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Opel hat 2018 Geld verdient

| Autor / Redakteur: dpa / Jens Rehberg

Offenbar arbeitet Rüsselsheim im operativen Geschäft wieder profitabel. Den letzten Jahresgewinn hatte Opel 1999 abgeliefert. Die laufende Sanierung ist damit aber noch lange nicht abgeschlossen.

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Die Opel-Zentrale in Rüsselsheim.
Die Opel-Zentrale in Rüsselsheim.
(Bild: Rehberg/»kfz-betrieb«)

Opel hat erstmals seit Langem wieder einen operativen Jahresgewinn eingefahren. Das erste volle Geschäftsjahr unter Führung der neuen Konzernmutter PSA endete mit einem Plus von 859 Millionen Euro, wie PSA-Chef Carlos Tavares am Dienstag in Rueil-Malmaison bei Paris berichtete. Aus dieser Kennzahl seien Zinsen, Steuern und einmalige Sanierungskosten herausgerechnet.

Die frühere GM-Tochter Opel hatte mit ihrer britischen Schwestermarke Vauxhall 1999 letztmals einen Jahresgewinn ausgewiesen und in der „dunklen Periode“ rund 19 Milliarden US-Dollar Verlust angehäuft, wie Tavares betonte. Von August bis Dezember 2017 hatte es noch einmal einen Verlust von 179 Millionen Euro gegeben.

Der Umsatz der Gesamtgruppe lag 2018 bei 74 Milliarden Euro – dabei entfielen auf Opel 18,3 Milliarden Euro. Der Nettogewinn der PSA-Gruppe wuchs im vergangenen Jahr auf 3,3 Milliarden Euro.

Die IG Metall forderte Opel nach den Gewinnmeldungen auf, nun Klarheit über die Auslastung der deutschen Werke zu schaffen. „Der ausgewiesene operative Gewinn von 859 Millionen Euro muss jetzt Ausgangspunkt dafür sein, endlich mit den Betriebsräten über die dringend notwendigen Investitionen für Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach zu verhandeln“, verlangte der Chef des Gewerkschaftsbezirks Mitte, Jörg Köhlinger. Betriebsräte und die Beschäftigten wüssten weiterhin nicht, wie die mittelfristige Planung für die Werke aussehe und mit welchen Modellen und Teilen die Standorte ausgelastet werden sollen.

Tavares greift Gewerkschaft an

Tavares wiederum griff wegen der Probleme beim geplanten Teilverkauf des Rüsselsheimer Entwicklungszentrums die IG Metall an. Er warf der Gewerkschaft vor, den Plan für einen Übergang von 2.000 Leuten zum Ingenieurdienstleister Segula zu blockieren und damit letztlich die Jobs zu gefährden. „In einer 38-jährigen Karriere in der Autoindustrie in der ganzen Welt habe ich nie eine Lage erlebt(...), in der ein Gewerkschaftspartner nicht dafür kämpft, 2.000 Jobs zu sichern“, sagte Tavares.

Es fehle an Absicherungen für die Arbeitnehmer, erklärte hingegen ein Sprecher der IG Metall in Frankfurt. So müssten die Wechsler zu Segula wie auch die rund 5.000 verbleibenden Opel-Ingenieure vor Entlassungen bis zum 30. Juni 2023 geschützt werden. Dazu gehöre auch eine Regelung für den Fall eines wirtschaftlichen Misserfolges der Segula GmbH. Dieses Risiko dürfe nicht auf die Arbeitnehmer abgewälzt werden. Nach Angaben beider Seiten ist für den Segula-Deal eine Einigungsstelle zwischen Unternehmen und Betriebsrat eingesetzt, der ein ehemaliger Arbeitsrichter vorsitzt.

Opel-Chef Michael Lohscheller bedankte sich am Dienstag in einem Schreiben an die deutschen Händler ausdrücklich bei seinen Vertriebspartnern: „Opel hat kompetente Partner im Handel, die diesen Erfolg mit ihrem Engagement erst möglich gemacht haben.“ Gegenüber der Presse kündigte er eine weiterhin strikte Produktionsplanung an, die sich an realisierbaren und profitablen Verkäufen orientiere. „Wir haben unsere Fahrzeugbestände im vergangenen Jahr deutlich reduziert und werden auch in Zukunft nicht auf Halde produzieren.“

Sorge vor Brexit

Konkrete Produktionsplanungen für die deutschen Werke in Eisenach, Rüsselsheim und Kaiserslautern nannte er nicht. Vor wenigen Tagen hatte PSA mitgeteilt, den nächsten Opel Mokka in Poissy bei Paris zu fertigen.

Mit Sorgen blickt das Unternehmen zudem auf den möglichen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. „Natürlich ist die fehlende Planungssicherheit in Großbritannien eine Belastung für die gesamte Branche“, sagte Lohscheller. „Sollten künftig Zölle erhoben werden, würden natürlich die Kosten in unseren britischen Werken steigen. In diesem Fall müssten wir dann auch unsere Preise anpassen.“ Tavares betonte die Möglichkeiten der lokal als sehr britisch empfundenen Opel-Schwester Vauxhall, die ihr Geschäft 2018 gut stabilisiert habe. Sie werde nach dem Brexit vielleicht die „Überlebende“ auf dem britischen Automarkt sein.

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