NOx-Test: VW-Diesel hat die besten Werte

Autor / Redakteur: Andreas Grimm / Andree Stachowski

Ein Abgastest der Zeitschrift „Auto Motor und Sport“ wartet mit einer Überraschung auf. Im realen Fahrbetrieb erhält ein VW-Dieselmotor das beste NOx-Ergebnis – ohne Manipulation.

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Die „AMS“-Redaktion hat neun Fahrzeuge auf ihre NOx-Emissionen im regulären Fahrbetrieb getestet.
Die „AMS“-Redaktion hat neun Fahrzeuge auf ihre NOx-Emissionen im regulären Fahrbetrieb getestet.
(Foto: AMS)

Zu einem bedenklichen Ergebnis kommt ein Stickoxid-Test (NOx) der Zeitschrift „Auto Motor und Sport“ (AMS, Ausgabe 25 vom 26. November 2015). Die Redaktion untersuchte eine Woche lang die NOx-Emissionen von acht modernen Dieselfahrzeugen verschiedener Marken im Realbetrieb auf Strecken in und um Stuttgart, die die Redaktion für ihre Fahrzeugtests regelmäßig nutzt. Alle Fahrzeuge überschritten die NOx-Grenzwert gemäß der Euro-6-Norm – in einem Fall sogar um das Zehnfache. Die geringsten Abweichungen lieferte ausgerechnet der VW-Vertreter im Testfeld, ein VW Golf 2.0 TDI Variant.

Bei ihm stellten die Tester eine durchschnittliche Abweichung vom Grenzwert um den Faktor 1,9 fest. Statt der erlaubten 80 mg NOx pro Kilometer emittierte der Golf im Schnitt 148 Milligramm NOx pro Kilometer. Damit ist das Modell das einzige Fahrzeug im Testfeld, das auch gemäß der strengen Normen für den Straßentest, der ab 2018 eingeführt werden soll, im Rahmen der zulässigen Werte bleibt. Dieser erlaubt im Fahrbetrieb ein maximal 2,1-faches Überschreiten der Laborwerte.

Allerdings handelt es sich bei dem Golf-Motor um ein Aggregat der neuesten Generation, das nicht von den Diesel-Manipulationen betroffen ist. Die Tester hatten deshalb mit dem Audi Q3 2.0 TDI Quattro ein Fahrzeug mit dem manipulierten EA-189-Motor ins Testfeld aufgenommen. Dessen NOx-Ausstoß war zwar deutlich erhöht, der ältere Dieselmotor schaffte dennoch den viertbesten Wert der getesteten Modelle.

Ein katastrophales Zeugnis stellen die Tester dem Letzten im Feld aus, einem Fiat 500X 1.6 Multijet. Der NOx-Ausstoß des Italieners lag im Schnitt bei 845 Milligramm pro Kilometer und war damit um mehr als das Zehnfache erhöht. Auf eine unterschiedliche Abgasnachbehandlung kann das Ergebnis nicht zurückzuführen sein: Fiat setzt auf eine vergleichbare Vorgehensweise wie der siegreiche VW Golf. Beide nutzen einen NOx-Speicherkat.

Die Zeitschrift „Auto Motor und Sport“ hat die NOx-Emissionen von neun Fahrzeugen im Realbetrieb getestet – und teils extreme Normwert-Abweichungen festgestellt (zum Vergrößern bitte klicken).
Die Zeitschrift „Auto Motor und Sport“ hat die NOx-Emissionen von neun Fahrzeugen im Realbetrieb getestet – und teils extreme Normwert-Abweichungen festgestellt (zum Vergrößern bitte klicken).
(Grafik: AMS)

AMS-Chefredakteur Jens Katemann äußerte sich in einer begleitend zum Verkaufsstart der Ausgabe veröffentlichten Pressemitteilung überrascht über die Ergebnisse. „Dass ein Kompaktauto wie der Fiat 500X auf der Straße etwa zehnmal so viel NOx ausstößt wie der Euro-6-Grenzwert erlaubt, hätten wir nicht gedacht“, heißt es darin. Das Ergebnis für den VW-Diesel bezeichnete er als „die wohl größte Überraschung unseres Tests“.

Für die Untersuchung hatte das Magazin eine Woche lang mit dem britischen Mess-Spezialisten Emissions Analytics acht Diesel und zum Vergleich einen Benziner auf eine gut 100 km lange Testrunde geschickt und den NOx-Ausstoß im Stadtverkehr, auf Landstraßen und Autobahnen gemessen. Alle Testwagen wurden defensiv gefahren und nur sanft beschleunigt. Die Maximalgeschwindigkeit auf der Autobahn lag bei 130 km/h. Die Hersteller waren vorab nicht über den Test informiert, genutzt wurden Pkw, die der Redaktion zu Testzwecken sowieso zur Verfügung standen.

Zu Vergleichszwecken testete die AMS-Redaktion auch einen Benziner, den Ford Mondeo 1.0 Ecoboost. Der Grund: In Downsizing-Motoren wie dem Ecoboost steigen die NOx-Emissionen wegen der höheren Verbrennungstemperaturen an. Ottomotoren müssen laut der Euro-6-Norm einen Grenzwert von 60 Milligramm pro Kilometer einhalten. Der Ford kam auf eine durchschnittliche Emission von 96 Milligramm pro Kilometer. Das ist eine Abweichung vom Grenzwert um den Faktor 1,6.

Übrigens – darauf weist die AMS-Redaktion ausdrücklich hin – konnte und sollte der Test nicht ermitteln, ob in Modellen des Herstellers eine Schummelsoftware eingebaut ist, die zu Euro-6-konformen Werten auf dem Prüfstand führt. Noch ist dafür allein das Ergebnis des NEFZ-Tests mit dem Grenzwert von 80 Milligramm pro Kilometer ausschlaggebend.

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Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«