – dabei gelingt das Zu- und Abschalten nicht immer unbemerkt. Auch die gewichtssparende „Omega-Architektur“ sowie die Außenhaut aus Aluminium drücken das Gewicht auf unter zwei Tonnen und senken damit auch den Verbrauch.

Natürlich kann man den CT6 auch jenseits der zehn Liter bewegen. Aber der gediegene Wagen verleitet eher zum zügigen Dahingleiten als zum ambitioniert-sportlichem Fahren. Die teils etwas behäbige Achtgang-Automatik trägt ihren Teil dazu bei. Entsprechend überflüssig erscheinen deswegen der wählbare Sport-Modus und die obligatorischen Schaltwippen am Lenkrad. Neben dem Sport-Modus kann man noch zwischen dem Tour- und Snow-Modus wählen. Bei Letzterem hilft der adaptive Allradantrieb, die Kraft auch bei schlechten Witterungsbedingungen auf die vier Räder zu verteilen. Mit der Oberklassen-Konkurrenz von Mercedes, BMW und Co. kann das straff abgestimmte Fahrwerk aber nicht mithalten.

Rollendes Autokino mit Massagesesseln

Dass der CT6 eine Reiselimousine ist, wird durch die sesselartigen Sitze unterstrichen. Zwar fehlt den 16-fach verstellbaren Frontsitzen etwas an Seitenhalt. Doch das machen sie mit Komfort wieder wett. Massagefunktion, Sitzbelüftung und -beheizung sowie einige Einstellungsmöglichkeiten am Sitz gibt es auch für die Passagiere im Fond. Hier ist es auch für Großgewachsene bequem. Sie können während der Fahrt Filme auf den 10-Zoll-Displays ansehen, die sich anschließend in der Rückenlehne der Vordersitze versenken lassen.

In Kombination mit dem Bose-Panaray-Soundsystem kommt richtiges Autokino-Feeling auf. Die insgesamt 34 Boxen liefern einen absolut wuchtigen, dabei aber klar definierten Sound, der auch audiophile Personen überzeugt. Dagegen werden die Ziernähte und die Materialien des ein oder anderen Innenraumteils Verarbeitungsfetischisten nicht begeistern können. Doch wenn man in einer Liga mit S-Klasse, 7er und A8 fährt, muss man sich an diesen messen lassen – und da hinkt der CT6 hinterher. Fairerweise muss man aber sagen, dass man für die Konkurrenten deutlich tiefer in die Tasche greifen muss.

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