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Oldtimerlackierung: Hobby und Kulturgut

| Autor / Redakteur: Das Gespräch führte Holger Schweitzer / Dr. Holger Schweitzer

Beim Lackieren von Oldtimern geht es längst nicht mehr nur um ein authentisches Aussehen. Häufig spielt auch die Originalität des verwendeten Lacks eine große Rolle. BASF-Oldtimerlackexperte Jürgen Book berichtet über Trends und Möglichkeiten.

Jürgen Book: „Generell hängt eine Reparatur nicht vom Alter der Lackierung ab, sondern von ihrem Zustand, der möglichen technischen Lösung und dem Wunsch des Autobesitzers.“
Jürgen Book: „Generell hängt eine Reparatur nicht vom Alter der Lackierung ab, sondern von ihrem Zustand, der möglichen technischen Lösung und dem Wunsch des Autobesitzers.“
(Bild: BASF)

Jürgen Book: Der erste Lack oder „Originallack“ genießt eine immer höhere Wertschätzung. Gebrauchsspuren, die durch Alterung und Nutzung entstehen, die sogenannte Patina, gelten als rares Gut. Dies zeigt sich beispielsweise bei Auktionen: Dort werden originale Fahrzeuge oft höher bewertet als restaurierte Fahrzeuge. Bevor eine gealterte Oberfläche überlackiert wird, wird immer öfter überlegt, ob sie eventuell erhalten oder konserviert werden kann. Es gibt dazu verschiedene Möglichkeiten. Sehr oft empfehlen wir das auch zur Verwunderung der Autobesitzer, damit die Oldtimer möglichst lange ihren authentischen Zustand bewahren. Ich selbst besitze übrigens auch solche Fahrzeuge. Die Kernfrage ist, was der Besitzer mit seinem Fahrzeug machen möchte: Soll es in einer Sammlung stehen, oder will er damit fahren?

Welche Rolle spielt die Charta von Turin?

Zunächst ist wichtig festzuhalten, dass der Weltverband der Oldtimer Clubs, Fédération Internationale des Véhicules Anciens, kurz FIVA, mit der Charta ausdrücklich einen Leitfaden und kein Regelwerk erstellt hat. Sie ruft zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der historischen Substanz eines Fahrzeugs auf. Damit unterstützt sie, dass Fahrzeuge unter Umständen konserviert statt lackiert werden und alte Substanz höher geschätzt wird als eine perfekte Restaurierung. Allerdings ist vielen Autobesitzern der persönliche Geschmack wichtiger als die Charta von Turin. Es ist schließlich ihr Hobby. Und was sie mit ihrem Auto machen, entscheiden sie selbst und der TÜV. Die Bandbreite von Meinungen, wie mit der Charta umzugehen ist, ist genauso facettenreich wie die Szene selbst und reicht vom absoluten Purismus bis zum ausgeprägten Liberalismus.