»kfz-betrieb« Autocheck: Klimaretter als Auslaufmodelle?

Diesel, aber besonders Erdgasautos stoßen wenig CO2 aus

| Autor: Jan Rosenow

Mit Mazda 3 (vorn) und Seat Leon treten zwei sportliche Kompaktwagen gegeneinander an.
Mit Mazda 3 (vorn) und Seat Leon treten zwei sportliche Kompaktwagen gegeneinander an. (Bild: Jan Rosenow/»kfz-betrieb«)

Das klassische Mantra der deutschen Automobilhersteller, dass sie ohne den Diesel die Kohlendioxidgrenzwerte nicht einhalten können, verhallt langsam. Mittlerweile hat die Industrie die Weichen in Richtung der Elektrifizierung gestellt. Dabei gerät leider aus dem Blick, dass auch der herkömmliche Verbrennungsmotor noch viel Potenzial hat, seinen Kohlendioxidausstoß zu senken. Mit der Umstellung auf Erdgasbetrieb sind locker 20 Prozent Minderung möglich, und setzt man klimaneutral erzeugten Kraftstoff ein (Bio- oder E-Gas), dann sinkt die Emission auf Null. Und das ohne die umweltschädliche Erzeugung der Grundstoffe für eine Traktionsbatterie wie beim E-Auto.

Pikanterweise ist der Volkswagen-Konzern, dessen Chef Herbert Diess kürzlich eine fast planwirtschaftliche Hinwendung zum Elektroantrieb forderte, mittlerweile der letzte Anbieter von Erdgasfahrzeugen. Es gibt sie bei allen Pkw-Marken (außer Porsche).

Den neuesten Stand der Erdgastechnik verkörpert unter anderem der Seat Leon TGI, den »kfz-betrieb« kürzlich testen konnte. Parallel dazu befand sich ein ebenfalls nagelneuer Vertreter der klassischen Selbstzünderschule im Haus, der Mazda 3 mit dem neuentwickelten 1,8-Liter-Skyactiv-Motor. Eine gute Gelegenheit herauszufinden, welches Konzept dem Klima weniger schadet.

Der Seat Leon TGI hat zum Modelljahr 2019 die Erdgasvariante der neuesten TSI-Generation bekommen. Der 1,5-Liter-Vierzylinder leistet 96 kW/130 PS. Der sehr weich und leise laufende Motor harmoniert gut mit dem im Testwagen verbauten Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe und bietet für alle Fahrsituationen ausreichend Leistung.

100 Gramm CO2 sind im Alltag erreichbar

Mit 4,0 Kilogramm Erdgas auf 100 Kilometern zeigt er sich zudem sehr sparsam, und das trotz hohen Autobahnanteils während der Testfahrten. Daraus errechnet sich eine spezifische CO2-Emission von 102 Gramm pro Kilometer – im realen Fahrbetrieb. Um diesen Wert mit einem Benziner oder Diesel zu schaffen, dürfen diese nicht mehr als 4,3 beziehungsweise 3,8 Liter verbrauchen. Ob der Mazda 3 das schafft?

In den Testfahrten bei »kfz-betrieb« lag der schicke Japaner weit darüber. Bei 6,25 Litern Durchschnittsverbrauch kommt er auf eine CO2-Emission von knapp 166 Gramm pro Kilometer – kein guter Wert. Ein Grund ist möglicherweise die von Mazda gewählte Abgasreinigung, ein NOx-Speicherkat, der regelmäßig regeneriert werden muss und damit den Verbrauch erhöht.

Tiefes Turboloch beim Mazda-Motor

Bislang war Mazda mit seinen 2,2-Liter-Skyactiv-Motoren, die eine fast perfekte Kombination aus hoher Leistung, vorbildlicher Laufruhe und niedrigem Verbrauch erzielten, führend in der Selbstzünderwelt. Der neue Motor ist dagegen eine Enttäuschung: Direkt nach dem Anfahren fällt er in ein tiefes Drehmomentloch, aus dem er erst bei 2.000 Umdrehungen wieder herausklettert – und auch das ziemlich langsam. Von der fast schon explosiven Kraftentfaltung der bisherigen Mazda-Diesel ist nichts geblieben, der 1,8-Liter gibt gerade mal 85 kW/116 PS und 270 Newtonmeter frei. Schade.

Wenigstens hat er die alte Laufkultur behalten, und auch in Sachen Reichweite ist er dem Seat Leon TGI überlegen. Allerdings – 1.000 Kilometer sind nicht drin, spätestens nach 700 mahnt die Tankuhr zum Nachfüllen.

Und der Seat? Bei ihm handelt es sich um ein monovalentes Auto, das heißt, der Betrieb mit Erdgas hat absoluten Vorrang. Immerhin 17,3 Kilogramm bunkert der Leon in seinen Gasflaschen; damit sind gut 400 Kilometer Praxisreichweise möglich. Der Benzinvorrat beträgt hingegen kümmerliche neun Liter und reicht damit gerade einmal aus, um die nächste Erdgastankstelle zu suchen.

In Sachen CO2-Emission ist der Leon also klarer Sieger – auch wenn es natürlich sparsamere Diesel gibt als den Mazda 3. Doch wie sieht es mit den sonstigen Qualitäten der beiden Kompaktlässler aus?

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