New York Auto Show: Zeichen der Zeit verkannt

Autor / Redakteur: Jens Meiners / Andreas Wehner

Auf der Messe in der US-Metropole stehen PS und Fahrspaß im Mittelpunkt. Themen wie die Elektrifizierung oder das autonome Fahren spielen allenfalls eine Nebenrolle.

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In New York stehen in diesem Jahr leistungsstarke Modelle im Mittelpunkt.
In New York stehen in diesem Jahr leistungsstarke Modelle im Mittelpunkt.
(Foto: ampnet)

Die Begeisterung kannte keine Grenzen, als der Chairman der World Car Awards, Peter Lyon, das diesjährige „World Car of the Year“ verkündete: den Mazda MX-5 Miata, jenes sympathische, heckgetriebene Cabrio aus Japan, das die verblichene Romantik verkündet wie kaum ein anderes Fahrzeug. Ob die nostalgische Entscheidung jedoch zukunftsweisend ist, sei dahingestellt. Denn die eigentlichen Themen, die die Industrie bewegen, sind die Komplexe autonomes Fahren, neue Telematik-Systeme – und Elektrifizierung. Der Mazda-Roadster steht für keines davon.

Doch er ist ein Weckruf an die Industrie: Fahrspaß und Authentizität sind weiterhin wichtig, und sie sind mittlerweile etwas verlorengegangen. Kein Auto bringt die klassischen Werte besser zum Ausdruck als der kleine Mazda. Und das gilt sogar für die neu vorgestellte Variante mit Klappdach – obwohl ihr ein leichtes, manuell zu betätigendes Targa-Dach aus Kohlefaser besser stehen würde als die aufwendige Dachkonstruktion, die an den aktuellen 911 Targa erinnert.

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Immerhin ist der MX-5 kompakt und sparsam – was man von vielen anderen Exponaten in New York nicht behaupten kann. Ob Audi R8 Spyder, Chevrolet Camaro ZL-1, Mercedes-AMG C63 Cabriolet oder Nissan GT-R: Bei den aktuellen Spritpreisen gibt es in Sachen Leistung keine Grenzen nach oben. Irgendwann ist die Party vorbei, doch in New York wird noch einmal gefeiert, als gäbe es kein Morgen.

Auch die Deutschen sind bei der PS-Orgie dabei: Bei Daimler stehen mehrere AMG-Modelle im Mittelpunkt, außerdem das ungewöhnlich elegante GLC Coupé und der mild überarbeitete CLA. Damit haben die Stuttgarter übrigens erst einmal ihr Pulver verschossen, weitere Neuheiten gibt es erst in ein paar Monaten. Audi punktet mit der Weltpremiere des R8 Spyder, und bei BMW stehen die Hochleistungsmodelle M760 Li xDrive und Alpina B7 im Mittelpunkt. Von erhobener Warte auf dem Messestand grüßt ein M1, jener Supersportwagen der späten 70er-Jahre, dessen Relevanz für das aktuelle Modellprogramm sich nicht unmittelbar erschließt. Doch sein Giugiaro-Design kontrastiert auf interessante Weise mit der heutigen BMW-Formensprache.

Das Retro-Thema wird auch von Volvo gespielt; hier zieren zwei Exemplare des klassischen P1800 den Stand. Und Nissan fährt eine ganze Parade historischer GT-R-Modelle auf. Hier ergibt die Show Sinn, denn sie führt hin zum überarbeiteten GT-R, der in New York seine Weltpremiere feiert. Als Messegag verteilen GT-R-Motorenbauer aus Japan Autogramme, während die Nobeltochter Infiniti hochwertigen Whisky kredenzt und auf diese Weise mit ihrem US-Standort in Tennessee kokettiert.

Neue Bescheidenheit bei VW

Kontrastprogramm: Ein Blick auf ihren relativ bescheidenen Stand zeigt, dass die Marke Volkswagen in den USA schon bessere Zeiten gesehen hat. Immerhin gibt es mit dem Golf Alltrack eine USA-Premiere, und der Budd-e zeigt sich nach seinem Debüt in Las Vegas und einem Zwischenstopp in Genf erneut auf US-amerikanischem Boden. Die Stimmung bei den VW-Händlern ist übrigens am Tiefpunkt angelangt; Grund dafür ist der Abgang des beliebten USA-Chefs Michael Horn. Dem neuen Leiter der Region Nordamerika, Hinrich J. Woebcken, wird keine übergroße Affinität zu englischsprachigen Märkten nachgesagt.

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