Elektromobilität Ohne Netz-Ertüchtigung funktioniert das Laden in Wohnanlagen nicht

Autor / Redakteur: dpa/gr / Andreas Grimm

Gesetzlich sind die Voraussetzungen für den Aufbau privater Ladepunkte in Wohnanlagen geschaffen. Doch praktisch kommen die Stromnetze schnell an ihre Grenzen. Für den Ausbau der privaten Anschlüsse sind gewaltige Investitionen nötig.

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Für die Ladeinfrastruktur in Wohnanlagen braucht es neue Konzepte.
Für die Ladeinfrastruktur in Wohnanlagen braucht es neue Konzepte.
(Bild: BMW)

Verschiedene Wirtschafts- und Interessenverbände haben sich beim Ausbau der Ladeinfrastruktur an Mehrfamilienhäusern mit vermieteten Wohnungen für staatliche Hilfen ausgesprochen. Weil die enormen Investitionen nicht von Immobilienbesitzern und Mietern allein getragen werden könnten, sei ein eigenes Förderprogramm nötig, heißt es in einer am Montag verbreiteten Mitteilung des Verbands der Automobilindustrie (VDA), des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und des Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW).

In einem gemeinsamen Schreiben an Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) wird laut Mitteilung auch auf technische Probleme beim Ausbau der Ladeinfrastruktur hingewiesen. VDA, BDEW und GdW nennen drei wesentliche Problemfelder, die die Wohnungswirtschaft vor große Herausforderungen stellen.

Erstens weisen Bestandsgebäude eine elektrische Infrastruktur auf, die zwar sicher und normgerecht instandgehalten wird. Die meisten Anlagen sind allerdings für Anforderungen gebaut worden, die denen der 1980er-Jahren entsprachen. Bei zukünftigen Anforderungen im Zusammenhang mit dem Laden von Elektro-Pkw, dem Betrieb von Photovoltaik-Anlagen sowie der künftigen Wärmeversorgung mit Wärmepumpen würden sie „regelmäßig an ihre Grenzen kommen“.

Zweitens weisen die Verbände darauf hin, dass – anders als im Ein- und Zweifamilienhaus-Bereich – in einem Mehrfamilienhaus eine gleichzeitige Versorgung von verschiedenen Haushalten stattfindet. Bisher würden die Hausanschlüsse effizient genutzt, „es gibt aber wenig Reserven, wenn sehr viel Strom gleichzeitig benötigt wird“.

Drittens sind erhebliche Investitionen in die elektrische Gebäudeinfrastruktur notwendig, um die Energiewende insgesamt umzusetzen und vor allem die Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern zu schaffen. Hinzu kommen hohe Investitionen in die Effizienzsteigerung der Gebäude, in die „Wärmewende“, den altersgerechten Umbau und in die Digitalisierung. „Diese enormen Investitionen können weder von den Immobilieneigentümern noch von den Mietern vollständig geleistet werden.“

Die Mitteilung kommt kurz vor einem erneuten „Autogipfel“ von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Vertretern der Branche am Dienstagabend. Bei den Beratungen soll es um den Strukturwandel der Autoindustrie vor dem Hintergrund möglicher schärfere EU-Klimaziele sowie den Ausbau des Ladenetzes für E-Autos gehen.

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