Opel: Fahrtests mit Dauerfernlicht

Autor / Redakteur: sp-x / Jens Rehberg

Opel hat derzeit einen Prototypen auf der Straße, dessen Frontscheinwerfer-LEDs dauerhaft Fernlicht streuen. Entgegenkommende Autos werden einfach elektronisch punktgenau "ausgeblendet".

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Die Dioden des neuen Lichtsystems blenden laut Opel innerhalb von 20 Millisekunden ab. (Foto: Opel)
Die Dioden des neuen Lichtsystems blenden laut Opel innerhalb von 20 Millisekunden ab. (Foto: Opel)

Opel hat Journalisten erstmals sein neues LED-Lichtsystem in einem fahrbaren Prototypen gezeigt. Die vermutlich in drei bis fünf Jahren serienreife Technik umfasst zunächst die neun Funktionen, die das zurzeit erhältliche AFL+ (Adaptive Forward Lighting) der Rüsselsheimer anbietet. Dazu gehören die schwenkbaren Frontscheinwerfer, die eine dynamische Kurvenlichtfunktion ermöglichen und Kurven bis zu 90 Prozent ausleuchten können. Die zweite Hauptfunktion, das Abbiegelicht, leuchtet mit Hilfe eines zusätzlichen Reflektors großwinklig Kreuzungen und enge Kurven aus.

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Das neue Licht bietet diese Funktionen auch, jedoch ohne auf mechanische Elemente zurückgreifen zu müssen. Stattdessen arbeitet es auschließlich mit LEDs. Sie schalten sich abhängig von der Fahrsituation in verschiedensten Kombinationen ein oder aus. Vernetzt ist das Lichtsystem mit der Frontkamera. Gefahren wird standardmäßig mit Fernlicht. Registrieren die Sensoren der Kamera entgegenkommende oder vorausfahrende Fahrzeuge, werden die LED-Lampen punktgenau ausgeblendet. Dabei wird das Umfeld weiterhin ausgeleuchtet. Das Auf- und Abblenden erfolgt je nach Situation unterschiedlich. Das Abblenden gelingt in 20 Millisekunden, das Aufblenden dauert 80 bis 200 Millisekunden. Durch die unterschiedlichen Auf- und Abdimmzeiten der LEDs soll ein harmonisches Lichtbild kreiert werden, das andere Verkehrsteilnehmer nicht blendet. Heutige Auf - und Abblendzeiten liegen aufgrund der Mechanik teilweise bei 250 Millisekunden und höher.

Jeder der beiden "Matrix"-Frontscheinwerfer besteht aus vier Lichtsegmenten. In jedem Lichtsegment gibt es vier Lichtquellen, die individuell ein- und ausgeschaltet werden. Insgesamt können 256 verschiedene Einstellungen erzeugt werden. Bei ersten Testfahrten mit dem neuen Lichtsystem funktionierte das Auf-und Abblenden, ohne dass der Gegenverkehr sich gestört fühlte. Subjektiv erfolgte das „Umschalten“ von Fernlicht auf Abblendlicht sehr schnell. Die Lichtausbeute um das voranfahrende bzw. entgegenkommende Fahrzeug war sehr groß.

Das System erkennt nicht nur Fahrzeuge, sondern auch Fahrräder. Diese müssen allerdings beleuchtet sein. Fußgänger werden nicht erfasst. Sie profitieren aber von den gut ausgeleuchteten Seitenstreifen. Bei Nebel, starkem Regen oder Schneeschauer schaltet sich das System ab.

Das Matrix-Licht weist einen Leuchtwert von 700 Lumen auf. Heutige Systeme liegen bei etwa 550-600 Lumen. Durch die weißere Farbe der LEDs wirken die 700 Lumen des Matrixlichts zudem heller. Das bedeutet, dass das neue Fernlicht bezogen auf das menschliche Auge etwa ein Drittel mehr Leistung auf die Straße bringt.

Leichte Matrix

Die LED-Matrixscheinwerfer sind außerdem leichter als herkömmliche Scheinwerfer. Ihr Energieverbrauch ist zudem geringer als bei konventionellen HID- oder Halogenlampen, da die einzelnen Reflektoren die lichttechnischen Eigenschaften der LEDs optimal ausnutzen. Außerdem lässt das kompakt aufbauende Matrix-System den Designern mehr Gestaltungsmöglichkeiten.

Die voraussichtlichen Kosten werden etwas höher sein als bei AFL. Opel rechnet zunächst mit einem Aufpreis von 1.500 Euro. Mit zunehmender Verbreitung könnten die Preise aber noch sinken.

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