Optionen der Werkstätten in der Unfallreparatur

Autor / Redakteur: Konrad Wenz / Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Die Würzburger Karosserie- und Schadenstage beschäftigten sich in diesem Jahr mit den Erforderlichkeiten in der Unfallinstandsetzung. Denn Werkstätten müssen viele Vorgaben und Interessen beachten.

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(Foto: Bausewein)

Die Würzburger Karosserie- und Schadenstage in Würzburg wiesen den Werkstätten den Weg durch den Dschungel an rechtlichen und technischen Notwendigkeiten einer fachgerechten Unfall-Reparatur. Kfz-Betriebe treffen regelmäßig im Alltag auf die Frage der tatsächlichen Erfordernis, sehen sie sich doch allzu oft widerstreitenden Interessen aller Beteiligten ausgesetzt.

Versicherungen wollen eine günstige Instandsetzung, die Hersteller pochen auf ihre Vorgaben, und die Kunden wollen wirtschaftlich wieder so gestellt sein, wie vor dem Schaden. Selbst Rechtsanwälte und Richter müssen immer wieder aufs Neue die Frage beantworten, was denn wirklich notwendig ist zur Schadenbeseitigung.

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Ein Konfliktpunkt ist der Ort der Unfallreparatur: in der entsprechenden Markenwerkstatt oder doch durch einen freien K&L-Betrieb? Für ZKF-Präsident Peter Börner gibt es gleichermaßen Marken- und Freie Betriebe, die qualifiziert sind, Unfallreparaturen durchzuführen. Konrad Wenz, stellvertretender Chefredakteur »kfz-betrieb«, wies jedoch darauf hin, dass der Autofahrer in der Unfallschadenbeseitigung vornehmlich den Markenbetrieben vertraut. Etwa 58 Prozent suchen nach dem Unfall sofort die markengebundene Werkstatt auf. Lediglich neun Prozent der Autofahrer trauen dem freien K&L-Betrieb die Reparatur des Fahrzeugs zu. Das hat zumindest jüngst eine Befragung von Autofahrern im Rahmen der Trend-Tacho-Erhebung durch »kfz-betrieb« ergeben.

Eine weitere Streitfrage ist die Notwendigkeit, vor der Unfallschadenreparatur einen Sachverständigen einzuschalten. Die Antwort der Fachleute fiel deutlich aus: Zwar können die Werkstätten die Unfallschäden mit einem Kostenvoranschlag relativ genau beschreiben, aber vor Gericht hat das Gutachten eines Sachverständigen eindeutig größeres Gewicht. Viele Urteile wurden zitiert, in denen sich die Richter auf Gutachten beriefen. Insofern ist es zwar nicht unbedingt notwendig den Sachverständigen einzuschalten, aber durchaus ratsam.

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Live-Vorführungen von Smart-Repair-Verfahren

Stärker Umstritten ist die Erforderlichkeit hinsichtlich des Reparaturweges. Die Werkstätten stehen im Zwiespalt zwischen den Herstellervorgaben und den häufig von Versicherungen erwarteten Smart-Repair-Verfahren. Auf diesen Komplex gingen die Würzburger Karosserie- und Schadenstage ganz praktisch ein. In Livevorführungen konnten die Teilnehmer nachvollziehen, wie Smart-Repair-Verfahren funktionieren und welche Möglichkeiten sich daraus für Werkstätten ergeben. Denn neue Werkstoffe und Werkstoffkombinationen sorgen insbesondere in der Smart-Repair-Instandsetzung für neue Anforderungen.

Lackierfreie Ausbeultechniken zur Behebung von Hagelschäden, Kunststoffreparaturen zur Beseitigung von Rissen oder Kratzern an äußeren Kunststoffteilen, Spot-Lackierungen, aber auch Reparaturen an Windschutzscheiben sind verbreitete und technisch anerkannte Methoden zur Instandsetzung von Kraftfahrzeugen. Gegenüber herkömmlichen Reparaturverfahren wie etwa dem Austausch beschädigter Teile und der Neulackierung bieten diese Smart-Repair-Methoden meist den Vorteil geringerer Kosten, was gerade im Haftpflichtfall zu rechtlichen Problemen führen kann: Kann der Geschädigte eines Verkehrsunfalls beispielsweise vom Schädiger oder dessen Haftpflichtversicherer die Kosten einer herkömmlichen Fahrzeugreparatur verlangen, oder kann er auf die Kosten der im Zweifel günstigeren alternativen Reparatur verwiesen werden?

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Die Antwort kann nicht allein juristisch fallen, maßgeblich ist zudem, ob die alternative Reparaturmethode der herkömmlichen Methode im Einzelfall technisch gleichwertig ist. Um das einwandfrei zu beantworten, muss in der Regel ein Kfz-Sachverständiger hinzugezogen werden. Daran knüpft sich wiederum die Frage, welche Hinweis- oder Dokumentationspflichten einen Kfz-Sachverständigen hinsichtlich alternativer Reparaturmethoden bei der Schadensbegutachtung treffen. Muss ein Sachverständiger seinem Schadensgutachten die Kosten der günstigsten Reparaturmethode zugrunde legen, oder darf er die Kosten der herkömmlichen Methode kalkulieren?

Sigurd Wern, Richter am Landgericht Saarbrücken, setzte sich während der Würzburger Karosserie- und Schadenstage mit diesen Fragen auseinander. Demnach hat der Geschädigte kein Anrecht auf die konventionelle Reparatur. Vielmehr müsse der Sachverständige in seinem Gutachten wenn möglich eine der alternativen Reparaturmethoden berücksichtigen.

Kernkompetenz Unfallschaden-Kalkulation

Worauf es in der Unfallschadenkalkulation ankommt, erklärte Unternehmensberater Stefan Höslinger von Hepp – Gesellschaft für Unternehmensimpulse. Die Kalkulation sei die Geschäftsgrundlage eines K&L-Betriebs. Werde nicht richtig gerechnet, würden Verluste produziert. Und das kommt seiner Ansicht nach noch viel zu oft vor. Eine falsche Kalkulationen oder schlechte Fotos verhindern immer wieder die störungsfreie Abwicklung eines Unfallschadens. In der Folge wartet die reparierende Werkstatt unnötig lang auf die Bezahlung. Höslinger verdeutlichte daher, welche Fehler in der Unfallschaden-Kalkulation am häufigsten auftreten.

Neben den Wortbeiträgen informierten mehr als 50 Aussteller über Aspekte, Werkzeuge und Angebote rund um die Unfallschaden-Instandsetzung. Sie gaben ebenfalls mit Vorführungen Einblicke in Reparaturtechniken, beispielsweise für die Aluminium-Außenhaut-Reparatur, das Ziehen von Stanznieten ziehen und in der Glasreparatur.

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