Opel Corsa: Bestseller mit Erfolgszwang

Autor: Jens Rehberg

Neue Motoren, mehr Ausstattungsmöglichkeiten und ein Top-Innenraum geben dem fünften Corsa alles Nötige mit, um weiter hochtourig „gedreht“ zu werden. Jetzt sind die Händler am Zug.

Firmen zum Thema

(Foto: Rehberg)

Nach acht Jahren Laufzeit erneuert Opel zum Jahreswechsel sein meistverkauftes Modell. Rund ein Viertel des Gesamtabsatzes macht der aktuelle Corsa in etwa aus. Das Vertriebsziel in Deutschland dürfte für die fünfte Generation des Kleinwagens im ersten Verkaufsjahr 2014 zwischen 60.000 und 70.000 Einheiten liegen. Zum Vergleich: Den Corsa D hatten die Opel-Händler im ersten vollen Verkaufsjahr 2007 noch knapp 80.000 Mal vermarkten können – damals lag der Opel-Marktanteil in Deutschland allerdings auch noch bei über 9 Prozent.

Der Einstiegspreis beträgt nach wie vor rund 12.000 Euro, womit der Wagen rund 600 Euro unter dem Basispreis des Wolfsburger Hauptwettbewerbers bleibt. Bei den Zusatzpaketen sollen die Kunden aber deutlich mehr Ausstattungswert erhalten. Als durchschnittlichen Verkaufspreis erwartet der Opel-Vertrieb circa 15.500 Euro.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 24 Bildern

Mehr zu den Vertriebsaspekten rund um den neuen Corsa lesen Sie in Ausgabe 44 des »kfz-betrieb«.

Äußerlich hat Opel seinen Bestseller durchaus sichtbar, aber nicht revolutionär angepasst. Das wäre im Hinblick auf die treue Bestandsklientel wohl auch kein kluger Schachzug gewesen. So kommt der Dreitürer, der laut Opel-Prognose künftig etwas weniger als die Hälfte des Corsa-Volumens ausmachen soll, noch eine Spur dynamischer als bislang daher. Aber auch der familientaugliche Fünftürer sieht mit neuen Leuchten, leicht angepassten Karosserieformen und dem trapezförmigen Grill deutlich zeitgemäßer aus.

Der Innenraum ist Opel gut gelungen. Der neue Corsa wirkt nicht nur sehr geräumig, er ist es auch. Hinter dem Lenkrad liegt eine übersichtliche neue Instrumententafel ohne unnötige Spielereien. Auch die Mittelkonsole wurde vorbildlich aufgeräumt. Zentrales Element ist jetzt das Infotainmentsystem „Intellilink“ (ab der mittleren Ausstattungslinie: 300 Euro) mit der Option, die 40-Euro-App „Bring-Go“ zur Navigation zu nutzen. Wobei sich das Programm fast zwei Jahre nach einem ersten Test im Adam nach wie vor mit deutlichen Schwächen in Puncto Performance, Darstellung und Funktion präsentiert.

Dennoch, der Gesamteindruck des Cockpits mit seiner tadellosen Verarbeitung, den großteils angenehm griffigen Oberflächen und schicken Gestaltungsdetails ist gemessen an der Fahrzeugklasse sehr gut.

Auch im Hinblick auf die zahlreichen nutzwertigen Extras kann man eigentlich kaum glauben, dass man im Kleinwagensegment unterwegs ist: Einparkautomatik, Parkpilot, Rückfahrkamera, Spurhalteassistent, Fernlichtassistent, Verkehrszeichenerkennung, Toter-Winkel-Warner, Xenonlicht, beheizbares Lenkrad, beheizbare Frontscheibe, Kollisionswarner und Tempomat können zumeist im Rahmen von Ausstattungspaketen hinzu bestellt werden. Natürlich gibt's auf Wunsch auch eine Klimaautomatik oder ein elektrisches Schiebedach.

Zahlreiche Antriebsoptionen

Der Corsa kommt mit zahlreichen neuen und auch bereits bekannten Antriebsoptionen. Zur Pressevorführung konnte unter anderem der neue Einliter-Dreizylinder mit Turbo und Direkteinspritzung in der stärkeren Version (85 kW/ 115 PS) getestet werden. An Spritzigkeit könnte das Aggregat gerne noch ein wenig mehr versprühen – die 170 Newtonmeter, die über einen breiten Drehzahlbereich zur Verfügung stehen, reichen aber für durchschnittlich dynamik-affine Kleinwagenfahrer allemal aus. Eine wahre Freude ist das ebenfalls neue Sechsgang-Getriebe, der Hebel lässt sich genau und schnell führen, die Schaltbewegung endet dennoch sanft gedämpft – die Ausführung macht einfach Spaß. Das Aggregat klingt nicht ausgesprochen dreizylindrig, auch in Sachen Vibrationen gibt es nichts auszusetzen – dafür sorgen eine Ausgleichswelle und die gute Dämmung des Innenraums.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 24 Bildern

Spürbar agiler unterwegs ist man beispielsweise mit dem geringfügig durstigeren 1,4-Liter-Turbobenziner. Der Sauger leistet 74 kW/100 PS und liefert – Hubraum sei Dank – satte 200 Newtonmeter ab etwa 1.800 Umdrehungen ab. In Verbindung mit dem über neue Komponenten aufgebauten und straff abgestimmten Fahrwerk macht es Freude, den neuen Corsa durch kurviges Gelände zu scheuchen. Die Lenkung arbeitet dabei direkt und gibt ausreichendes Feedback.

Alles in allem bekommen die Händler ein Produkt, das zweifellos das Potenzial hat, an die Erfolgsgeschichte der Vorgängergenerationen anzuknüpfen. So werden auf die bislang verkauften 12,4 Millionen Modelle hoffentlich noch etliche folgen. Gerne in der ersten Phase des Modellzyklus, denn die wird sich noch auswirken auf die für 2016 angekündigte Zwischenwertung von General Motors, zu der von Rüsselsheim die Rückkehr in die Gewinnzone erwartet wird.

(ID:43010383)

Über den Autor

 Jens Rehberg

Jens Rehberg

Stellv. Chefredakteur und Ressortleiter Newsdesk des »kfz-betrieb«