15. Berliner Automobildialog Ohne den Einsatz von E-Fuels sind die Ziele nicht erreichbar

Autor: Doris Pfaff

Die Klimaziele müssen und können erreicht werden, wenn nicht allein auf E-Mobilität, sondern auch E-Fuels im Straßenverkehr zum Einsatz kommen. Darin waren sich die Redner des 15. Automobildialogs des Kfz-Gewerbes einig. Die Voraussetzung: Deutschland muss grüne Energie importieren.

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Synthetischer Kraftstoff in industriellen Mengen hergestellt soll ein Baustein im Kampf gegen die Klimakrise werden. Technisch machbar ist das Verfahren. Es muss nur genügend grüne Energie vorhanden sein.
Synthetischer Kraftstoff in industriellen Mengen hergestellt soll ein Baustein im Kampf gegen die Klimakrise werden. Technisch machbar ist das Verfahren. Es muss nur genügend grüne Energie vorhanden sein.
(Bild: Continental)

Im Mittelpunkt des als Webmeeting veranstalteten 15. Automobildialogs des Kfz-Gewerbes stand die Frage, was die Autobranche jetzt tun kann, um die gesteckten Klimaschutzziele zu erreichen. Hintergrund sind die Pläne der EU-Kommission zu ihrem „Fit for 55“-Paket, das ein Verbot von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren zur Folge haben wird.

Unter dem Titel „E-Fuels für klimaneutralen Straßenverkehr“ erläuterten Experten aus der Zuliefer- und Mineralölindustrie ihren Standpunkt. Christoph Konrad, Leiter des ZDK-Hauptstadtbüros, und Alex Jan Erdmann, ZDK-Referent, führten durch das Programm.

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Andreas Rimkus von der SPD-Bundestagsfraktion sprach das Grußwort und erklärte, dass es weiterer Maßnahmen bedürfe, um die gesteckten Klimaschutzziele zu erreichen. Die bisherigen reichten nicht aus. Die Energiewende müsse absolute Priorität haben und dürfe nicht gebremst werden. Ob sie ohne den Einsatz synthetischer Kraftstoffe erreichbar sei, halte er für fraglich. Deshalb dürfe es kein kategorisches Nein zum Einsatz von E-Fuels im Straßenverkehr geben. Denn nur mit ihnen könne auch die bestehende Fahrzeugflotte einen Beitrag leisten. Den Bedarf an synthetischen Kraftstoffen schätzte Rimkus als sehr hoch ein.

Dieser lasse sich mit dem Einsatz von E-Fuels decken. Der synthetische Kraftstoff könnte sofort all die Probleme lösen, die aktuell dem Erreichen der Klimaschutzziele im Weg stünden. Das erläuterte Elmar Kühn vom UNITI Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen und Hauptgeschäftsführer der E-Fuel-Alliance.

Deutschland muss Energie importieren

Kühn ließ keinen Zweifel daran, dass Deutschland dringend erneuerbare Energie importieren müsse, wenn es die Klimaziele erreichen wolle. Das sei nur durch die Produktion von E-Fuels zu stemmen. E-Fuels ließen sich flexibel speichern und transportieren.

Die Produktion von E-Fuels würde in Deutschland gut 800.000 Arbeitsplätze sichern und etwa 470.000 neue schaffen. Kühn rechnete vor, dass bei der Betrachtung der Gesamteffizienz kaum ein Unterschied bestehe zwischen Fahrzeugen, die mit synthetischen Kraftstoffen angetrieben werden, und rein elektrisch betriebenen Autos.

Auch die Herstellungskosten der grünen Kraftstoffe seien attraktiv, wenn die Energie importiert werde. Über Energiepartnerschaften zum Beispiel mit Afrika könnten zudem für wirtschaftlich schwache Länder Perspektiven geschaffen werden. Mittelfristig könnte die Herstellung von einem Liter E-Fuel rund einen Euro kosten. Nur so werde auch die Energiewende sozial, betonte Kühn. Bei so hergestellten synthetischen Kraftstoffen könnte die bestehende Fahrzeugflotte weiter verwendet werden, ebenso in anderen Bereichen wie beispielsweise im Schiffs- und Flugverkehr. Der Klimaschutzeffekt könne so im Fahrzeugbestand schnell eintreten.

E-Fuels für einen Euro pro Liter

Rolf Diemer, Geschäftsführer Robert Bosch GmbH, informierte über die Einsatzmöglichkeiten von E-Fuels. Der Kraftstoff sei für den Fahrzeugbestand unverzichtbar. Allerdings brauche es politische Anreize, damit Hersteller in die Produktion und die Entwicklung investierten.

Damit in Europa die industrielle Produktion der synthetischen Kraftstoffe anlaufen könne, müssten in Brüssel Gesetze geändert werden, unter anderem das Energiesteuersystem. Die Besteuerung dürfe sich nicht mehr an der Energiedichte der Kraftstoffe orientieren, sondern an der Kohlendioxidabgabe.

Autobauer müssten Anreize erhalten, in E-Fuels zu investieren. Dazu müsste die CO2-Flottenregulierung durch ein Anrechnungsmodell abgelöst werden, das auch E-Fuels berücksichtige. Um die Klimaschutzziele zu erreichen, dürfe nicht allein auf die E-Mobilität gesetzt werden. Die Weichen für die industrielle Herstellung von E-Fuels in Europa müssten jetzt gestellt werden, ansonsten werde der Markt von anderen übernommen.

Für die Fahrzeugflotte sind E-Fuels unverzichtbar

Bjoern Noack, Director Sustainable Mobility Strategy, rechnete vor, wie sich der Einsatz von E-Fuels auf den Pkw-Bestand auswirken würde und welche Rolle die Verbrenner 2030 spielen werden. Noch in 10 bis 15 Jahren werden sie den Verkehr auf den Straßen dominieren, auch wenn der Anteil von rein elektrisch betriebenen Autos stark steige. Verbrenner müssten aber nicht mit fossilen Kraftstoffen betrieben werden. Diese ließen sich durch E-Fuels ersetzen.

ZDK-Hauptgeschäftsführer Axel Koblitz war von den Vorträgen beeindruckt und betonte die Bedeutung des Klimaschutzes. Die Runde habe klar gezeigt, dass in der Sache Einigkeit bestehe und das Erreichen der Klimaschutzziele für alle höchste Priorität habe. Aber die Vorträge hätten auch deutlich gemacht, dass der von der Politik beschrittene Weg nicht zum Ziel führe.

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Über den Autor

 Doris Pfaff

Doris Pfaff

Redakteurin bei »kfz-betrieb«, Ressort Verbände & Politik