Nissan: „Das Netz muss vorbereitet sein“

Autor / Redakteur: Wolfgang Michel und Jens Rehberg / Jens Rehberg

Das laufende Jahr ohne Modellneuheiten will Nissan-Deutschland-Chef Vincent Wijnen dazu nutzen, das Partnernetz auf das bis 2014 erwartete Volumenwachstum vorzubereiten. Dem »kfz-betrieb« erläutert er die Details.

Firmen zum Thema

Vincent Wijnen: "Wir gehen nicht zurück zum Push-Prinzip." (Foto: Rehberg)
Vincent Wijnen: "Wir gehen nicht zurück zum Push-Prinzip." (Foto: Rehberg)

Redaktion: Herr Wijnen, Sie sind jetzt seit einem Jahr Nissan-Geschäftsführer – hat sich die Marke zu Ihrer Zufriedenheit entwickelt?

Vincent Wijnen: Eine Marke entwickelt sich nicht so schnell, aber wir haben Fortschritte gemacht. Wir haben 2011 deutlich mehr Autos verkauft als 2010.

Wo wollen Sie in zwei Jahren stehen?

Bis 2014 wollen wir in Deutschland einen Marktanteil über drei Prozent haben – also ungefähr 100.000 Fahrzeuge.

100.000 Autos, das wollen viele andere auch. Wo soll das Volumen herkommen?

Erstens: Unser Händlernetz ist noch nicht komplett. Wir haben 70 offene Punkte, die wir in den nächsten zwei Jahren füllen werden – das gibt uns automatisch mehr Volumen. Zweitens: Wir haben noch sehr viel Potenzial im Flottenbereich sowie bei den Nutzfahrzeugen. Drittens: Wir werden in den nächsten Jahren viele neue Produkte im B- und C-Segment bekommen.

Viele Kunden nehmen Nissan mittlerweile als SUV-Marke wahr. Wird sich das ändern?

Ja, aber wir sind keine SUV-Marke. Wir haben insgesamt 21 Modelle inklusive Nutzfahrzeuge. Das geht vom Pixo über den Micra bis zum Murano. Crossover ist sicherlich eine unserer Stärken – Qashqai, Juke, Murano – und da werden wir uns auch weiterentwickeln. Das Hi-Cross-Konzept, das Sie hier auf dem Genfer Automobilsalon sehen, ist der nächste Schritt in diesem Bereich.

Bis wann wird es die erwähnten neuen Modelle geben?

Die kommen 2013 und 2014.

Bildergalerie

Das heißt, 2012 wird ein schwieriges Jahr?

So würde ich das nicht sagen. Die Ziele, die wir uns für dieses Jahr gesetzt haben, sind machbar. Wir werden uns auf die neuen Modelle vorbereiten. Das Händlernetz muss dann bereit sein. Das bedeutet, dass wir uns 2012 beispielsweise um die Open Points kümmern werden. Und darum, dass die heutigen Händler das Wachstum verarbeiten können – mehr Verkäufer, mehr Mechaniker, mehr Kapitalbedarf, mehr Raum, vielleicht muss gegebenenfalls auch die Management-Struktur geändert werden.

Bereits vor einem halben Jahr hat der Händlerverband davor gewarnt, dass man bei Nissan wieder zum Push-Prinzip zurückkehrt. Seitdem konnte man beobachten, dass Monat für Monat die Händler- und Werkszulassungen gestiegen sind – was für eine Vertriebsstrategie steckt da dahinter?

Wir gehen nicht zurück zu Push, so wie das 2008 und vorher der Fall war. Das Problem, dass seit September, Oktober der Privatmarkt dramatisch nach unten gegangen ist, betrifft alle Marken, nicht nur uns. Wir als Import-Marke sind aber sehr abhängig vom Privatmarktanteil, der liegt für Nissan bei 3,1 Prozent. 63 Prozent unseres Gesamtvolumens ist privat. So etwas muss man dann kompensieren, vielleicht teilweise mit Mietwagen, mit Flottengeschäft – dazu muss man allerdings Flottengeschäft haben – oder eben mit Händlerzulassungen. Das darf man natürlich nicht übertreiben. Aber wir müssen nun einmal ein gewisses Volumen abliefern, das ist für uns wichtig und auch für die Händler. Sie haben Recht, das Niveau von händlerzugelassenen Fahrzeugen ist im Moment zu hoch – wir wissen das. Aber es wird über die nächsten Monate hinweg abgebaut werden. Über alle Marken liegt der durchschnittliche Anteil von Händlerzulassungen am deutschen Gesamtmarkt bei 18 Prozent. Bei uns sind es im Moment 20 Prozent, das sind 2 Prozent mehr, das ist nicht dramatisch. Und es ist nicht so hoch wie es früher einmal war.

(ID:32752430)