Opel-Partner am Scheideweg

Neue Verträge liegen noch nicht vor

| Autor: Jens Rehberg

Der Igedos-Vorstand hat die Jahresmitgliederversammlung 2019 nach Bad Kissingen verlegt.
Der Igedos-Vorstand hat die Jahresmitgliederversammlung 2019 nach Bad Kissingen verlegt. (Bild: Rehberg / »kfz-betrieb«)

Rolf Höschele, Vorstandssprecher der Interessengemeinschaft der Opel-Spezialisten (Igedos), fasst die veränderte Lage seit der Übernahme des Herstellerpartners durch PSA kurz und knapp wie folgt zusammen: „Wir verdienen weniger Geld pro Fahrzeug.“ Auch wenn die Verschlechterung der Renditesituation im vergangenen Jahr noch nicht auf Euro und Cent genau beziffert werden könne – klar sei, so der Unternehmer am Rande der Mitgliederversammlung des Verbandes am Donnerstag in Bad Kissingen, „dass wir uns bei gestiegenen Kosten und reduzierten Margen noch mehr zur Decke strecken müssen“.

Nichtsdestotrotz hätte Opel unter der neuen Führung Vieles richtig gemacht, die volle durchgehende Verfügbarkeit aller Modelle trotz der WLTP-Umstellung rechnen die Opel-Partner Rüsselsheim hoch an. Andererseits fehle durch wegfallende Modelle – bei ohnehin nur noch 6,2 Prozent Marktanteil – Umsatz im Verkauf und später dann auch im Service. Für den Opel-Imageträger Adam ist beispielsweise am Donnerstag der letztmögliche Bestelltag.

„Opel schrumpft sich gerade gesund – wie wir dabei allerdings am Ende des Tages aussehen, scheint für den Hersteller zweitrangig zu sein“, sagt der Verbandschef. Zudem ist offenbar durchgesickert, dass verkaufsschwachen B-Händlern kein neuer Partnervertrag mehr angeboten werden soll.

Die abnehmende Bereitschaft, sich eng aneinander zu binden, beruht allerdings auf Gegenseitigkeit. Laut Rolf Höschele überlegen derzeit viele kleinere Opel-Partner, ob sie ihr Geschäft wie bisher alleine mit Opel fortführen können. Zahlreiche Verbandsmitglieder informierten sich am Rande der Tagung dann auch an den Ständen der ebenfalls anwesenden Konzeptanbieter ELN und Eurorepar.

Vertragsentwurf lässt auf sich warten

Am meisten beschäftigt den Verbandsvorstand aktuell die Unsicherheit im Hinblick auf die neuen Partnerverträge. Während die Vertragshändler bereits die schriftliche Fassung der neuen Regelungen auf ihren Schreibtischen haben, starten die Verhandlungen zwischen AOV-Ausschuss und Herstellervertretern erst Mitte Februar. Dabei ist noch nicht einmal sicher, ob die Ausschussmitglieder den Vertragsentwurf vorher einsehen dürfen.

Bauchschmerzen bereiten nicht zuletzt die von Opel angestrebten Elektrostandards. Für die Vertragshändler soll der entsprechende Vertragspassus, der ursprünglich dazu verpflichtete, ab dem 1. Januar 2020 neun Wechselstrom-Ladestationen mit 22 kW sowie einen Gleichstrom-Schnelllader vorzuhalten, vom Opel-Haupthändlerverband VDOH mittlerweile wegverhandelt worden sein. Stattdessen will Opel im Rahmen eines Pilotprojektes zunächst intensiver die Bedarfslage prüfen.

Damit ist jedoch nach Ansicht der Igedos noch nicht gesagt, dass der teure Elektrostandard bei den Servicepartnern und den „Autorisierten Opel-Vermittlern (AOV)“ nicht doch wieder im Vertragstext auftaucht – Opel strebt offenbar sechs Ladesäulen bei jedem AOV an. Höschele ist jedoch nicht ganz klar, was die Vorgabe grundsätzlich für einen Sinn haben soll. „Wenn Fahrzeuge tatsächlich im Betrieb geladen werden müssen, will ich selber entscheiden, auf welche Weise ich das tue – das sollte jedenfalls kein Vertragsbestandteil sein.“

Licht und Schatten im Tagesgeschäft

Grundsätzlich zog der Vorstandssprecher ein positives Fazit über das gerade abgelaufene Jahr. „Abgesehen von einer Schwächephase im ersten Quartal war 2018 ein erfolgreiches Servicejahr.“ Nichtsdestotrotz gibt es eine ganze Reihe von Baustellen oder Fragezeichen, die das Tagesgeschäft derzeit ausbremsen, unter anderem…

  • Qualitätsprobleme in verschiedenen Baugruppen und die aktuelle Praxis des Herstellers bei Kulanzanfragen
  • bei vielen Inspektionsplänen werden nach wie vor zu niedrige Arbeitszeiten angesetzt
  • den Händlervertretern fehlen konkrete Informationen, wie die anstehenden Umstellungen bei den IT-Kernsystemen von statten gehen sollen

Die Tatsache, dass in diesem Jahr erneut mehr Verbandsmitglieder zur Tagung kamen, zeigt wohl auch die Bedeutung des Austausches und der geleisteten Arbeit in den Gremien. Trotzdem gab es bei der Igedos im vergangenen Jahr mehr Austritte als neue Mitglieder. Daher appellierte Rolf Höschele an die angereisten Unternehmer, von den nicht im Verband organisierten Kollegen mehr Solidarität einzufordern.

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