Opel Kohl verkauft Streetscooter

Keine CI-Vorgaben, kein Bestellsystem

| Autor: Jens Rehberg

Für das Einführungsevent durften die Streetscooter-Modelle ausnahmsweise im Opel-Schauraum parken.
Für das Einführungsevent durften die Streetscooter-Modelle ausnahmsweise im Opel-Schauraum parken. (Bild: Rehberg / »kfz-betrieb«)

Seit vier Jahren bereits ist der Opel-Betrieb der Kohl-Gruppe in Aachen Servicepartner von Streetscooter. Da der Betrieb zudem das einzige Haus der Kohl-Gruppe (BMW, Mini, Jaguar, Land Rover und Opel) mit Nutzfahrzeug-Know-how ist, war schnell klar, dass auch der neue Vertriebsvertrag mit dem kleinen Elektrofahrzeughersteller Sache des Opel-Standorts der Gruppe am Aachener Hauptsitz werden würde.

Um den Einstieg des Autohauses in das neue Geschäftsfeld bei seinen Gewerbekunden bekannt zu machen, lud das Kohl-Team Anfang November zu einem Streetscooter-Event in die Aachener Neuenhofstraße ein. „Dass der E-Fahrzeughersteller hier produziert, wissen die Aachener. Aber wo man ihn tatsächlich kaufen kann, ist den meisten nicht bekannt“, sagte Geschäftsführerin Margit Kohl-Woitschik am Rande der Veranstaltung.

Die Entscheidung für das neue Produkt ist der Händlerin leicht gefallen. Sie will einen Beitrag leisten dazu, dass in ihrer Stadt kein Dieselfahrverbot ausgesprochen werden muss – in Aachen liegen die gemessenen Emissionen knapp oberhalb der Grenzwerte.

Zum anderen muss der Betrieb für den Verkaufsstart von Streetscooter initial eigentlich nichts investieren – es gibt bislang so gut wie keine Standards. Das Spezialwerkzeug ist schon da. Die Hochvolt-Kompetenz sowieso – in seiner Betriebsgröße war Opel Kohl bereits 2012 einer der erfolgreichsten deutschen Händler bei der Vermarktung des Mischhybrids Ampera. Ein CI-Konzept entwickelt Streetscooter gerade erst. Die Vorführwagen stehen im Freien. Und zum Start nehmen sich zwei Junior-Verkäufer zusätzlich der Elektro-Nutzfahrzeuge an.

Dafür liegt die Marge allerdings auch unterhalb der ansonsten im Fabrikatshandel üblichen Gewinnspannen.

Nichtsdestotrotz lässt sich die Zusammenarbeit mit dem Herstellerpartner in Sachen Vertrieb sehr gut an. „Wir sind ganz nah dran“, sagt die Aachener Händlerin. Das mache großen Spaß. „Es gibt keine verkrusteten Strukturen – Vieles wird einfach auf Zuruf geregelt.“ So wird beispielsweise für eine Fahrzeugbestellung einfach eine E-Mail geschrieben.

Streetscooter: Elektro-Offensive der Deutschen Post

Dass die neuen E-Transporter mit den Opel-Nutzfahrzeugen konkurrieren, glaubt Margit Kohl-Woitschik nicht. „Der Streetscooter ist ein pures Arbeitsgerät, die Opel-Nutzfahrzeuge sind dagegen mit viel mehr Features ausgestattet, so dass man die Modelle der beiden Hersteller in diesem Segment gar nicht miteinander vergleichen kann.“ Der Streetscooter sei vielmehr eine gute Ergänzung zum bestehenden Rüsselsheimer Nfz-Portfolio, speziell im Hinblick auf das Kleingewerbe. Aktuell hat das Geschäft mit Gewerbekunden bei Opel Kohl einen Anteil von knapp einem Drittel am gesamten Neuwagengeschäft.

Ein Vierteljahrhundert Opel-Partner

Welches Verkaufsvolumen sie mit Streetscooter 2019 erreichen will, dazu will sich die Händlerin nicht festlegen – dafür gibt es für sie noch zu viele Fragezeichen. „Jetzt ist erst mal Learning by Doing angesagt.“ Zudem sei Kohl nicht der einzige Streetscooter-Vertriebspartner in Aachen.

Seit 25 Jahren ist Kohl Opel-Partner. Für die Marke mit dem Blitz verkauft das Autohaus jährlich rund 450 Neuwagen. Dazu kommt noch einmal dasselbe Volumen an Gebrauchtfahrzeugen. Opel Kohl beschäftigt aktuell 50 Mitarbeiter.

Bei der Kohl-Gruppe insgesamt arbeiten derzeit rund 500 Mitarbeiter. Der Jahresumsatz der Autohandelsgruppe belief sich zuletzt auf rund 210 Millionen Euro. Dabei vermarktete Kohl über alle fünf Fabrikate hinweg rund 3.500 Neufahrzeuge (inkl. Motorräder) sowie 3.000 Gebrauchte.

Die Post-AG-Tochter Streetscooter GmbH gibt es erst seit 2012. Derzeit sind auf deutschen Straßen rund 9.500 – zumeist postgelbe – „Work“- und „Work-L“-Modelle im Einsatz. Die beiden Transporter sollen je nach Batteriestärke eine Reichweite zwischen 100 und 200 Kilometern haben. Demnächst wird noch der „Work XL“ auf Ford-Transit-Basis in der Sprinterklasse hinzukommen. Für Sonderaufbauten arbeitet der Hersteller bereits mit zahlreichen Anbietern zusammen, so dass eine Vielzahl von Branchenmodellen verfügbar ist. Die günstigste Leasingrate für ein Pritschenfahrzeug (2 Jahre / 20.000 km) mit der kleinen 20-kWh-Batterie liegt laut Streetscooter bei 264 Euro ohne Anzahlung.

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