Opel Insignia: Voll und ganz mittig

Rüsselsheim schnürt ein rundes Business-Paket

| Autor: Jens Rehberg

Der neue Insignia steht ab Ende Juni bei den deutschen Opel-Partnern.
Der neue Insignia steht ab Ende Juni bei den deutschen Opel-Partnern. (Bild: Foto: Hersteller)

„Ahh, der sieht gut aus“, hören wir morgens auf dem Verlags-Parkplatz von unserer Kollegin (VW Golf), als wir darüber Auskunft geben, dass die Insignia-Präsentation als Fahrziel ansteht. Und der Radrennfahrer, der sich später auf einem Parkplatz am Feldberg im Taunus so weit durch das geöffnete Seitenfenster schiebt, dass er fast auf den Beifahrersitz plumpst, spricht sofort die andere Eigenschaft an, auf die die Rüsselsheimer bei ihrem neuen Flaggschiff nach großen Anstrengungen beim Packaging besonders stolz sind: „Mehr Platz, oder?“

Die Opel-Designer haben es in der Tat geschafft, einen gewissen Teil der verwegenen Erscheinung der Monza-Sportcoupé-Studie von 2013 in den Serien-Look des Insignia B hinüber zu retten. Vor allem das Fließheck der D-Segment-Limousine ist der Kreativabteilung gut gelungen.

Aber erst noch ein Wort zur Bilanz des aktuellen Modells: Der auslaufende erste Insignia hat einen turbulenten Lebenszyklus hinter sich – in seinem ersten vollen Verkaufsjahr 2009 brach die Abwrackprämie über die deutsche Autobranche herein – das half sicherlich ein wenig, das Insignia-Startvolumen auf 36.000 Einheiten hochzuschrauben. Dann ging es allerdings ziemlich schnell wieder nach unten und 2013 war der Absatz auf 17.000 Fahrzeuge zusammengeschmolzen. Und das, obwohl zuvor mit Scholz & Friends extra eine Top-Agentur angeheuert worden war, um den Insignia als „Lead-Modell“ für Opel herauszustellen und das arg zerbeulte Markenimage aufzupolieren.

Die Kampagne kam allerdings eher uninspiriert daher, und so mussten gute Verkaufsprogramme und später Jürgen Klopp dem Insignia wieder auf die Beine beziehungsweise Reifen helfen. Gegen Ende seiner Laufbahn hat sich der Insignia A bei rund 20.000 deutschen Neuzulassungen eingependelt – immerhin Platz 8 im deutschen Mittelklassesegment vor dem Ford Mondeo (18.000).

Zum Absatzziel für den neuen Insignia traut sich Opel-Deutschland-Chef Jürgen Keller keine öffentliche Aussage zu. Um nun ein realistisches Minimalziel zu setzen, könnte der Insignia B beispielsweise – zumindest was Zahlenspielereien angeht – den Skoda Superb ins Fadenkreuz nehmen, um ihn idealerweise kurzfristig wieder hinter sich lassen. Die 2015 furios gestartete dritte Generation des tschechischen Wettbewerbers hat sich im vergangenen Jahr mit rund 24.000 verkauften Einheiten hierzulande auf Platz 5 im Mittelklassesegment vorgeschoben. Und die VW-Tochter bereitet für 2018 bereits ein Facelift vor, um den Erfolg, der in Deutschland zu einem Löwenanteil der Kombi-Variante zuzuschreiben ist, noch weiter auszubauen.

Da wird sich Opel ins Zeug legen müssen, dem Importeur in dieser Fahrzeugklasse wieder die Rücklichter zu zeigen. Denn für den in diesem Segment so wichtigen Flottenmarkt hat Skoda bei in etwa gleichen Preisen geringere Verbrauchsdaten zu bieten – zumindest auf dem Papier. Andererseits kann die Opel-Bank ab diesem Sommer endlich Full-Service-Leasing anbieten. Und so könnte das „Deutscher-Hersteller“-Argument in Verbindung mit dem deutlich eleganteren Design häufiger als bislang den Zuschlag nach Rüsselsheim gehen lassen, zumal Opel für Geschäftskunden auch noch ein attraktives „Business-Innovation“-Paket geschnürt hat. Damit geht der Basis-Benziner (1,5 Liter / 140 PS) dann bei 30.800 statt bei 26.000 Euro los, allerdings sind unter anderem die guten, lederbezogenen und beheizten AGR-Sitze, eine sensorgesteuerte Heckklappe, Abstandstempomat, Matrix-Licht, Lenkradheizung, der größere Hauptbildschirm sowie ein Head-up-Display an Bord.

Offizieller Marktstart für den neuen Insignia ist der 24. Juni. Die Opel-Partner können ihn gut gebrauchen – hat der Mittelklässler doch deutlich mehr Margenpotenzial als beispielsweise Corsa, Karl und Astra.

Bei der Einpreisung der Basisversion haben die Rüsselsheimer rund 1.400 Euro zum Vorgänger draufgeschlagen, allerdings gibt es dafür jetzt abgesehen von dem neuen Benzinmotor LED-Tagfahrlicht und -Blinker, eine Frontkamera, das höherwertigere Infotainmentsystem sowie Keyless-Go.

Aufgebaut wurde der zweite Insignia auf der weiterentwickelten GM-Plattform Epsilon II, mit der in den USA auch schon der 2016er Chevy Malibu unterwegs ist. Die neue Architektur ermöglicht unter anderem einen erweiterten Radstand, besseres Packaging und eine nicht unerhebliche Gewichtsreduzierung. So ist der neue Insignia je nach Variante um bis zu 200 Kilogramm leichter als der Vorgänger – allein 60 Kilogramm sparten die Entwickler mit Leichtbaukomponenten an der Rohkarosse ein. Gleichzeitig soll sich die Torsionssteifigkeit um neun Prozent erhöht haben.

Der Raumgewinn im Innenraum – unter anderem einige Zentimeter Breite im mittleren und oberen Bereich – kann nach dem Einsteigen sofort bestätigt werden. Auch hinten gibt es mehr nachvollziehbare Beinfreiheit, bei der Kopffreiheit fordert das coupéhafte Design allerdings seinen Tribut.

Wichtigstes neues Technik-Feature ist neben der elektronischen Drehmomentverteilung beim Allradantrieb des Zwei-Liter-Benziners sicherlich das Matrix-Licht, das im Vergleich zum Astra auf 32 LED-Segmente aufgebohrt wurde und einen Fernlichtstrahl mit bis zu 400 Metern Reichweite erzeugen kann.

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