Seat-Händlertagung: Neue Verträge auf der Zielgeraden

Lieferzeiten bleiben im Tagesgeschäft ein großes Problem

| Autor: Andreas Grimm

Aktuell für Verdruss sorgt die im Konzern ungleich gewährte Entschädigung der Händler für die Verluste infolge der Diesel-Krise.
Aktuell für Verdruss sorgt die im Konzern ungleich gewährte Entschädigung der Händler für die Verluste infolge der Diesel-Krise. (Foto: Grimm)

Die Seat-Partner stecken mitten in den Verhandlungen um neue Verträge mit ihrem Importeur. Den entsprechenden Raum nahm das Thema auf der Mitgliederversammlung des Seat-Händlerbeirats am Mittwoch vergangener Woche in Berlin ein. Daneben beschäftigen die Betriebe einige weitere, derzeit aber durchaus branchentypische Themen.

Etwa 150 Seat-Partner hatten sich zur Verbandsversammlung zusammengefunden. So viele wie noch nie, berichtet Benno Schulz, Sprecher des Beirats, im Gespräch mit »kfz-betrieb«. Die Neugestaltung der Händler- wie Serviceverträge hat dazu ebenso beigetragen wie die 23 Neumitglieder des Verbands, die fast komplett angereist waren. „Wir werden mit unserer Verbandsarbeit wahrgenommen“, ist sich Schulz angesichts der Partnerpräsenz sicher.

Die physische Unterstützung durch die Mitglieder schadet sicher nicht, steckt der Beirat doch mitten in Vertragsverhandlungen mit Seat Deutschland. Im Juni 2018 hatte der Importeur deren Kündigung und Neufassung angekündigt. Zu drei Gesprächsrunden haben sich die Spitze des Händlerbeirats und Vertreter des Importeurs inzwischen getroffen. Während die Verhandlungen zu den Händlerverträgen weit gediehen sind, sollen die Serviceverträge Anfang des kommenden Jahres gesondert besprochen werden.

„Wir haben zu den Verträgen auf der Verbandstagung sauber, konstruktiv und sachlich diskutiert“, berichtet Schulz. Zwar waren keine Vertreter von Seat Deutschland während der Mitgliederversammlung anwesend, jedoch wurden alle aufkommenden Fragen gesammelt und am darauf folgenden Tag auf der Partnertagung des Importeurs von den Ressortchefs des Importeurs beantwortet. Auf dieser Tagung erläuterten Vertreter des Importeurs die Planungen, Ziele und Neuheiten für das Jahr 2019.

Gut 60 Händler fallen aus dem Seat-Netz

Mit den neuen Verträgen geht eine teilweise Neustrukturierung des Seat-Vertriebsnetzes einher. Etwa 30 Händlern hatte der Importeur nach Informationen von »kfz-betrieb« bereits früher klar gemacht, dass sie keine Zukunft im Seat-Netz mehr haben. Nun erhalten etwa 30 weitere Seat-Händler nach Informationen des Partnerverbands kein neues Vertragsangebot mehr. Die Gründe reichen von der fehlenden Nachfolge im Betrieb über eine fehlende Aufwärtsentwicklung in den letzten Jahren bis hin zu überbesetzten Märkten. Dabei trifft es kleinere Betriebe ebenso wie größere Händler, Seat-Exklusivpartner genauso wie Händler, die mehrere VW-Konzernmarken vertreten.

Dass das Thema Vertragsverlust trotzdem auf der Tagung des Händlerbeirats keine großen Wellen schlug, dürfte an „partnerschaftlichen Gesprächen“ liegen, die der Importeur mit den Betroffenen führt. Nach Kenntnis des Händlerbeirats verlaufen die Verhandlungen über die Abfindungszahlungen zufriedenstellend für die betroffenen Betriebe. Unter ihnen sind auch Händler, die in den letzten Jahren in die neue CI investiert hatten und nun entsprechende Ausgleichszahlungen erwarten können.

Inhaltlich bewegen sich die Vertragsverhandlungen auf der Basis der ausgehandelten VW-Verträge. Die einzelnen Bestimmungen werden Punkt für Punkt und mit juristischer Unterstützung des ZDK auf die Auswirkungen für die Seat-Betriebe abgeprüft und gegebenenfalls nachgebessert. Vor allem in zwei Punkten – der Gebrauchtwagenvermarktung und bei den Ausgleichszahlungen bei Ausscheiden aus dem Netz – herrscht derzeit noch Verhandlungsbedarf. Und ähnlich wie bei VW und Skoda will auch der Seat-Händlerbeirat verankert haben, dass er bei der Ausgestaltung der Richtlinien zum Vertrag Mitspracherechte bekommt.

Lieferzeiten und Diesel belasten

Jenseits der Vertragsverhandlungen beschäftigen verschiedene weitere Themen die Seat-Partner. Teils sind es markenspezifische Fragen wie die Verschlankung der Verkaufsförderprogramme, teils sind es Branchenthemen wie die Vorbereitung auf die Elektromobilität oder Konzernprobleme wie die Folgen der eingeschränkten Lieferfähigkeit infolge von WLTP. Immerhin: Seit Ende November sind die Seat-Fahrzeuge wieder uneingeschränkt konfigurierbar, die Fahrzeuge haben die WLTP-Homologation. Langfristig viel wichtiger wäre den Händlern jedoch, dass sie ihren Kunden verbindliche Zusagen machen können, wann die bestellten Fahrzeuge ausgeliefert werden. Die fehlende Aussagefähigkeit sorgt seit Jahren für Unmut im Netz.

Aktuell für Verdruss sorgt die im Konzern ungleich gewährte Entschädigung der Händler für die Verluste infolge der Diesel-Krise. Während die VW-Partner Sonderzahlungen vom Konzern erhalten haben, um die Restwert-Verluste und Kosten für überlange Standzeiten der Diesel-Pkw abzufedern, fließt bei Seat nichts. „Wir spüren die Diesel-Folgen ebenfalls und hätten uns eine Gleichbehandlung schon gewünscht“, erklärt Benno Schulz. Zwar erwirtschaften die Seat-Händler in diesem Jahr eine durchschnittliche Rendite von 2 Prozent, doch angesichts der getätigten und noch ausstehenden Investitionen müsse dieser Wert eher noch steigen, verdeutlicht der Händlerpräsident im Gespräch.

Kein Thema ist dagegen mehr die Seat-CI. Die Umstellung auf das neue Erscheinungsbild der Marke ist weitgehend abgeschlossen, zwischenzeitliche Irritationen wie nachträgliche Anpassungen baulicher Art oder der Einrichtung sind behoben. „Wenn der zunächst vorgesehen rote Teppich verschlissen ist, wird er durch den jetzt vorgeschriebenen grauen Teppich ersetzt“, erläutert Schulz beispielhaft die Dimension. Aus seiner Wahrnehmung heraus kommt die CI-Umstellung sowohl bei den Partnern, als auch bei den Kunden weiterhin gut an.

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