Opel-Händlerverband: „Wir sind nicht böse über die Trennung von GM“

Autor: Jens Rehberg

Die Händlervertreter des Opel-Netzes sehen die Übernahme des Rüsselsheimer Herstellers durch PSA positiv. Vor allem sind sie erleichtert, dass der Verkauf so schnell über die Bühne ging.

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(Foto: Autohaus Peter)

Die deutschen Opel-Vertriebspartner sind optimistisch, mit Opel als PSA-Tochter weiterhin gut zusammenarbeiten zu können. „Mit PSA als Mutterkonzern sehen wir größere Chancen als zuvor“, hieß es von Seiten des Vorstands des Opel-Händlerverbands (VDOH) am Rande der Jahresmitgliederversammlung am Donnerstag in Frankfurt. General Motors habe sich in Sachen Pkw-Bau „nie sehr kompetent“ gezeigt, man sei zuversichtlich, in Zukunft wettbewerbsfähigere Autos vermarkten zu können. Vorstandssprecher Peter Hübner: „Wir sind nicht böse über die Trennung von GM.“

Vor allem sind die Opel-Händler erleichtert, dass die Verkaufsverhandlungen um das Rüsselsheimer Fabrikat anders als vor acht Jahren vergleichsweise schnell abgeschlossen wurden. Auch die Kunden hätten dieses Mal – anders als 2009 – nicht skeptisch reagiert, berichteten Händler aus dem Verbandsvorstand. Das von PSA als Zielmarke für Opel ausgegebene Turnaround-Jahr 2020 schätzte Händlersprecher Peter Hübner als „realistischen Plan“ ein.

Wechseln sich in der kommenden Zeit an der VDOH-Spitze ab (von rechts): Jörg Heidenreich, Peter Müller, Peter Hübner und Mathias Schinner. Heinz Gerhard Herrmann (links) ist bei dem Verband für die Bereiche Herstellerbeziehung und Kommunikation verantwortlich – zum Vergrößern bitte klicken.
Wechseln sich in der kommenden Zeit an der VDOH-Spitze ab (von rechts): Jörg Heidenreich, Peter Müller, Peter Hübner und Mathias Schinner. Heinz Gerhard Herrmann (links) ist bei dem Verband für die Bereiche Herstellerbeziehung und Kommunikation verantwortlich – zum Vergrößern bitte klicken.
(Bild: Rehberg/»kfz-betrieb«)

Auch Peter List, Vorsitzender des europäischen Opel-Händlerverbands Euroda, zeigte sich im Gespräch mit »kfz-betrieb« zuversichtlich: „Opel hat jetzt einen Inhaber aus Europa, der weiß, dass es in der EU 28 nationale Märkte gibt, in denen 18 Sprachen gesprochen werden und wo teilweise sehr unterschiedliche Gesetze gelten.“

Laut List habe PSA-Chef Carlos Tavares sehr schnell das Gespräch mit dem Handel gesucht. „Dass er sich gleich nach einem Termin mit der Opel-Belegschaft und den Gewerkschaften mit einem Händlervertreter treffen wollte, ist ein gutes Zeichen.“ Der PSA-Chef wolle das Händlernetz stärken und setze auf eine gute Kommunikation mit den Vertriebspartnern. Es seien allerdings die jetzt anstehenden Verhandlungen und Gespräche abzuwarten, um anhand der Ergebnisse und Details des Vertrages eine realistische Beurteilung der Übernahme vornehmen zu können.

Schwache Rendite

Zur derzeitigen Ertragssituation bei den deutschen Vertragspartnern sagte Peter Hübner, die durchschnittliche Umsatzrendite im Opel-Netz sei „weiterhin nicht zufriedenstellend“. Nach Angaben des Herstellers lag diese Kennzahl 2016 bei lediglich 1,1 Prozent. Die durchschnittliche Umsatzrendite im deutschen Kfz-Gewerbe insgesamt lag im vergangenen Jahr nach vorläufigen Berechnungen des ZDK bei 1,6 bis 1,9 Prozent.

Zur Dauerbaustelle Bürokratieabbau hieß es aus dem VDOH-Vorstand, man habe zwar in der jüngsten Zeit auf diesem Feld wenig erreichen können, zumindest aber hätte sich die Struktur der komplexen Verkaufsprogramme in den letzten drei Jahren nicht wesentlich verändert – so hätten sich die meisten Verkäufer mittlerweile an das komplizierte System gewöhnt.

Auch das Zwischenfazit der Händler zum Opel-Konnektivitätspaket „Onstar“ fällt ernüchternd aus: Das System, das unter anderem regelmäßig Kunden-Fahrzeugdaten an den Hersteller sendet, bringe dem Handel anders als ursprünglich versprochen noch keinen erkennbaren Nutzwert.

Sehr positiv bewertet wurde dagegen die Komplettpreis-Strategie von Opel im Aftersales. Ein Beleg für den Erfolg des Instruments zur Kundenbindung sei der Originalteileabsatz, der offenbar trotz des bis vor kurzem noch rückläufigen Opel-Gesamtfahrzeugbestandes in den letzten Jahren immer wieder gesteigert werden konnte.

Ein Erfolg war laut VDOH auch die Einführung des neuen Verkäuferarbeitsplatzes. Über ein Jahr nach dem Start der Anwendung konstatieren die Händler unter anderem eine enorme Erleichterung bei der Leadbearbeitung sowie die gelungene Integration der Vertriebsprogramme.

Zu der Veranstaltung des VDOH waren rund 250 Händler nach Frankfurt angereist. Auch die Opel-Vorstände Peter Küspert und Tina Müller sprachen am Vorabend der Tagung zu den Opel-Partnern.

Weiterhin Rotation an der Verbandsspitze

Peter Hübner wird noch bis Ende April als Vorstandssprecher des Verbandes agieren. Dann sollen Mathias Schinner (Autohaus Schinner in Weimar) und danach Jörg Heidenreich (Autohaus Heidenreich in Witzenhausen) diese Funktion übernehmen. Zum Jahreswechsel wird dann Peter Müller (Autohaus Häusler in München) für ein Jahr VDOH-Vorstandssprecher.

Mathias Schinner wird künftig auch den Arbeitskreis Marketing & Vertrieb leiten, den Heiner Janssen zuvor 20 Jahre lang betreut hatte. Den Ausschuss zum Thema Gewerbekundengeschäft wird in Zukunft Peter Müller moderieren.

Ausgeschieden aus dem Führungsgremium des Verbandes sind Sibylle Neff und Heiner Janssen. Neu im Vorstand ist Heiko Winter (Autohaus Winter in Bretnig bei Dresden).

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