China-Limousine Nio ET7 kommt mit wechselbarem Feststoff-Akku

Autor: Andreas Wehner

Große Elektro-Limousinen gibt es bislang wenige. Jetzt gibt es jedoch eine Konkurrenten für den Tesla Model S und den Porsche Taycan – zumindest in China. Dort hat Nio sein Flaggschiff ET 7 präsentiert. Und das bietet einige Alleinstellungsmerkmale.

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Der Nio ET7 kostet umgerechnet mindestens 48.000 Euro.
Der Nio ET7 kostet umgerechnet mindestens 48.000 Euro.
(Bild: Nio)

Der chinesische Autobauer Nio hat am Wochenende den ET7 vorgestellt. Die Limousine soll das neue Flaggschiff des Unternehmens werden und ist vollgepackt mit Technik. Vor allem der Stromspeicher ist interessant. Erstmals soll im ET7 eine Feststoffbatterie zum Einsatz kommen, die über eine höhere Energiedichte verfügt als bislang in E-Autos verwendete Akkus. Von 360 Wh/kg ist die Rede. Rund 1.000 Kilometer Reichweite nach NEFZ versprechen die Chinesen.

Die große Batterie gibt es jedoch nur in der Top-Variante. Doch auch für die beiden Varianten mit kleinerem Stromspeicher geben die Chinesen ordentliche Reichweiten an. Das Basismodell soll mit seinem 70 kWh-Akku etwa 500 Kilometer weit kommen. Zudem gibt es eine 100 kWh-Version, die rund 700 Kilometer schaffen soll.

Nio ET7: Elektro-Limousine aus China
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Die beiden Elektromotoren, die für den Antrieb zuständig sind, leisten zusammen 480 kW und beschleunigen den ET7 innerhalb von 3,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Mit 33 Sensoren – Kameras, Lidar, Radar, Ultraschall – ist die Limousine auf das automatisierte Fahren vorbereitet. Ein Superrechner namens „Adam“ verarbeitet all das, was die Technik an Informationen liefert.

Den schnörkellos designten Innenraum nennt Nio „Second living room“, also „zweites Wohnzimmer“. Darin setzten die Chinesen auch auf nachhaltige Materialien: So kommt unter anderem erneuerbares Rattan zum Einsatz. Neben dem Instrumentendisplay kommt ein 12,8-Zoll-Touchscreen in der Mittelkonsole für die Steuerung der Fahrzeugfunktionen zum Einsatz. Vom oberen Ende der Mittelkonsole blickt die Insassen die jüngste Generation des KI-Assistenten Nomi an.

Zu den serienmäßigen Ausstattungsdetails gehört unter anderem eine intelligente Luftfederung und eine stufenlose Dämpfungsregelung. Der ET7 kann den Straßenzustand erkennen und die Federung aktiv anpassen, um den Fahrkomfort zu erhöhen. Ebenfalls immer an Bord sind Massagesitze mit Heizung und Belüftung sowie ein Audiosystem mit 23 Lautsprechern.

Der Nio ET7 ist in China ab sofort über die Nio-App bestellbar. Ausliefern will der Autobauer das Modell jedoch erstmals Anfang 2022.

Assistenzsysteme im Abo

Für die Basisversion müssen Käufer des Nio ET7 umgerechnet mindestens 56.500 Euro hinlegen. Wer die Batterie nicht kauft, sondern lieber mietet, zahlt 48.000 Euro. Zudem muss er monatlich 190 Euro Batteriemiete investieren. Die Variante mit 100 kW-Akku kostet 66.500 Euro inklusive Batterie. Den Preis für die Topversion hat Nio noch nicht verraten. Wer den vollen Umfang an Assistenzsystemen nutzen möchte, muss dafür etwa 86 Euro pro Monat zusätzlich einplanen.

Nio-Fahrer sind in China nicht darauf angewiesen, ihr Auto längere Zeit an einer Ladestation abzustellen, um es mit frischem Strom zu versorgen. Wie bereits bei den anderen Nio-Modellen kann auch beim ET7 die Batterie innerhalb weniger Minuten getauscht werden.

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In so genannten „Power-Swap-Stationen“ zieht ein Roboter den leeren Akku aus dem Unterboden und ersetzt ihn durch einen neuen. Mit der Vorstellung des ET7 präsentierte Nio eine neue Generation dieser Wechselstationen, bei denen der Tausch schneller als bisher vonstatten geht. Das Auto fährt automatisch in die Station, dann löst der Fahrer den Wechsel aus. 312 Tauschvorgänge pro Tag sind möglich. Aktuell betreibt Nio in China rund 170 Power-Swap-Stationen, bis Ende 2021 sollen es 500 sein.

Europastart angepeilt

Bislang verkauft Nio seine Fahrzeuge nur in China. Neben den beiden SUVs ES8 und ES6 ist das SUV-Coupé EC6 im Angebot. 44.000 Einheiten standen im vergangenen Jahr in der Absatzbilanz des Start-ups.

Ob und wann es die Autos der Chinesen auch in Deutschland zu kaufen gibt, ist aktuell unklar. Nio hatte im vergangenen Herbst seinen Markteintritt in Norwegen für 2021 angekündigt, ansonsten aber noch keine konkreten Pläne vorgestellt.

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 Andreas Wehner

Andreas Wehner

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«