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Opel: Komplettpreisoffensive trifft kleine Partner

| Autor: Jens Rehberg

Grundsätzlich nutzt das Komplettpreissystem auch den kleineren Servicepartnern. Aber die Gewinneinbußen sind nicht mehr akzeptabel. Igedos fordert nun von Opel, das Programm anzupassen.

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Rolf Höschele kritisiert zu geringe Margen im Servicegeschäft.
Rolf Höschele kritisiert zu geringe Margen im Servicegeschäft.
(Foto: Rehberg)

Viele Opel-Vermittler und -Servicepartner haben ein akutes Renditeproblem. Auf ihrer Mitgliederversammlung am Mittwoch in Kassel haben die Mitglieder der Interessengemeinschaft der Opel-Spezialisten (Igedos) deshalb eine Resolution verabschiedet, in der der Rüsselsheimer Hersteller aufgefordert wird, die besonders in der Kritik stehende Komplettpreisoffensive in vier Punkten anzupassen. „Wir suchen den Dialog und versuchen, die Verantwortlichen zu einem Umparken im Kopf zu bewegen“, sagte Igedos-Sprecher Rolf Höschele in Anspielung auf die aktuelle Opel-Image-Kampagne. Nichtsdestotrotz helfe die Initiative auch den kleineren Servicepartnern wirksam, Kunden mit älteren Fahrzeugen in der Werkstatt zu halten.

Die Opel-Partner beschlossen einstimmig die Forderung, die Auszahlung des A-Teile-Bonus nicht mehr länger von der Teilnahme an dem Komplettpreisprogramm abhängig zu machen. Die Igedos-Mitglieder sind sich zudem einig, dass die Komplettpreise generell zu niedrig sind – sie fordern eine deutliche Anhebung. „Es besteht überhaupt keine Notwendigkeit, unbedingt ATU zu unterbieten“, sagte ein Teilnehmer im Rahmen der Diskussion zur Resolution.

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Die im Rahmen des Komplettpreisprogramms erforderlichen Teile sollen zudem schneller verfügbar gemacht werden, eine entsprechend umfangreiche Lagerhaltung könne nicht vorausgesetzt werden. Die vierte Forderung betrifft die deutschlandweite Einheitlichkeit der Komplettpreise. Die Igedos-Partner wollen diese flächendeckende Festschreibung nur für die in der Werbung besonders hervorgehobenen Fokusangebote akzeptieren. Ein standortunabhängiger Festpreis für alle Angebote benachteilige viele Servicepartner jedoch stark.

Der Verbandssprecher sprach sich außerdem entschieden für eine gerechte Verteilung der Werbekostenzuschüsse aus. „Es kann nicht angehen, dass die Vertragshändler von Opel unterstützt werden, wenn sie für die Komplettpreisoffensive Werbung machen, und wir gehen völlig leer aus.“

Als nicht akzeptabel bezeichnete Höschele zudem die aktuelle CI-Politik in Rüsselsheim. Die derzeit eingeforderten Standards seien überzogen. Zwar räumte der Sprecher einen „Renovierungsstau“ bei den Vermittlern und Servicepartnern durchaus ein, das rechtfertige aber nicht eine Fristsetzung für eine Investition über bis zu 30.000 Euro. Zumal Opel die Vermittler und Servicepartner dabei im Gegensatz zu den Vertragshändlern bislang finanziell nicht unterstützen wolle. „Die Händler bekommen zum Beispiel zwei oder drei Servicetheken geschenkt, für die wir um die 2.000 Euro bezahlen müssen“, so Höschele. Insgesamt trage Opel bei den A-Händlern bis zu 50 Prozent der direkten Umstellungskosten.

Völlig unverständlich sei zudem, dass jeder Partner vor der Umstellung eine kostenpflichtige Beratung in Anspruch nehmen müsse, bei der der Dienstleister Aufmaß nehme. „In vielen Fällen ist völlig klar, was wo hingestellt werden muss“, sagt Höschele. Sauer stößt den Opel-Partnern auch auf, dass es bei dieser Umstellung erstmals keinen alternativen Anbieter für die CI-Elemente gibt.

Trotz aller Baustellen richtete der Igedos-Vorstand aber auch Lob an den Hersteller, vor allem in Sachen Außendarstellung. Gerade die jüngsten zentralen Werbekampagnen zeigten bei den Konsumenten spürbare Wirkung. Die neue Führungsmannschaft mache einen guten Job. Und auch das Produktportfolio sei derzeit einwandfrei. Sehr positiv wurde zudem die Einsetzung von Jürgen Keller als Vertriebschef für Deutschland aufgenommen. Rolf Höschele: „Wir hoffen darauf, dass mit ihm wieder Ruhe und Kontinuität beim Opel-Vertrieb einkehrt.“

Jürgen Keller wiederum ließ es sich nicht nehmen, den Igedos-Mitgliedern zum 20-jährigen Verbandsjubiläum zu gratulieren und ihnen für ihr Engagement zu danken. In Bezug auf die vom Verband formulierten Kritikpunkte signalisierte er Gesprächsbereitschaft.

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Über den Autor

 Jens Rehberg

Jens Rehberg

Stellv. Chefredakteur und Ressortleiter Newsdesk des »kfz-betrieb«