Jaguar-Land-Rover-Händler im Visier der Staatsanwaltschaft

Verdacht der Steuerhinterziehung und bandenmäßigen Umsatzsteuerhinterziehung

| Autor: Julia Mauritz

(Bild: Jaguar Land Rover)

Mehrere deutsche Jaguar-Land-Rover-Vertragspartner sowie freie Händler sind ins Visier der Hamburger und der Frankfurter Staatsanwaltschaft geraten. Dabei geht es um Export-Geschäfte nach China.

Die Staatsanwaltschaft Hamburg habe ein Ermittlungserfahren wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und bandenmäßigen Umsatzsteuerhinterziehung eröffnet, heißt es in einem Händlerrundschreiben von Jaguar Land Rover Deutschland, das »kfz-betrieb« vorliegt. Konkret hätten die Verdachtspersonen Range-Rover-Neuwagen bei autorisierten Vertragshändlern über mehrere Scheinfirmen und Personen erworben, um über die tatsächlichen Erwerbsverhältnisse und die tatsächlich geplanten Exporte nach China zu täuschen, zitiert das Schreiben die Staatsanwaltschaft, die den Importeur als Zeuge zur Auskunft aufgefordert hat. Als offizielle Kunden seien Strohmannskäufer eingetragen worden – die entsprechende Korrespondenz zwischen Jaguar- Land-Rover-Händlern und nicht autorisierten Wiederverkäufern liege der Staatsanwaltschaft Hamburg vor.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt führt dem Schreiben zufolge ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Bestechung und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr gegen Verantwortliche mehrerer Autohäuser. Es bestehe der Verdacht, dass die Verantwortlichen eines freien Autohändlers bundes- und europaweit bei Jaguar-Land-Rover-Autohäusern eingekauft und mit dem jeweiligen Verkäufer abgesprochen hätten, auf welche Scheinfirmen die Neuwagen bestellt werden sollen. Der Verkäufer habe sich so eine Provision gesichert, die er bei der Beachtung der internen Vorschriften, die einen Neuwagenverkauf an nicht autorisierte Wiederverkäufer untersagen, nicht erzielt hätte.

In seinem Schreiben an die Jaguar-Land-Rover-Händler warnt der Kronberger Importeur seine Handelspartner ausdrücklich vor exportverdächtigen Geschäften. Man werde den Sachverhalt bei Lagerwagen-Bestellungen, die nach wenigen Tagen mit Kunden belegt sind und die eine exportverdächtige Ausstattung oder Spezifikation hätten, genau prüfen.

Jaguar Land Rover Deutschland wollte sich auf Nachfrage mit Hinweis auf das laufende Verfahren nicht zu den Ermittlungen der beiden Staatsanwaltschaften äußern – zumal der Importeur als Zeuge keine Akteneinsicht hat. Unklar ist, gegen welche und wie viele Händler aktuell ermittelt wird und um wie viele Fahrzeuge es geht.

Der nicht autorisierte Export von hochwertigen Modellen von Premiumfabrikaten über Strohmänner und Scheinfirmen ist in der Branche ein länger bekanntes Problem – nicht nur bei Jaguar Land Rover, sondern auch bei deutschen Premiumfabrikaten, die bei gut verdienenden Chinesen hoch im Kurs stehen.

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